Tourismus: Die Chinesen kommen

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Tourismus: Die Chinesen kommen

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Immer mehr Chinesen verbringen ihren Urlaub in Deutschland. Doch besonders Hoteliers wissen die Kunden noch nicht zu schätzen

von Philipp Mattheis

Jährlich wächst die Zahl der chinesischen Touristen, die nach Europa reisen. Doch mit Zehn-Tage-in-zehn-Ländern hat das kaum mehr etwas zu tun. Langsam bildet sich in China eine Nachfrage für hochwertigen, individuellen Tourismus.

Die meisten Chinesen trinken warmes Wasser. Kaltes halten sie für ungesund. Deshalb sollte überall dort, wo sich chinesische Touristen für längere Zeit aufhalten, auch ein Wasserkocher bereitstehen. Das ist nur einer der Punkte, den laut Alison Gilmore, Reiseveranstalter und Hotels beachten sollten, wenn sie Gäste aus China in Europa beherbergen wollen. Die Britin ist Veranstalterin der "IInternational Luxury Travel Market Asia" in Shanghai.

Andere häufige Fehler sind: Kein chinesische sprechendes Personal, ausschließlich europäisches Essen und zu wenig Wissen über die Besonderheiten chinesischer Touristen. So wird unter Reiseveranstaltern oft die Geschichte eines Hotels erzählt, das abbrannte, weil chinesische Gäste im Zimmer ihr Essen mit einem Gaskocher zubereiteten. Dabei lohnt sich die Vorbereitung auf das Klientel auf jeden Fall: "Immer mehr reiche Chinesen wollen ins Ausland reisen. 2011 waren es 77 Millionen, 12 Prozent mehr als im Jahr zuvor", sagt Alison Gilmore. "Europa steht nach wie vor ganz oben auf der Liste."

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Zwar gibt es nach wie vor die reisbetriebenen Reisegruppen, die mit Bussen in zehn Tagen in zehn Länder hetzen, in dieser Zeit in schlechten chinesischen Restaurants essen und billigen Hotels am Stadtrand übernachten. Doch neben diesem Sturmtrupp-Tourismus bildet sich langsam auch eine Nachfrage für qualitativ hochwertigen, individuelleren Tourismus. Vor allem das Luxus-Segment bietet große Chancen.

Die Reisen der jungen Millionäre

Klientel mit viel Geld gibt es in Fernost reichlich. 2,7 Millionen Dollar-Millionäre leben in China. 61 Prozent geben im "Hurun-Report", einer Reichen-Umfrage, Reisen als liebste Freizeitaktivität an. Hinzu kommt: Chinesische Superreiche sind verhältnismäßig jung - während in den USA 50 Prozent aller Millionäre älter als 50 sind, gilt das nur für 30 Prozent der chinesischen.

Die Firma "Affordable Luxury Network" organisiert Reisen für reiche Chinesen. Längst nicht alle Chinesen wollen kurz aus dem Bus aussteigen und ein Foto machen, sagt Frank Lin, Mit-Gründer der Agentur: "Unsere Kunden bleiben zum Beispiel drei Tage in Rom und fahren anschließend in eine Villa in der Toskana zum Entspannen. Eine solche Neun-Tages-Tour kostet zwischen 40000 und 80000 RMB (ca. 5000 bis 10000 Euro).

Mit einem Foto vor dem Eiffelturm und einem auf dem Canal Grande hat das nicht mehr viel zu tun. Steve McLaughlins Kunden "haben alles schon gesehen, alles gekauft und sind etwas gelangweilt von allem". Der Veranstalter Orion Expedition Cruises hat sich auf extravagante Reisen für Chinas Superreiche spezialisiert. Die Australier bieten Kreuzfahrten in die Antarktis an und Besuche von Orang-Utan-Farmen in Borneo. Nach wie vor aber würden superreiche Chinesen am liebsten in Gruppen reisen. Manager von Orion, erzählt von einem polyglotten Golfplatz-Besitzer aus Hongkong, der auf einer Kreuzfahrt strikt darauf bestand, neben Chinesen zu sitzen. Orion verkauft an Chinesen deswegen nur noch Charterreisen. "Der Markt ist noch nicht ausgereift", sagt McLaughlin. "Aber die Nachfrage wächst."

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