Texas: Mit Colt und Cowboyhut in die Unabhängigkeit

Texas: Mit Colt und Cowboyhut in die Unabhängigkeit

, aktualisiert 09. Oktober 2016, 12:24 Uhr
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Dass Texas aus den USA austreten wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Doch „Texas Nationalist Movement“ kämpft genau dafür.

Quelle:Handelsblatt Online

Sie wollen den „Texit“: In Texas fasst eine Bewegung Fuß, die den Austritt des US-Bundesstaates aus der Union der Vereinigten Staaten will. Noch ist sie nicht besonders stark, doch unterschätzt wurden schon andere.

AustinErst gab es Spekulationen über einen „Grexit“ – einen Austritt der Griechen aus der Eurozone. Dann kam der „Brexit“, der die Briten aus der Europäischen Union hieven wird. Erleben die Amerikaner nun ihren „Texit“? Fehlt im Sternenbanner bald der 50. Stern? Ein Haufen rechtskonservativer Texaner will, dass der Bundesstaat im Süden der USA künftig seine eigenen Wege geht – unabhängig von dem aus seiner Sicht bürokratisch von Washington aus dirigierten Kunstgebilde USA.

„Schon im nächsten Jahr könnte es soweit sein“, sagt Daniel Miller über ein mögliches Referendum. Der schwergewichtige Mann mit dem kahlen Kopf ist Präsident des „Texas Nationalist Movement“, einer Bewegung, die sich für die Unabhängigkeit des Staates einsetzt. Registriert haben sich 306.000 der 26 Millionen Texaner auf der Internetseite des Movements.

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Das ist von einer Mehrheit soweit entfernt wie französische Haute Cuisine von einem Texas Barbecue. Aber für Miller ist das nicht wichtig. Er ist sich sicher, seine Landsleute von der Idee begeistern zu können – fällt sie doch auf einen Boden, der fruchtbar ist für Nationalisten genauso wie für Populisten. Schottland ist für die „Texit“-Leute zum großen Vorbild geworden.

Miller beruft sich auf eine Meinungsumfrage aus dem Jahr 2014. Damals hätten sich 54 Prozent der Republikaner-Anhänger und die Hälfte aller unabhängigen Wähler für die Abspaltung von Texas ausgesprochen. „Der Flaschenhals für uns ist nicht das Volk“, sagt er.

„Wer glaubt ihr, kann Texas am besten regieren?“, ruft Miller seinen Anhängern zu. „Texaner? Oder 2,5 Millionen demokratisch nicht legitimierte Bürokraten in Washington?“ Miller ist sich sicher: „Die besten Leute, um Texas zu regieren, sind Texaner.“ Es müsse aufhören, dass Texas jedes Jahr die Union mit 110 Milliarden Dollar subventioniere.

Die Unabhängigkeitsbewegung steht den konservativen Republikanern nahe, der stark dominierenden Partei in dem südlichen Bundesstaat, wo in manchen Städten noch immer Kühe durch die Straßen laufen und Rodeo Volkssport ist. Auf dem Texas-Konvent der Republikaner im Mai hätten die „Texit“-Befürworter um ein Haar eine Abstimmung durchsetzen können, um das Thema im Plenum zu diskutieren. Nur zwei Stimmen fehlten.


Texanische Besonderheiten

Ihrem Lager gehört vor allem der rechte, heimattreue Flügel an. Was Miller deshalb nicht laut sagt: Ein Sieg der liberalen Hillary Clinton würde die Bewegung sicher eher befeuern, als ein Triumph des Rechtspopulisten Donald Trump. Die Perspektive, dass das Weiße Haus weitere vier Jahre in der Hand der verhassten Demokraten ist, könnte viele Konservative in Texas für die Sache der Unabhängigkeit begeistern, so das Kalkül.

Wenn Miller Werbung für seine Idee macht, fallen ihm die vielen Besonderheiten seines Bundesstaates ein. Texas sei eben nicht wie jeder andere Staat, die Texaner treibe ein besonderer Stolz um, sie trügen Hüte und Cowboystiefel, sie seien getragen von Heimatliebe, Traditionsbewusstsein und meist tiefer Gläubigkeit an den Allmächtigen. Ihr Barbecue sei besser als das in South Carolina, ihre Pferde schneller als die in Kentucky und die Rinderherden größer als in Colorado.

„Wir reden hier Frauen mit Ma'am an und Männer mit Sir“, sagt Steve Dyer, Polizeichef der texanischen Stadt Grand Prairie. Er ist kein erklärter Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung, aber dennoch ein typischer Sohn seines Staates. „Ein echter Texaner hat sein ganzes Leben hier verbracht“, sagt er und sieht es mit Skepsis, dass vermehrt Menschen aus Staaten wie Michigan oder gar Kalifornien ihr Heil in Texas suchen. „Das mögen ja alles gute Leute sein – aber ein bisschen verwässern sie unsere Kultur.“

So ist er, der Texaner. Sein Staat, gemessen an der Fläche fast doppelt so groß wie Deutschland, könnte es vielleicht tatsächlich auch alleine. Die Ölindustrie in Houston, die großen Ranches im Westen und die Obst- und Gemüseplantage im Tal des Rio Grande an der Grenze zu Mexiko generieren ein Bruttosozialprodukt, das ein unabhängiges Texas auf Rang 10 weltweit rangieren ließe. Auf diesem Platz steht derzeit Kanada.

So richtig dran glauben mag aber zumindest außerhalb der Unabhängigkeitsbewegung kaum jemand. Texas hat die Erfahrung mit der Unabhängigkeit schon einmal gemacht. Um sich von Mexiko loszusagen, hatte es 1835 noch eines blutigen Krieges bedurft. Schon zehn Jahre später schlüpften die Texaner unter Führung ihres Präsidenten Sam Houston reumütig unter den Schirm der Vereinigten Staaten. Houston wird nahe der Stadt Huntsville mit einer riesigen Statue am Rand des Highways verehrt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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