Thomas Straubhaar: "Gefahr ist gebannt"

InterviewThomas Straubhaar: "Gefahr ist gebannt"

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Thomas Straubhaar

von Konrad Handschuch

Der Chef des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) rät zu mehr Gelassenheit und schlägt die Gründung eines EU-Finanzrates vor.

Herr Straubhaar, erleben wir gerade den Anfang vom Ende der Währungsunion?

Straubhaar: Nein! Wir erleben jetzt den Anfang vom Ende der Krise, aber ganz sicher nicht vom Ende der Währungsunion. Die politische Absicht, die Euro-Zone mit allen verfügbaren Mitteln zusammenzuhalten, war noch nie so groß wie heute. Nach den klugen Beschlüssen des EU-Krisengipfels bin ich gelassener denn je, dass wir den Euro auch noch in 10 oder 20 Jahren haben werden, und meine Prognose ist, er wird dann eher mehr als 17 Mitglieder haben als weniger.

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Sie bleiben gelassen – warum sind Politik und Finanzmärkte so extrem nervös?

Als Ökonom sollte man sich von der Nervosität auf den Kapitalmärkten nicht anstecken lassen – und als Politiker auch nicht. Die reale Wirtschaft ist in diesen Tagen viel stärker, als es die Nervosität an den Finanzmärkten erscheinen lässt. Es gibt in diesen Tagen nicht den geringsten Grund, sich von der Hektik mitreißen zu lassen. Nach dem Schuldenschnitt und der Hebelung der Rettungsschirme ist die Refinanzierung überschuldeter Euro-Länder gesichert. Die Politik und auch private Gläubiger haben entschieden, noch mehr Geld in die Hand zu nehmen, um Griechenland umzuschulden, Banken zu rekapitalisieren und dafür zu sorgen, dass größere Länder wie Italien und Spanien nicht wirklich in Gefahr geraten. Damit kann man zur Normalität zurückkehren.

Dafür soll jetzt der Rettungsfonds EFSF sorgen, dessen Wirkung durch die gerade beschlossene Versicherungslösung immens gehebelt wird. Werden Banken Staatsanleihen kaufen, die zu 20 Prozent gesichert sind, wenn im Fall Griechenland ein Abschlag von 50 Prozent erfolgte?

Bei diesem Hebel geht es um den Versuch, auch privates Kapital für die künftige Finanzierung überschuldeter Euro-Länder zu mobilisieren und zwar erst dann, wenn die alten Schulden abgelöst werden müssen. Man gewinnt also weitere Zeit, und bis dahin kann sich die Lage so weit beruhigen, dass ein Investor, der dann seine Risiken kalkulieren wird, mit einer vergleichsweise geringen Rendite bereit ist einzusteigen, wenn er weiß, die ersten 20 Prozent eines möglichen Verlusts sind durch den Staat abgedeckt.

Ist das eine gute Idee?

Es handelt sich um eine institutionalisierte Subventionierung privater Kreditgeber bei Staatsfinanzierung, die langfristig die Risiken für den Steuerzahler vergrößert statt verringert.

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