Teuerungsrate: Wirtschaftsforscher senken Prognose für Deutschland kräftig

Teuerungsrate: Wirtschaftsforscher senken Prognose für Deutschland kräftig

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Die Skyline von Frankfurt am Main: Für Deutschland trüben sich die Konjunkturaussichten ein

Schlechte Nachrichten für die deutsche Wirtschaft: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr kräftig von 2,2 auf 1,8 Prozent gesenkt. Zudem ist die Jahresteuerungsrate in Euroland auf den höchsten Stand seit elf Jahren gestiegen. Satte 3,6 Prozent Inflation sagen die Statistiker für 2008 nun voraus. Schuld daran sind die starken Anstiege der Energie- und Lebensmittelpreise.

Der starke Euro, die hohen Ölpreise und die Finanzkrise bremsen nach Einschätzung der führenden Forschungsinstitute in diesem Jahr das deutsche Wirtschaftswachstum. Die Experten wollen deshalb ihre Konjunkturprognose für 2008 von 2,2 auf 1,8 Prozent senken. Dies geht nach Angaben aus Regierungskreisen aus dem Frühjahrsgutachten der Institute hervor, das morgen in Berlin vorgestellt wird.

Trotz der „spürbaren Verlangsamung der konjunkturellen Expansion“ sei die Wirtschaft insgesamt aber robust. 2009 werde das Wachstum nur noch bei 1,4 Prozent liegen. Die Arbeitslosigkeit könnte jedoch auf unter drei Millionen sinken. Im nächsten Jahr sei eine Arbeitslosenzahl von rund 2,9 Millionen möglich, zitierte das „Handelsblatt“ aus dem Gutachten. Die Zahl der Erwerbstätigen steigt demnach von 39,7 Millionen auf 40,2 Millionen in diesem Jahr und auf 40,3 Millionen im Jahr 2009.

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Allerdings bleibt die Inflation in Deutschland und den anderen 14 Euro-Ländern auf dem Vormarsch. Wegen der Teuerungswelle bei Energie und Nahrungsmitteln stiegen die deutschen Verbraucherpreise im März um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Einen höheren Wert hat es seit 1994 nur im vergangenen November mit 3,2 Prozent gegeben. Im Euro-Raum wurde mit 3,6 Prozent sogar die höchste Teuerungsrate seit Beginn der Währungsunion ermittelt.

Finanzkrise wirkt sich auf Deutschland nur wenig aus

Das Frühjahrsgutachten sagt einen etwas geringeren Preisanstieg voraus: Im laufenden Jahr erwarten die Forscher einen Anstieg der Verbraucherpreise auf 2,6 Prozent. Nächstes Jahr soll sich die Lage wieder entspannen bei einem Preisanstieg von 1,8 Prozent.

Die weltweiten Finanzturbulenzen haben nach Ansicht der Forscher bislang nur geringe Auswirkungen auf die Lage in Deutschland. „Alles in allem gibt es bislang nur wenig Hinweise darauf, dass sich die Finanzmarktkrise bereits spürbar auf die Unternehmensfinanzierungen ausgewirkt hat“, heißt es laut „Süddeutscher Zeitung“ in dem Gutachten. Spekulationen über eine drohende Kreditklemme für den Mittelstand hatten auch die Kreditwirtschaft und die Regierung zurückgewiesen.

Die Bundesregierung legt in der nächsten Woche ihre neue Wachstumsprognose vor. Bislang geht sie für 2008 von einem Plus von 1,7 Prozent aus. Die jeweiligen Frühjahrs- und Herbstgutachten der Institute werden seit 1950 im Auftrag der Regierung vorgelegt. Neuerdings sind auch ausländische Ökonomen beteiligt.

Preisexplosion bei Nahrungsmitteln

Schwieriger wird die Lage allerdings für die Konsumenten: Denn in letzter Zeit sind die Lebensmittel-Preise geradezu explodiert, wie aus den heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Nahrungsmittel verteuerten sich innerhalb eines Jahres fast so stark wie in den gesamten zehn Jahren zuvor und entwickelten sich so zu den größten Preistreibern. Sie kosteten durchschnittlich 8,6 Prozent mehr als im März 2007, nachdem sie von 1997 bis 2007 nur um neun Prozent geklettert waren.

„Vor allem Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch weisen derzeit hohe Teuerungsraten auf“, schrieben die Statistiker. Roggen- und Mischbrot kosteten 7,1 Prozent und Brötchen 8,2 Prozent mehr. Für frische Vollmilch wurden 31 Prozent mehr verlangt, für Speisequark sogar 46,6 Prozent. Mehl verteuerte sich gut ein Drittel, Nudeln um rund ein Viertel. Mineralwasser, Säfte und Limonaden kosteten 7,1 Prozent mehr.

Auch teure Energie belastete die Verbraucher. Superbenzin kostete 9,6 Prozent und Diesel sogar 19,5 Prozent mehr. Heizöl verteuerte sich um 40 Prozent, Strom um 7,2 Prozent. Ohne Energie hätte die Teuerungsrate lediglich 2,3 Prozent betragen. Kraftstoffe und Heizöl dürften sich im April nochmals verteuern: Der Preis für leichtes US-Öl der Sorte WTI erreichte am Mittwoch mit 114,53 Dollar ein Rekordhoch.

Auch der Staat ist Preistreiber

Mitverantwortlich für den Preisauftrieb ist einer Studie zufolge der Staat. Seit 1995 verteuerten sich die Dienstleistungen von Bund, Ländern und Gemeinden um 45 Prozent, wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) mitteilte. Dazu zählen etwa Gebühren für Müllabfuhr, Kindereinrichtungen, neue Ausweise bis hin zu Kfz-Zulassungen. Die Verbraucherpreise seien dagegen nur um 17 Prozent gestiegen.

Wegen der kräftigen Lohnerhöhung im öffentlichen Dienst in diesem Jahr seien weitere Gebührenerhöhungen vorprogrammiert. Die stark steigenden Kosten für die Lebenshaltung gefährden Experten zufolge den Aufschwung, weil sie die Kaufkraft der Verbraucher drücken.

Inflationsanstieg hält EZB vom Eingreifen ab

Die Nürnberger GfK-Marktforscher senkten deshalb bereits ihre Prognose für das Konsumwachstum von 1,5 auf 1,0 Prozent. Die starke Teuerung hält zudem die Europäische Zentralbank (EZB) davon ab, mit Zinssenkungen die Konjunktur anzukurbeln.

Sie sieht stabile Preise nur bis zu einer Rate von knapp unter zwei Prozent als gesichert an. Billigeres Geld würde die Preise nur noch mehr nach oben treiben, fürchtet sie. Deshalb belässt die EZB ihren Leitzins seit Monaten trotz der Finanzkrise bei vier Prozent, während die US-Notenbank ihrer Wirtschaft mehrfach mit Zinssenkungen unter die Arme griff.

Der Euro kletterte unterdessen auf das Rekordhoch von fast 1,60 Dollar. Hohe Leitzinsen machen die Währung für Anleger attraktiver. Der starke Euro dämpft den Preisauftrieb bei Öl und anderen Rohstoffen, die in Dollar bezahlt werden. Er macht aber auch deutsche Produkte in Übersee teurer und kann so der Exportwirtschaft schaden.

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