Terrormiliz Islamischer Staat: Tod einer US-Geisel gemeldet

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Terrormiliz Islamischer Staat: Tod einer US-Geisel gemeldet

, aktualisiert 06. Februar 2015, 15:47 Uhr

Bei dem jordanischen Luftangriff in Syrien sei angeblich eine als Geisel genommene Amerikanerin ums Leben gekommen, heißt es in einer Erklärung der Terrormiliz Islamischer Staat.

Nach der brutalen Verbrennung ihres Piloten durch die Terrormiliz Islamischer Staat hat die jordanische Luftwaffe ihre Angriffe auf die Extremistengruppe forciert. Aktivisten und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichteten am Freitag von mehreren Luftschlägen in der IS-Hochburg Al-Rakka. In verschiedenen Vierteln der Stadt seien Explosionen zu hören gewesen.

In einer angeblich von der Terrormiliz Islamischer Staat stammenden Erklärung heißt es, bei einem jordanischen Luftangriff in Syrien sei eine als Geisel genommene Amerikanerin ums Leben gekommen. Ansonsten variierten die Opferzahlen bei den verschiedenen Aktivistengruppen, die übereinstimmend von dem Bombardement berichteten. Die sogenannten Örtlichen Koordinationskomitees meldeten 25 Tote, die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte 27 und ein Aktivist aus Aleppo selbst, Ahmad al-Ahmad, sprach von 47 Toten. Seinen Angaben zufolge starben alleine 27, als eine Fassbombe einen voll besetzten Bus traf. Zehn weitere seien getötet worden, als sie vor einem Tankwagen auf die Verteilung von Wasser warteten. Zehn Verletzte erlagen zudem später ihren schweren Verletzungen.

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Die mit Metallsplittern und Hunderten Kilo Sprengstoff gefüllten Fassbomben werden aus Helikoptern in Rebellengebiete abgeworfen, um dort so viel Schaden wie möglich anzurichten.

Dutzende Kampfjets bombardierten Ausbildungszentren und Waffenlager in Syrien, wie die Armee mitteilte. Eines der Ziele sei Rakka, die De-Facto-Hauptstadt des IS in Syrien, gewesen, sagte König Abdullah II. am Donnerstag. In deren Nähe war der Pilot im Dezember gefangen genommen worden. Erstmals attackierte das jordanische Militär zudem IS-Ziele im Irak, wie Außenminister Nasser Dschudeh mitteilte.

Zuvor hatte Abdullah angekündigt, sein Land werde mit voller Härte gegen den IS vorgehen, „weil diese Terrororganisation nicht nur gegen uns kämpft, sondern auch gegen den Islam und seine reinen Werte“. Sie sollten nun gezielt in ihren Hochburgen angegriffen werden, sagte der Monarch.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

  • Islamische Front

    Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

  • Nusra-Front

    In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

  • Islamischer Staat

    Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

    Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

    Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

  • Syrische revolutionäre Front

    Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


  • Mudschaheddin-Armee

    Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


  • Höchstes Militärkommando

    Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Am Donnerstag wurde dieser Plan sogleich in die Tat umgesetzt. Das Militär teilte mit, alle angegriffenen Ziele seien zerstört worden und die Offensive gegen die Extremisten werde so lange weitergehen, „bis sie eliminiert sind“.

Das jordanische Staatsfernsehen zeigte Bilder von den Luftangriffen. Unter anderem waren auch zwei Piloten zu sehen, die Botschaften auf ihre Raketen schrieben, unter anderem „Für euch, die Feinde des Islam“.

Jordanien ist Teil der von den USA angeführten Allianz, die seit knapp fünf Monaten Ziele der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien bombardiert. Die neue Anti-IS-Kampagne sei nun auch auf den Irak ausgeweitet worden, sagte Chefdiplomat Dschudeh dem TV-Sender Fox News. „Wir haben gesagt, dass wir den ganzen Weg gehen und ihnen nachjagen, wo auch immer sie sind und das tun wir.“

Die IS-Miliz kontrolliert jeweils rund ein Drittel der Staatsgebiete von Syrien und dem Irak. Beide Länder grenzen an Jordanien.

Weitere Artikel

Nach der Gefangennahme des Piloten Al-Kasasba stationierten die USA Such- und Rettungsflugzeuge näher an den Zielen ihrer Luftangriffe. Die Maschinen im Nordirak sollten Piloten des Bündnisses mehr Sicherheit geben, dass sie nicht dasselbe Schicksal ereilt wie Al-Kasasba, sagten Vertreter des US-Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten ihre Angriffe bereits eingestellt, offenbar auch aus Sorge um die Sicherheit der Piloten.

Lange Zeit galt Jordanien inmitten der Turbulenzen in der Region als relativ stabil, doch in den vergangenen Jahren sind Tausende Kriegsflüchtlinge ins Land gekommen. Gleichzeitig flaute die inländische Wirtschaft ab. Jordanien kämpft mit sozialen Problemen wie einer hohen Arbeitslosigkeit junger Männer. Diese stellen ein potenzielles Ziel für die Rekrutierung durch den IS dar. Experten schätzen, dass dschihadistische Gruppierungen Tausende Unterstützer in dem Königreich haben.

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