Tibet-Konflikt: SPD-Abgeordneter fordert Teil-Boykott gegen China

Tibet-Konflikt: SPD-Abgeordneter fordert Teil-Boykott gegen China

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Unter Kontrolle: Chinesische Sicherheitskräfte in der Provinz Yunnan

Während die chinesischen Behörden melden, Tibet und die angrenzenden Provinzen wieder voll unter Kontrolle zu haben, verschärft sich offenbar die Lage in den blockierten Klostern.

Staatliche Medien berichteten, seit den schweren Unruhen vom 14. März hätten sich mehr als 650 Beteiligte den Behörden in der tibetischen Hauptstadt Lhasa und in Sichuan ergeben.

Laut der Nachrichtenagentur Xinhua wurde eine Liste von 53 Personen veröffentlicht, die als mutmaßliche Rädelsführer gesucht werden. In Lhasa hätten sich 280 Demonstranten freiwillig gestellt, meldete Xinhua unter Berufung auf das Tibetische Büro für Öffentliche Sicherheit. 381 Menschen hätten sich in Aba in der Provinz Sichuan ergeben, berichtete die englischsprachige „China Daily“ ergänzend.

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In den blockierten tibetischen Klöstern ist die Lage nach Angaben von Exiltibetern schlimmer als bisher bekannt. Im Ramoche-Kloster in Lhasa sei bereits ein Mönch aufgrund der mangelnden Versorgung gestorben. Der Pressemitteilung zufolge sei der Mann bereits am Montag „verhungert“. Die Angaben konnten zunächst nicht durch unabhängige Quellen bestätigt werden.

Pflug will Handel einschränken

Zahlreiche von Sicherheitskräften abgeriegelte Klöster hätten mit Nahrungs- und Wasserknappheit und schlechter medizinischer Versorgung zu kämpfen, berichtete das Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD) weiter. Das Ramoche-Kloster sei bereits seit dem 14. März vom Militär umstellt, das sämtliche Zugänge blockiere und es „öfter“ mit Tränengas beschieße, wie eine „zuverlässige Quelle“ berichtet habe. Es sei „aufgrund der Restriktionen durch die chinesischen Behörden“ aber zunehmend schwierig, detaillierte Informationen aus Tibet zu bekommen.

In der Diskussion über eine angemessene Reaktion auf das chinesische Vorgehen in Tibet hat der Vorsitzende der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Johannes Pflug, einen teilweisen Handelsboykott ins Gespräch gebracht.

Maßnahmen im Wirtschaftsbereich seien sinnvoller als ein Olympiaboykott, um in Menschenrechtsfragen Druck auf die politische Führung in Peking auszuüben, sagte der SPD-Politiker der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Man muss darüber reden, welche Güter man nach China liefert und wie die Wirtschaftsbeziehungen sind“, sagte Pflug der Zeitung.

So könne zum Beispiel die Lieferung von Gütern der Hochtechnologie und des Energiesektors, insbesondere von Luxusgütern, ausgesetzt werden. Ausgenommen werden sollten Exporte, von denen „wir alle profitieren - etwa beim Klima- und Umweltschutz“. Aber es gebe viele Güter, „die nicht unbedingt nach China geliefert werden müssen“. Pflug sagte, es werde Zeit, dass sich die Internationale Völkergemeinschaft stärker mit der Tibet-Frage auseinandersetze.

Ein Boykott der Olympischen Spiele wäre aus seiner Sicht nur „ein Symbol, bei dem man sich erst stark fühle, anschließend aber ohnmächtig“. Dadurch würden sich die Fronten endgültig verhärten, „so dass der Einfluss der daran beteiligten Staaten auf die chinesische Politik anschließend gegen Null geht“. Pflug forderte die chinesische Führung auf, offizielle Gespräche mit dem Dalai Lama aufzunehmen, der bislang eine „sehr vernünftige, abwägende und auch deeskalierende Reaktion“ auf die Vorfälle in seiner Heimat gezeigt habe.

Auch international hielt der Druck auf Peking mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele im August weiter an. Während ein Boykott der sportlichen Veranstaltungen kaum noch zur Debatte stand, rückten in manchen westlichen Ländern Erwägungen in den Mittelpunkt, der Eröffnungszeremonie fernzubleiben. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärte, er schließe diese Möglichkeit nicht aus.

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