Trichet-Nachfolge: Von wegen unsolide

Trichet-Nachfolge: Von wegen unsolide

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Draghi

Mario Draghi, der Chef der italienischen Notenbank, hat beste Aussichten, an die Spitze der Europäischen Zentralbank zu rücken.

Einen Moment lang wirkte es, als spräche Jean-Claude Trichet zu seinem Nachfolger. An der Mailänder Bocconi-Universität hatte sich vor zwei Wochen die Elite Italiens versammelt, um des im Dezember verstorbenen ehemaligen Finanzministers Tommaso Padoa-Schioppa zu gedenken. In der ersten Reihe der Aula Magna an der Via Roentgen 1 saßen Staatspräsident Giorgio Napolitano, Finanzminister Giulio Tremonti und Notenbankgouverneur Mario Draghi. Auf dem Podium hatte Bocconi-Präsident Mario Monti eine illustre Runde versammelt: Italiens ehemaligen Regierungschef Romano Prodi, den früheren Präsidenten der EU-Kommission Jacques Delors, den Ex-Chef der amerikanischen Federal Reserve Paul Volcker und eben Jean-Claude Trichet, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank.

In sehr persönlichen Worten würdigte Trichet das Leben Padoa-Schioppas. Dann sprach er den vor ihm sitzenden Mario Draghi an, begrüßte ihn als Vertreter „aller Mitarbeiter der Banca d’Italia“, jener Banca d’Italia, der seine „Hochachtung als Hüterin einer stabilen Währung“ in Europa gelte. „Eine einheitliche Währung für einen einheitlichen Markt – eine der Lehren aus der großen Krise war es, diese Ziele zu bekräftigen.“ Dazu habe die Banca d’Italia ihren Beitrag geleistet, an der „Tommasos Herz“ gehangen habe.

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Natürlich käme Jean-Claude Trichet im Leben nicht auf den Gedanken, öffentlich seine Unterstützung für einen der Kandidaten um seine Nachfolge zu bekunden – schon gar nicht in Anwesenheit des italienischen Finanzministers und des Kandidaten selber. Und doch war es nicht die erste Sympathieerklärung Trichets für Draghi und dessen Bank. Im vergangenen Oktober sagte er im Interview mit La Stampa , der italienische Banksektor habe sich in der Krise resistent gezeigt, „und dazu gratuliere ich besonders der Banca d’Italia“.

Trichet, der es gewohnt ist, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, wird gewusst haben, warum er Draghi in dem Moment lobte, als dessen Mitbewerber um den EZB-Chefposten, Bundesbank-Präsident Axel Weber, zum zweiten Mal den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB kritisierte.

Nun, nachdem sich Weber selbst demontiert hat, kann sich niemand größere Hoffnungen auf die EZB-Präsidentschaft machen als der drahtige Italiener mit den scharfen Gesichtszügen und dem pechschwarzen Haar. Die Regierung in Rom hatte ihn nach Kräften protegiert. Während die Bundeskanzlerin Axel Weber über ihre Absichten bis zuletzt im Ungewissen ließ, sagte Silvio Berlusconi im Januar 2011 bei einer Pressekonferenz im Berliner Kanzleramt: „Wir wären geehrt, wenn die Wahl des neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank auf den Gouverneur unserer Banca d’Italia fiele.“ Angela Merkel stand schweigend daneben.

Läuft es also auf Draghi hinaus, nachdem sogar Finanzminister Schäuble sagte, die Bundesregierung habe nie darauf bestanden, dass der neue EZB-Chef ein Deutscher sein müsse?

An der Qualifikation des 63-jährigen Italieners bestehen kaum Zweifel. Das europäische Finanzestablishment wäre begeistert, sollte der smarte Römer an die Spitze der EZB aufrücken. Ex-Finanzminister Peer Steinbrück sagt, Draghi habe auf den Sitzungen der G7 und später der G20 „immer sehr souverän, sehr ruhig und fachlich exzellent“ agiert. „Er steht in der Tradition einer italienischen Schule wie Tommaso Padoa-Schioppa und Mario Monti. Das ist eine Riege von ökonomisch wirklich gut ausgebildeten, in der Finanzwelt beheimateten Leuten, die in der ersten Liga mitspielen.“

Smarter Römer

Läuft es also auf Draghi hinaus, nachdem sogar Finanzminister Schäuble sagte, die Bundesregierung habe nie darauf bestanden, dass der neue EZB-Chef ein Deutscher sein müsse?

An der Qualifikation des 63-jährigen Italieners bestehen kaum Zweifel. Das europäische Finanzestablishment wäre begeistert, sollte der smarte Römer an die Spitze der EZB aufrücken. Ex-Finanzminister Peer Steinbrück sagt, Draghi habe auf den Sitzungen der G7 und später der G20 „immer sehr souverän, sehr ruhig und fachlich exzellent“ agiert. „Er steht in der Tradition einer italienischen Schule wie Tommaso Padoa-Schioppa und Mario Monti. Das ist eine Riege von ökonomisch wirklich gut ausgebildeten, in der Finanzwelt beheimateten Leuten, die in der ersten Liga mitspielen.“

Dass Draghi für eine Investmentbank gearbeitet hat, dass er das private Bankgeschäft von innen kennengelernt hat, daran findet Peer Steinbrück nichts kritikwürdig – „weil es nicht ganz unwichtig ist, sich in der angloamerikanischen Denke auszukennen. Das ist eine andere Welt. Und als Kontinentaleuropäer damit vertraut zu sein, ist in meinen Augen eher ein Vorteil als ein Nachteil.“

2006 kehrte Mario Draghi in den Staatsdienst zurück. Als neuer Gouverneur der Notenbank wurde er mit Erleichterung empfangen. Die stolze Banca d’Italia hatte unter seinem Vorgänger Antonio Fazio dramatisch an Reputation verloren. Fazio hatte sich mit unlauteren Methoden gegen Übernahmeangebote ausländischer Banken für italienische Finanzinstitute gewehrt und sich in geheimen Absprachen mit inländischen Bietern verstrickt. Am Ende wurde gegen ihn wegen Amtsmissbrauchs und Insiderhandels ermittelt.

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