Terrormiliz: Der IS verdient Millionen mit Kunst

ThemaNaher Osten

Terrormiliz: Der IS verdient Millionen mit Kunst

, aktualisiert 09. April 2015, 12:19 Uhr
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Ein Mann sieht in Syrien Rauch aufsteigen.

Der IS handelt illegale Kunst und nimmt Millionen damit ein. Doch die Finanzprobleme der Terrormiliz löst das nicht, denn seine Haupteinnahmequelle – der Handel mit Öl – versiegt.

Mit dem illegalen Handel von erbeuteten Kunstschätzen und Antiquitäten nimmt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Einschätzung der US-Archäologin Deborah Lehr viele Millionen Dollar ein. Das ganze Ausmaß sei schwer zu bemessen und genaue Statistiken gebe es nicht, sagte die Gründerin des Verbands Antiquities Coalition.

Recherchen des Verbandes hätten aber ergeben, dass alleine in Ägypten seit 2011 Stücke im Wert von drei Milliarden Dollar geplündert worden seien. „Wenn man das vergleicht mit dem Irak und Syrien, wo es viel größere Zerstörungen und viel mehr Plünderungen gab, muss man glauben, dass die Zahlen dort noch viel höher sind“, sagte Lehr.

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Aus welchen europäischen Ländern radikale Islamisten kommen

  • Quelle

    Das "International Centre for Study of Radicalisation and Political Violence" (ICSR) hat in Kooperation mit der Münchener Sicherheitskonferenz für 50 Länder ausgewertet, wie viele Bürger aus den jeweiligen Staaten nach Syrien oder in den Irak gezogen sind, um sich militanten Gruppen anzuschließen. Die Daten für die einzelnen Länder beziehen sich auf die zweite Hälfte des Jahres 2014. Aus Westeuropa – so wird geschätzt – sind mittlerweile 4000 Kämpfer vor Ort. Ende 2013 waren es nicht einmal halb so viele. Geordnet werden die Länder nach der Anzahl der Kämpfer pro eine Million Einwohner.

  • Italien

    Circa 80 Kämpfer im Irak und in Syrien stammen aus Italien. Das macht 1,5 Kämpfer pro eine Million Einwohner.

  • Spanien

    Zwischen 50 und 100 Spanier haben sich militanten Gruppen angeschlossen. Auf eine Million Einwohner kommen damit rund zwei Kämpfer.

  • Schweiz

    Das ICSR schätzt die Zahl der Schweizer Kämpfer auf 40. Damit sind fünf Schweizer pro eine Million Einwohner nach Syrien oder in den Irak gezogen.

  • Irland

    Aus Irland stammen rund 30 Kämpfer. Das entspricht sieben pro eine Million Iren, die sich militanten Gruppen angeschlossen haben.

  • Deutschland

    Aus Deutschland kommen 500 bis 600 Menschen, die in Syrien und im Irak kämpfen. Damit gehört das Land zu der Gruppe europäischer Länder, aus denen insgesamt die meisten stammen. Pro eine Million Einwohner macht das 7,5.

  • Großbritannien

    Die gleiche Zahl an Kämpfern, 500 bis 600, stammt aus Großbritannien. Auf die Zahl der Einwohner heruntergerechnet sind es 9,5 pro eine Million.

  • Norwegen

    60 Menschen, die im Irak oder in Syrien kämpfen, kommen aus Norwegen. Auf eine Million Einwohner heruntergerechnet, sind das zwölf Kämpfer.

  • Finnland

    Für Finnland schätzt das ICSR die Zahl derer, die nach Syrien oder in den Irak gezogen sind, auf 50 bis 70. Das entspricht 13 Kämpfern pro eine Million Einwohner.

  • Niederlande

    Die Zahl der Niederländer, die in den Krieg gezogen sind, liegt zwischen 200 und 250. Heruntergerechnet auf eine Million Einwohner sind das 14,5 Kämpfer.

  • Österreich

    Aus Österreich ziehen zwischen 100 und 150 Radikale nach Syrien oder in den Irak. Pro eine Million Einwohner sind das 17.

  • Frankreich

    1200 Kämpfer im Irak und in Syrien stammen aus Frankreich. Damit kommen die meisten Europäer dort aus Frankreich. Weltweit kommen nur aus Jordanien, Marokko, Saudi-Arabien und Tunesien mehr. Auf eine Million Einwohner heruntergerechnet macht das 18.

  • Schweden

    Zwischen 150 und 180 Schweden kämpfen als Extremisten. Pro eine Million Einwohner sind das 19.

  • Dänemark

    Dänemark gehört zu den Ländern mit einem der größten Probleme, was radikale Islamisten angeht. Zwischen 100 und 150 Dänen sind nach Syrien oder in den Irak gezogen, um zu kämpfen. Das entspricht 27 Kämpfern pro eine Million Einwohner.

  • Belgien

    Pro eine Million Einwohner in Belgien sind 40 in den Irak oder nach Syrien gezogen. Insgesamt sind es 440.

Große Stücke würden Lehr zufolge von den Extremisten zerstört, kleinere abtransportiert und verkauft, häufig über das Internet. Die Nachfrage komme unter anderem aus Europa, den USA, China, Japan und den Golf-Staaten. „Uns besorgt nicht nur die Zerstörung der Kulturgüter, sondern auch der Aspekt der Einschüchterung, denn der ist ein Hinweis darauf, dass es hier um kulturelle Säuberung geht - und das wiederum ist ein Frühindikator für ethnische Säuberung.“

Die finanziellen Probleme des IS wird der Kunsthandel aber kaum lösen. Laut Bundesnachrichtendienst hat die Terrormiliz ihre wichtigste Einkommensquellen verloren. Nach den jüngsten militärischen Niederlagen kontrolliere der IS praktisch nur noch ein Ölfeld im Irak, berichteten „Süddeutsche Zeitung“ (Donnerstag), NDR und WDR unter Berufung auf einen BND-Sonderbericht für die Bundesregierung.

Das seien gerade noch fünf Prozent der einmal vom IS im Irak kontrollierten Menge. Die schlecht gewarteten syrischen Ölfelder könnten den Verlust nicht ersetzen. Der IS habe deshalb kaum noch genug Öl für die Eigenversorgung.

Hintergrund dieser dramatischen Lageveränderung seien militärische Vorstöße der kurdischen Peschmerga im Norden und der irakischen Streitkräfte im Raum Tikrit. Mindestens drei große Ölfelder soll der IS dadurch verloren haben.

Zwei von ihnen, die nordöstlich von Tikrit gelegenen Felder Himrin und Ajil, sollen die Terroristen zuvor in Brand gesetzt haben. Fördereinrichtungen wurden demnach gesprengt, Satellitenbilder sollen im vergangenen Monat zahlreiche Brände gezeigt haben. Nach Einschätzung des BND beweise dies, dass der IS selbst nicht an eine schnelle Rückeroberung glaube.

Der IS gilt als eine der reichsten Terrororganisation aller Zeiten, die sich durch Steuern, Erpressung, Kunstraub, Entführungen und Ölschmuggel weitgehend selbst finanziert. Das Auswärtige Amt beziffere den „Kapitalstock“ in seiner Antwort auf eine Bundestagsanfrage der Linken auf „ein bis zwei Milliarden Dollar“, berichteten „Süddeutsche“, NDR und WDR.

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Indessen hat der Iran vor einem wachsenden Einfluss der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und des Terrornetzwerks Al-Kaida im Jemen gewarnt. Deshalb müssten die Konfliktparteien dringend einen Dialog aufnehmen, forderte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif am Mittwoch bei einem Besuch in Pakistan.

Saudi-Arabien, der Iran und der Rest der muslimischen Welt müssten die verfeindeten Lager im Jemen an einen Tisch bringen, um eine von allen Seiten akzeptierte Regierung zu ermöglichen.

Im Jemen kämpfen die wohl vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen gegen Anhänger des aus dem Land geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Das benachbarte Saudi-Arabien, das mit dem Iran um die Vorherrschaft in der Region wetteifert, unterstützt Hadi, dem es vorläufig Asyl gewährt hat. Seit zwei Wochen bombardiert eine von Saudi-Arabien geführte regionale Allianz Stellungen und Waffenlager der Huthis.

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