Tunis: Terroranschlag auf Museum kostete 21 Menschen das Leben

Tunis: Terroranschlag auf Museum kostete 21 Menschen das Leben

, aktualisiert 19. März 2015, 12:30 Uhr
Bild vergrößern

Nach dem blutigen Terroranschlag ist die Wut in Tunesien groß. Terroristen haben ein beliebtes Museum in Tunis gestürmt und richten dabei ein Blutbad unter Urlaubern an. Ob es ein deutsches Opfer gab, ist unklar.

Terror in Tunis: Der Regierungschef spricht von etlichen toten und verletzten Touristen, der Präsident von „Krieg gegen den Terror“. Tunesien erlebt die blutigste Attacke seit Djerba 2002.


Einen Tag nach dem Anschlag auf ein Museum in Tunis ist der Regierung zufolge die Zahl der getöteten ausländischen Touristen auf 20 gestiegen. Einzelheiten nannte das Gesundheitsministerium am Donnerstag nicht. Bisher war von 17 Ausländern die Rede, die bei dem schwersten Anschlag in Tunesien seit mehr als einem Jahrzehnt ums Leben gekommen seien. Ihre Herkunft ist weiter nicht eindeutig geklärt. Für die Angaben der tunesischen Regierung, dass auch ein Deutscher unter den Toten ist, gab es auch am Donnerstag noch keine Bestätigung aus Berlin. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Mittwoch, man könne nicht ausschließen, dass unter den Opfern auch deutsche Staatsbürger seien.

Anzeige

Am Donnerstag erklärte das Außenministerium in London, auch eine Britin sei unter den Todesopfern. Nach Angaben der Regierungen in Rom, Tokio und Warschau vom Donnerstag starben zudem vier Italiener, drei Japaner und zwei Polen. Tunesischen Angaben zufolge kamen außerdem Urlauber aus Frankreich, Spanien, Kolumbien, Australien sowie drei Tunesier ums Leben. Wer hinter dem Anschlag steckt, ist weiter unklar. Terroristen haben am Mittwoch in Tunis eines der meistbesuchten Museen Tunesiens gestürmt, mindestens 44 Menschen seien verletzt worden.

Zwei Attentäter wurden beim Sturm auf das Nationalmuseum von Bardo getötet, nach zwei bis drei Komplizen lief die Fahndung. Die Terrormiliz Islamischer Staat zeigte sich im Internet hocherfreut über die Attacke und rief die Tunesier auf, „ihren Brüdern zu folgen“, wie Rita Katz, eine Sprecherin der Gruppe Site, mitteilte. Die Organisation beobachtet Webseiten von Extremisten und Dschihadisten weltweit. Tunesiens Präsident Beji Caid Essebsi sagte in einer Fernsehansprache, das Land befinde sich „in einem Krieg gegen den Terror“. Er fügte hinzu: „Diese barbarische Minderheitengruppe wird uns nicht ängstigen, und der Kampf gegen sie wird andauern, bis sie vernichtet ist.“

Mehrere Länder und die Vereinten Nationen verurteilten den Terroranschlag. Der Weltsicherheitsrat zeigte sich empört über die Tat, machte jedoch auch klar, dass Terrorismus Tunesien auf dem Weg zur Demokratie nicht aufhalten werde.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe bestätigte den Tod von drei Japanern sowie drei Verletzte. Vor Reportern sagte er in Tokio, ihm sei bewusst, dass von fünf Getöteten aus Japan ausgegangen werde. Einige der Namen seien jedoch deckungsgleich.

Frankreichs Präsident François Hollande sprach von zwei toten Franzosen. Ein weiterer von insgesamt sieben Verletzten aus seinem Land befinde sich in einem ernsthaften Zustand, erklärte Hollande.

Die Attentäter stürmten am Mittwoch vor dem Bardo-Museum in militärähnlichen Uniformen und Sturmgewehren aus einem Fahrzeug. Sie schossen Touristen nieder, die aus Bussen stiegen. Anschließend nahmen sie im Inneren des Gebäudes Geiseln. Zwei der Angreifer wurden bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften getötet.

Wirtschaft in Tunesien Warten auf ein Wirtschaftswunder

Vier Jahre nach der Revolution hat sich das Land für Demokratie und Stabilität entschieden. Was fehlt, ist ein Wirtschaftswunder – vor allem im armen Hinterland.

Kleinunternehmer Mounawer Mnassria. Quelle: Francesca Oggiano für WirtschaftsWoche

Der Fernsehsender Wataniya zeigte Bilder von maskierten Anti-Terror-Polizisten, die Dutzende Touristen in Sicherheit brachten. Viele ältere Ausländer waren zu sehen, wie sie in Panik davonrannten. Bei einigen der Ausländer handelte es sich um Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „Costa Fascinosa“, das in Tunis vor Anker lag. Die Reederei teilte in der Nacht mit, 14 Passagiere seien nicht zurück an Bord gekehrt.

Das tunesische Parlament kam am Mittwochabend zusammen, um Schritte für den Kampf gegen Terrorismus voranzubringen. Als die Attacke stattfand, hatten die Abgeordneten gerade über ein Anti-Terror-Gesetz debattiert.

Stunden nach dem Ende des Anschlags strömten Tausende Tunesier auf die Avenue Habib Bourguiba, einem der Hauptschauplätze der Arabischen Revolution. Dort hielten sie eine nächtliche Zusammenkunft ab und riefen „Freies Tunesien“. Die Tat ist die tödlichste Attacke in Tunesien, seit ein Al-Kaida-Kämpfer 2002 auf der Insel Djerba vor der historischen Al-Ghriba-Synagoge einen Sprengsatz gezündet hatte. Damals starben 21 Menschen, vor allem deutsche Touristen.

Das Motiv der Täter blieb zunächst unklar, doch Tunesien kämpft seit Jahren mit islamistischem Terror - wenn auch nicht in dem Ausmaß anderer Länder. Das Bardo-Museum beherbergt die größte archäologische Ausstellung Tunesiens und besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen römischer Mosaike weltweit. Es liegt nahe dem tunesischen Parlament, rund vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Das Parlamentsgebäude wurde nach dem Angriff evakuiert, das Museum von Sicherheitskräften umstellt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%