Tod von Michael Brown: Keine Antworten in Ferguson

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KommentarTod von Michael Brown: Keine Antworten in Ferguson

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Polizisten und Demonstranten stehen sich in Ferguson gegenüber.

von Martin Seiwert

Der Polizist, der im August in Ferguson den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown erschoss, muss sich vorerst nicht vor Gericht verantworten. Eine fragwürdige Entscheidung.   

Die Entscheidung der Grand Jury, den Polizisten Darren Wilson nicht anzuklagen, ist kein Schlussstrich unter die tragischen Ereignisse vom 9. August. Die fragwürdige Begründung des Jury-Entscheids durch den Oberstaatsanwalt wird die Debatte über die systematische Benachteiligung von Schwarzen im US-Rechtssystem weiter anfachen.

Zwei Monate lang hatte die Jury, bestehend aus drei schwarzen und neun weißen Geschworenen, hinter verschlossenen Türen über den Beweisen gebrütet, die für eine Anklage von Wilson vorlagen. Am Montagabend teilte Oberstaatsanwalt Robert McCulloch in einer Pressekonferenz mit, dass die Geschworenen keine hinreichenden Beweise gefunden hätten, die eine Anklage rechtfertigen würde.

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Quelle: Bloomberg

McCullochs Stellungnahme war eine einzige Verteidigungsrede für den Todesschützen. Der Staatsanwalt attackiert mehrfach die sozialen Netzwerke und die Medien, die in den vergangenen Monaten fortwährend unvollständige und falsche Darstellungen des blutigen Geschehens verbreitet hätten. Anders als die Medien, die nur ein unklares Bild der Lage gehabt hätten, hätten der Jury alle Beweise vorgelegen und deshalb sei sie zu einem anderen Urteil gekommen: dass Wilson das Recht hatte, sich mit der Waffe zu verteidigen.

Statt lang und breit zu erläutern, dass die Informationslage der Jury besser war, als die der Öffentlichkeit – was in der Natur der Sache liegt – und Ermittlungsergebnisse vorzutragen, die in den vergangenen Wochen schon in sämtlichen Zeitungen standen, hätte der Staatsanwalt über den entscheidenden Punkt sprechen müssen: Ob der Polizist zum Zeitpunkt der tödlichen Schüsse von Michael Brown ernsthaft bedroht wurde. Nur dann – nur wenn er sich selbst verteidigen musste – war die tödliche Gewalt gerechtfertigt. Doch auf konkrete Angaben dazu wartete die amerikanische Öffentlichkeit am Montagabend vergeblich.

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Eine Journalistin in der Pressekonferenz wollte sich damit nicht abfinden. „Welche Beweise gibt es“, hakte sie nach, „dass die tödliche Gewalt gerechtfertigt war?“ Der Staatsanwalt flüchtete sich in Ausführungen darüber, dass der Jury “sämtliche Beweise vorgelegt wurden“. Warum der Polizist den erkennbar unbewaffneten Jugendlichen mit Kopfschüssen aus großer Entfernung straffrei töten durfte, dazu verlor der Staatsanwalt kein Wort. Wie konnte der junge Mann, der die Hände laut aller Zeugenaussagen erhoben hatte, der bereits angeschossen war und mehrere Meter vom Polizisten entfernt stand, lebensbedrohlich für den Polizisten sein?

Der lange erwartete Jury-Entscheid hat mehr Fragen als Antworten gebracht. Die Hoffnungen der Amerikaner, die an ihrem Rechtssystem zweifeln, ruhen nun auf den Informationen, die der Staatsanwalt am Montagabend freigab. Es soll sich dabei um alle Informationen handeln, die der Jury vorlagen. Die von Staatsanwalt McCulloch so wenig geschätzten Medien werden genau hinschauen.

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