Terroristen in Xinjiang: Chinas wilder Westen

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Terroristen in Xinjiang: Chinas wilder Westen

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Den Ureinwohnern geht es nur wenig besser: Landbewohnerin in Xinjiang

von Philipp Mattheis

Peking will seine Westprovinz Xinjiang zu einem zentralasiatischen Handelszentrum ausbauen. Doch jetzt drohen Terroristen einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Die Gongyuan Bei Jie ist eine belebte Restaurant- und Geschäftsstraße in Urumqi, der Hauptstadt der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang. Zwischen den Passanten fallen immer wieder mal kleine Grüppchen auf, meist stehen sie unter Schatten spendenden Bäumen. Es sind Militärpolizisten, junge Chinesen, das Maschinengewehr über der Schulter. Zu dritt oder zu viert halten sie sich zwischen den wenigen Bars auf, in denen sich vor allem Ausländer treffen, meistens junge Englischlehrer. Gleich daneben grillen einheimische Uiguren auf dem breiten Bürgersteig Hammelfleischspieße.

Am 23. Mai waren auf dieser Straße zwei Autobomben explodiert. Zwischen Obst- und Gemüseständen starben 39 Menschen, 90 wurden verletzt. Es war der schlimmste Anschlag bisher, aber bei Weitem nicht der erste. „Wir sind Anschläge gewöhnt“, sagt Mehmet, ein junger Uigure. „Jetzt gibt es eben noch mehr Polizeikontrollen als vorher.“

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Gewalt und Terror ist an der Tagesordnung

Seinen ganzen Namen nennen möchte der Uigure nicht. Fast alle Gesprächspartner in der Provinz Xinjiang wollen aus Furcht vor der kommunistischen Zentralgewalt in Peking anonym bleiben. „Schnell landet man auf einer schwarzen Liste der Regierung“, erklärt Mehmet. Wer dort drauf stehe, erhalte regelmäßig Besuch von der Militärpolizei, die dann die Wohnung nach verdächtigem Material durchsucht. Im Radio heißt es, Autos mit abgedunkelten Fensterscheiben seien demnächst verboten, die Polizisten wollen immer sofort sehen, wer im Wagen sitzt.

Gewalt und Terror ist in der chinesischen Provinz Xinjiang an der Tagesordnung. Erst am Montag vergangener Woche starben wieder Dutzende Menschen bei einer Messerattacke in Kashgar, einer Stadt eineinhalb Flugstunden südwestlich von Urumqi. Wie üblich machten die chinesischen Sicherheitskräfte auch diesmal uigurische Aktivisten für die Tat verantwortlich. Häufig fügt sie hinzu, es handle sich um vom Ausland gesteuerte Gruppen. Völlig abwegig ist das nicht. Tatsächlich bezeichnet die al-Qaida Xinjiang auch als „Schlachtfeld Ost-Turkestan“, und die vom benachbarten Pakistan aus operierende Turkestan Islamic Party (TIP) hat sich zu manchen der Anschläge bekannt.

Unmut in der islamischen Bevölkerung

Einen Zusammenhang zwischen der Migrationspolitik und den Anschlägen weist Peking zwar zurück, doch auch darüber müsste man sich nicht wundern. Xinjiang ist etwa halb so groß wie Indien, hat aber nur 22 Millionen Einwohner. Auf dem riesigen Gebiet lebte ursprünglich eine Reihe islamischer Turkvölker, die größte Gruppe unter ihnen bilden die Uiguren. Seit Gründung der Volksrepublik China 1949 zogen aber immer mehr Han-Chinesen in die an Rohstoffen reiche Grenzregion.

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Viel erinnert in Urumqi nicht mehr an die alten Zeiten. Wie in jeder anderen chinesischen Großstadt prägen Hochhäuser, fast immer verstopfte Stadtautobahnen und graue Luft das Bild. 75 Prozent der Einwohner sind inzwischen Han-Chinesen. Die Uiguren leben im alten heruntergekommenen Teil der Stadt. Die wenigen Moscheen sind hoffnungslos überfüllt. Zum Freitagsgebet rollen Hunderte Gläubige ihre Gebetsteppiche auf den Straßen aus.

Dass immer mehr Chinesen kommen, sorgt für Unmut in der islamischen Bevölkerung. Die Provinz an Terroristen oder Separatisten zu verlieren kann und will China sich nicht leisten. „Xinjiang ist enorm wichtig für China“, sagt Simon Powell, Öl- und Erdgas-Experte bei CLSA, einer Investmentfirma aus Hongkong. „Bis 2016 könnte die Provinz zum größten Energieversorger Chinas werden.“

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