Trumps Steuerpläne: Trumps neues US-Steuersystem mit deutschem Einschlag

exklusivTrumps Steuerpläne: Trumps neues US-Steuersystem mit deutschem Einschlag

von Christian Ramthun

Der designierte US-Präsident will die Steuern kräftig senken und dafür Schlupflöcher schließen. Dabei nimmt er Anleihen beim deutschen Recht.

Wer auf die Website „A better way“ des US-Kongresses surft und sich für die Steuerpläne der Republikaner interessiert, sieht auf seinem Bildschirm einen Schweizer Käse. Genauso löcherig sei das amerikanische Steuersystem, erklärt dazu eine Stimme aus dem Off, voller Schlupflöcher. Das müsse sich ändern, so die Botschaft der Konservativen, damit Steuersätze für Arbeiter, Familien und Mittelständler sänken. Überdies wolle man das System so vereinfachen, dass Amerikas Steuerzähler ihre Erklärung künftig auf der Größe einer Postkarte abgeben könnten.

Das erinnert an die unerfüllte Vision des früheren CDU-Spitzenpolitikers Friedrich Merz, der die Steuererklärung auf einem Bierdeckel ermöglichen wollte. Anders als der Wunsch von Merz könnte die Vision der Republikaner nach dem Wahlsieg von Donald Trump aber Realität werden. Schließlich steht eine gigantische Steuerreform ganz oben auf dessen Agenda. Genau wie sein Vorbild Ronald Reagan will Trump nicht allein Steuersätze senken, sondern das von unzähligen Vergünstigungen, Ausnahmen und Besonderheiten durchzogene US-System aufräumen.

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Ein zentrales Anliegen ist die „Repatriierung“ von Gewinnen, die US-Unternehmen im Ausland erzielen. Schätzungsweise 2,6 Billionen Dollar horten Konzerne von Apple bis Starbucks in Steuerparadiesen wie den Cayman Islands vor der amerikanischen Küste, schätzt spricht der Steuerausschuss des Kongresses . Auf diese Riesenbeträge hat der Fiskus bislang dank einer Stundungsregel keinen Zugriff.

Darum hat Trump gewonnen

  • Frauen

    Clinton schnitt trotz Trumps frauenfeindlicher Äußerungen in der Wählergruppe deutlich schwächer ab als im Vorfeld erwartet. Zwar erhielt sie von Frauen zwischen 18 und 34 Jahren deutlich mehr Unterstützung als Trump, insgesamt aber betrug ihr Vorsprung bei Frauen mit 49 Prozent nur zwei Prozentpunkte. Zum Vergleich: Der scheidende Präsident Barack Obama schnitt 2012 bei Frauen sieben Prozentpunkte besser ab als sein damaliger Herausforderer.

  • Minderheiten

    Clinton kam Umfragen zufolge deutlich besser bei Amerikanern mit spanischen Wurzeln, Afroamerikanern, und Amerikanern mit asiatischen Wurzeln an. Allerdings erhielt sie nicht so viel Rückhalt wie Obama vor vier Jahren, der seine Wiederwahl besonders den Stimmen der Minderheiten verdankte.

  • Bildung

    Trump punktete besonders bei Wählern ohne College-Ausbildung. Insgesamt betrug sein Vorsprung auf Clinton in dieser Gruppe zwölf Prozentpunkte. Bei weißen Männern ohne höheren Bildungsabschluss schnitt er sogar um 31 Prozentpunkte besser ab, bei weißen Frauen ohne Abschluss waren es 27 Prozentpunkte.

  • Weiße Evangelikale

    Streng gläubige weiße Amerikaner haben Trump die Treue gehalten - trotz der sexuellen Missbrauchsvorwürfe, die gegen den Milliardär im Wahlkampf erhoben wurden. Etwa 76 Prozent der Evangelikalen gaben an, für Trump gestimmt zu haben.

  • Stadt-/Landbevölkerung

    Clinton tat sich in Ballungsräumen schwer, obwohl dort in der Regel viele Anhänger der Demokraten leben. Ihr Vorsprung auf Trump betrug dort gerade einmal sechs Prozentpunkte. In ländlichen Regionen schnitt Trump dagegen um 27 Prozentpunkte besser ab.

Schon der scheidende Präsident Barack Obama wollte den Konzernen ein Friedensangebot machen und bot eine milde Repatriierungssteuer von 14 Prozent an. Das wäre beträchtlich weniger als der reguläre Körperschaftsteuersatz von 35 Prozent, aber den Republikanern im Kongress war das noch zu viel. Paul Ryan, dem republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, schwebt ein mittlerer einstelliger Betrag vor. Trump spricht von zehn Prozent.

Rund 150 Milliarden Dollar will er dadurch einnehmen und in Infrastruktur investieren. Das ist gutes politisches Marketing: Milliardeninvestitionen in marode Brücken und Highways könnten das noch viel größere Steuergeschenk an Konzerne vergessen machen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mag sich über die Ministeuer ärgern. Ein wenig versöhnen dürfte ihn hingegen die Aussicht, dass Trump Schluss macht mit der wettbewerbsverzerrenden Offshore-Steuerstundung. Denn die erlaubt es US-Multis seit zwei Jahrzehnten, mittels der unversteuerten Auslandsgewinne ihre europäischen Konkurrenten finanziell auszustechen, sei es bei Firmenzukäufen, teuren Forschungs- und Entwicklungsarbeiten oder der Erschließung neuer Märkte. Sind das auch gute Nachrichten für europäische Unternehmen?

Die Europäer würden sich zu früh freuen. Ein weiteres Vorhaben soll den US-Unternehmen Ersatz für den Offshore-Trick verschaffen. Trump will nämlich gleichzeitig ein Steuerinstrument einführen, „das der Exportchampion Deutschland schon lange nutzt“, sagt Reimar Pinkernell von der Beratungsgesellschaft Flick Gocke Schaumburg.

Donald Trump im Portrait

  • Beruf

    Unternehmer, Entertainer, Schauspieler, Buchautor

  • Geburtstag

    14. Juni 1946

  • Sternzeichen

    Zwilling

  • Geboren in

    New York City

  • Größe

    1,87 Meter

  • Familienstand und Kinder

    Verheiratet in dritter Ehe mit Melania Trump und insgesamt fünf Kinder.

  • Motto

    „Make America Great Again“

Künftig sollen US-Konzerne die Dividenden ihrer Auslandstöchter weitgehend unversteuert kassieren. Das entspricht der deutschen „Freistellungsmethode“. Im Grunde zahlen deutsche Exporteure für ihre im Ausland erzielten Gewinne nur die dortigen, oft niedrigeren Steuern, die auch für die Konkurrenz gelten. „Diese Wettbewerbsneutralität erleichtert die Erschließung ausländischer Märkte“, so Pinkernell. Der Fiskus profitiert dennoch, wenn der Konzern daheim eine Dividende ausschüttet und die Anteilseigner ihre Kapitalertragsteuer zahlen.

Die Reform nach deutschem Vorbild ist aber nur ein Teil von Trumps umfangreichen Steuer-und Wirtschaftsplänen. Er will auch Importe beschränken, durch Zölle, Strafsteuern und die Aufkündigung von Handelsabkommen. Das erhöht den Druck, in Amerika zu produzieren. Wer dies tut, soll belohnt werden. Die Republikaner wollen etwa die Unternehmenssteuer von teilweise über 40 Prozent (je nach Bundesstaat) halbieren; in Deutschland liegt sie derzeit bei rund 30 Prozent.

Ob sich so eine radikale Senkung wirklich durchsetzen lässt, ist offen. Auch der 45. Präsident der Vereinigten Staaten sollte darauf achten, dass die Staatseinnahmen nicht zu sehr sinken. Andererseits: Mit riskanten Zahlentricks kennt sich kein Vorgänger so gut aus wie der schillernde Milliardär Trump.

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