Terrorfolgen für den Tourismus: Anschlag mitten im Besucherboom

Terrorfolgen für den Tourismus: Anschlag mitten im Besucherboom

, aktualisiert 21. August 2017, 06:23 Uhr
von Sandra LouvenQuelle:Handelsblatt Online

Die Sicherheit ist dahin: Nach dem Anschlag in Barcelona ist klar, dass der Terror auch Spanien nicht verschont. Das Land galt als sicheres Reiseziel und verbuchte Besucherrekorde. Droht der Branche nun ein Einbruch?

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Barcelona ist ein beliebtes Touristenziel – die Anschläge in Katalonien könnten aber viele Reisende abschrecken.

BarcelonaNach den Attentaten ist in Spanien nichts mehr wie vorher. Dreizehn lange Jahre ist das Land von Terrorattentaten verschont geblieben, während seine Nachbarn in Europa der Reihe nach Ziel von Attacken wurden.

Als vermeintlich sicheres Land hat Spanien von der Terrorangst derjenigen profitiert, die zuvor ihren Urlaub in Frankreich, der Türkei oder Nordafrika verbracht haben. Experten gehen davon aus, dass bis zum Jahresende 83 Millionen Touristen nach Spanien kommen werden – deutlich mehr als die 75 Millionen aus dem Vorjahr, die ihrerseits einen neuen Rekord dargestellt haben.

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Das Land hat nach den zahlreichen Terroranschlägen in der Region einen wahren Ansturm an Besuchern erlebt. So stark, dass es die Kapazitäten bereits überfordert. In den Hauptzielen wie Barcelona oder Mallorca wurde es einigen Spanier bereits zu viel. Sie sprühten Sprüche wie „Tourist go home“ an Hauswände, zerstachen Reifen eines Touristenbusses oder klebten „Go Home“-Aufkleber an Mietwagen. Es waren zwar nur vereinzelte Aktionen, doch die allgemeine Wahrnehmung fassen die Spanier inzwischen in einem eigenen Wort zusammen: „Turismofobia“. 

Mitten in die Debatte, wie man dem entgegenwirken und für einen nachhaltigeren Tourismus sorgen kann, platzen nun die Anschläge. In Barcelona tötete ein Lieferwagen, der auf der Flaniermeile Las Ramblas in die Menschenmenge raste, 13 Menschen und verletzte 100 weitere. In Cambrils, einem Küstenort Kataloniens, starb bei einem ähnlichen Versuch eine Frau, sechs Personen wurden verletzt, bevor die Polizei die Terroristen töten konnte. Jeder vierte Spanien-Tourist fährt nach Katalonien, die Hauptstadt Barcelona ist die meistbesuchte Stadt des Landes. 

Der Besucher-Boom der vergangenen Jahre in Spanien zeigt, dass Touristen nach Attentaten sehr wohl ihre Reiseziele ändern. Taleb Rifai, Chef der Welt-Tourismus-Organisation mit Sitz in Madrid, weist aber darauf hin, dass sich die Destinationen nach Anschlägen erstaunlich schnell wieder erholen.

„Frühere Fälle zeigen, dass solche Ereignisse eher kurzfristig sind und eine begrenzte Wirkung haben“, sagte Rifai dem Handelsblatt. „Barcelona und Spanien sind sehr gut entwickelt und wichtige Tourismusziele und wir sind absolut zuversichtlich, dass sie das auch weiterhin sein werden.“


Zunächst kaum Stornierungen

Spanien steht weltweit als Reiseziel an dritter Stelle – hinter den USA und Frankreich. Der Tourismus macht zwölf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus und ist gerade jetzt in den Sommermonaten der treibende Faktor hinter der deutlich sinkenden Arbeitslosenzahl. Bräche er ein, wäre das ein empfindlicher Schlag für die spanische Wirtschaft, die nach der harten Krise gerade mit stattlichen drei Prozent wieder wächst.

Am Tag nach dem Anschlag blieben in Barcelona sämtliche Attraktionen wie die Kirche Sagrada Familia geöffnet. Als Geste chauffierten Touristenbusse Besucher kostenlos. Reiseverbände verzeichneten am Tag nach den Anschlägen zunächst keine starken Stornierungen. An den Börsen fiel die Reaktion verhalten aus. Die spanische Hotelkette Meliá, deren größter Markt Spanien ist, verlor am Tag nach den Anschlägen rund zwei Prozent.

Dass sich der Schaden wie von Rifai prognostiziert tatsächlich in Grenzen hält, darauf hoffen auch Städte wie Paris: Nach den Terroranschlägen Ende 2015 kamen im vergangenen Jahr 1,5 Millionen weniger Ausländer zu Besuch in die Stadt der Liebe.

Der Bürgermeister von Nizza, wo im vergangenen Sommer ein LKW in eine Menge raste und 86 Menschen tötete, schlug vor, einen europäischen Fonds zu gründen, den europäischen Touristenzielen hilft, sich gegen die Terrorbedrohung zu wappnen. Terroristen suchten sich schließlich vor allem beliebte Reiseziele als Orte für ihre Angriffe aus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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