Trump-Sprecher Spicer beim G7-Gipfel: Schadensbegrenzung beim Sightseeing

Trump-Sprecher Spicer beim G7-Gipfel: Schadensbegrenzung beim Sightseeing

, aktualisiert 26. Mai 2017, 16:44 Uhr
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Sean Spicer wurde in Taormina von Handelsblatt-Politikchef Thomas Sigmund abgepasst. Der Trump-Sprecher versuchte, die Aussagen des US-Präsidenten zu entschärfen.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach den kolportierten Tiraden des US-Präsidenten gegen Deutschland begegnet Trump-Sprecher Sean Spicer zufällig einem Handelsblatt-Reporter. Spicer nutzt das Treffen: Trump habe ungeheuer viel Respekt vor den Deutschen.

Taormina, BerlinWährend alle Welt rätselt, mit welchen Worten sich US-Präsident Donald Trump über die Deutschen und ihren Exportüberschuss ausgelassen hat, macht Sean Spicer einen Spaziergang durch die Fußgängerzone von Taormina. Der Sprecher von Trump hat offenbar etwas freie Zeit, während sein Chef zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den anderen Mächtigen beim G7-Gipfel in der idyllischen Stadt auf Sizilien verhandelt.

Vor einem Restaurant in der Altstadt trifft Spicer zufällig eine Gruppe deutscher Journalisten, darunter auch Handelsblatt-Politikchef Thomas Sigmund. Warum Trump sich bei seinem Treffen mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und anderen EU-Spitzenvertretern so sehr über die Deutschen beschwert habe? Der US-Präsident habe über die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA gesprochen, erklärt Spicer. Tatsächlich stört sich Trump schon lange daran, dass Deutschland sehr viel mehr Waren in die USA exportiert als es von dort bezieht. Unfair findet das der US-Präsident, das hat er wiederholt deutlich gemacht.

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In dem Gespräch mit Juncker sollen allerdings noch andere Begriffe gefallen sein, wie Spiegel-Online berichtete. Trump soll demnach gesagt haben, das Wirtschaftsgebaren der Deutschen sei „bad, very bad“ – ein durchaus negatives Wort. Einige deutsche Medien haben es als „böse“ übersetzt.

Stimmt gar nicht, erklärt Spicer nun dem Handelsblatt und den anderen deutschen Reportern in der Fußgängerzone. „Er hat das Wort 'bad' nie benutzt, das ist ein falscher Bericht“, so der Sprecher des US-Präsidenten. Trump habe ein ungeheures Maß an Respekt gegenüber Deutschland, versichert Spicer. Es ist der Versuch, ein wenig Schadensbegrenzung zu betreiben. Zufällig unternommen beim Sightseeing in einer Fußgängerzone.

Nun hat Spicer schon eine gewisse Routine, die Scherben aufzukehren, die Trump hinterlässt. Und er hat in der Vergangenheit dabei durchaus einen kreativen Umgang mit der Wahrheit geübt. Juncker zumindest hat mittlerweile öffentlich bestätigt, dass sich Trump über den deutschen Handelsüberschuss beschwert habe. Und er gab indirekt zu, dass die Worte „bad, very bad“ gefallen sind. Allerdings seien sie von Trump nicht aggressiv geäußert worden, so Juncker. „Ich bin kein Spezialist im Englischen“, sagte der EU-Kommissionspräsident, „aber 'bad' heißt nicht 'böse' – 'schlecht' reicht ja.“

Das dürfte die Bundesregierung allerdings kaum beruhigen. Trumps kolportierte Worte haben ihre Wirkung längst entfaltet. An der Börse gerieten die Aktien deutscher Autohersteller unter Druck. Schließlich ist auch folgender Trump-Satz vom Brüsseler Treffen überliefert: „Schauen Sie die Millionen von Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen.“ Trump hat sich nicht nur wiederholt über den deutschen Exportüberschuss beklagt, er hat auch immer wieder mit Strafzöllen gedroht.

Durch den Vorgang dürfte sich die ohnehin belastete Stimmung beim Treffen der großen westlichen Wirtschaftsmächte (G7) weiter abkühlen. Kanzlerin Merkel und ihre Berater hatten sich seit Tagen auf schwierige Gespräche in Taormina vorbereitet. So verweigert Trump bisher eine klare Absage an protektionistische Maßnahmen wie Strafzölle. Genauso will er sich nicht zum Pariser Klimaabkommen bekennen. Heute Abend wollen die G7-Regierungschefs über die Themen Handels- und Klimapolitik sprechen. Neben Trump und Merkel nimmt auch Juncker am G7-Gipfel teil. Insofern können die Drei noch mal persönlich klären, welche Worte denn am Donnerstag in Brüssel gefallen sind und wie sie gemeint waren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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