Türkei: Türkei: Gefahr im Südosten, Hoffnung auf den Westen

Türkei: Türkei: Gefahr im Südosten, Hoffnung auf den Westen

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Türkische Soldaten patroullieren an der syrischen Grenze

von Hans Jakob Ginsburg

Für das Wirtschaftswunderland kann die Konfrontation mit dem syrischen Assad-Regime üble Folgen haben. Premier Erdogan unternimmt eine Gratwandeung: Er zeigt militärische Entschlossenheit und scheut vor einem Krieg zurück. Und bemüht sich um eine Wiederannäherung an Westeuropa.

Die Türkei schießt zurück. Nachdem Raketen der syrischen Armee vier Menschen in einem türkischen Städtchen an der Grenze getötet hatten, nahm die türkische Regierung ihrerseits Positionen der Assad-Artillerie unter Beschuss. Und mit großem Mediengetöse ließ sich Ministerpräsident Recep Tayyep Erdogan von seinem Parlament die Ermächtigung zu Kriegshandlungen gegen das syrische Regime erteilen. Krieg? Weit hinten in der Türkei?

Möglich wäre das allemale. Das Assad-Regime ist in weiten Teilen der islamischen Welt verhasst, in der Türkei ganz besonders, weil die Türken Tag für Tag vom Leid der Flüchtlinge erfahren, die über die lange Grenzlinie in ihr Land geflohen sind (und dort die spärlich gefüllten Sozialkassen belasten). Hinzu kommt der konfessionelle Gegensatz: Der syrische Bürgerkrieg ist jedenfalls zum Teil auch zum mörderischen Gemetzel zwischen alawitischer Minderheit – dazu gehört der Assad-Clan – und sunnitischer Bevölkerungsmehrheit geworden.

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Die Mehrheit der Türken und fast alle Anhänger von Erdogans AK-Partei sind Sunniten, die zweitgrößte religiöse Gruppe im Lande, die Aleviten, sind religionsgeschichtlich gesehen entfernte Verwandte der syrischen Alawiten. Für die meisten Sunniten macht das aber einen Unterschied.

Was aus Sicht der türkischen Regierung eine Riesengefahr darstellt. Ein Überschwappen des syrischen Bürgerkriegs über die Nordgrenze hätte durchaus das Potenzial, die türkische Erfolgsstory der vergangenen Jahre zu beenden. Kein Investor kommt in ein Bürgerkriegsland. Und Erdogan und Mitstreiter wissen, dass sie sowieso schon durch schwere Zeiten gehen. Das türkische Wirtschaftswachstum, zwei Jahre hintereinander deutlich mehr als acht Prozent, hat sich in den ersten zwei Quartalen 2012 auf 3,2 bzw. 2,9 Prozent abgeschwächt.

Die miserable Konjunktur in Südeuropa schädigt den türkischen Export genau wie der Wegfall der einstigen Absatzmärkte Syrien (Bürgerkrieg) und Iran (Sanktionen). Und wohl keiner in Istanbul oder Ankara traut der türkischen Armee zu, ihre Intervention in Syrien könnte zum schnellen Sturz des Diktators Assad führen.

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