Bild: dapdNur sieben Staaten sind noch offen
Mitt Romney fordert Amtsinhaber Barack Obama am 6. November bei den US-Wahlen aller Voraussicht nach heraus. Ende August wählen die Republikaner offiziell ihren Kandidaten – doch schon jetzt läuft der Wahlkampf auf Hochtouren. Bis zu zwei Milliarden US-Dollar wollen die beiden Lager für Wahlwerbung ausgeben. Dabei steht in vielen Bundesstaaten das Ergebnis so gut wie fest. Glaubt man Umfragen und den Erfahrungen aus den Vorjahren kann Obama mindestens 20 Staaten garantiert für sich holen, darunter die bevölkerungsreichen und stimmgewichtigen Länder Kalifornien, New York, Pennsylvania und Illinois. Der Amtsinhaber käme dadurch allein schon auf 247 der 270 benötigten Wahlmänner.
Romney kann mindestens 23 Staaten holen (vor allem im Süden und im Mittleren Westen), kommt aber – sollten keine weiteren Staaten hinzukommen – nur auf 206 Stimmen. Nur in sieben Staaten – dort geht es um 85 Wahlmänner – ist das Rennen noch offen. In diesen Bundesstaaten werden die US-Wahlen entschieden.
Bild: REUTERSNevada
Der Staat im Westen der USA ist landwirtschaftlich geprägt. Neben der Viehwirtschaft trägt auch der Bergbau entscheidend zum Bruttoinlandsprodukt bei. Nevada wäre aufgrund seiner Struktur klassisches republikanisches Gebiet – wäre da nicht Las Vegas. Die größte Stadt des 2,7-Millionen-Staates ist liberal und Hoheitsgebiet der Demokraten. Insgesamt ist Nevada ein klassischer „swing state“: Mal gewinnen hier die Demokraten (wie bei der letzten Wahl 2008), mal die Republikaner (wie 2004 unter George W. Bush).
In diesem Jahr erhoffen sich die Republikaner einen zusätzlichen Bonus durch die Glaubensrichtung Mitt Romneys. Er ist – wie knapp 120.000 Bewohner Nevadas – Mormone. Nur im Nachbarstaat Utah leben mehr Anhänger der Kirche Jesu Christi der Letzten Tage als in Nevada.
In dem siebtgrößten Bundesstaat geht es 2012 um sechs Wahlmänner.
Bild: REUTERSColorado
Bis 2008 konnten die Demokraten seit dem Ende des zweiten Weltkriegs nur drei Mal die Mehrheit in Colorado holen (1948 unter Harry S. Trumann, 1964 unter Lyndon B. Johnson und 1992 unter Bill Clinton).
Dennoch gilt der Rocky-Mountains-Staat inzwischen als „swing state“. Grund ist vor allem die Urbanisierung der Hauptstadt Denver. Im Großraum der Universitätsstadt lebt knapp die Hälfte des 5-Millionen-Staates. Sie wählen zumeist demokratisch.
So auch 2008, als Barack Obama – im Bild beim Nominierungsparteitag in Denver – als vierter Demokrat seit 1945 den Staat für seine Partei gewinnen konnte. 2012 geht es um neun Wahlmänner, Obama liegt in den Umfragen mit bis zu 13 Prozentpunkten vorne.
Bild: REUTERSIowa
Die größte Stadt Iowas, Des Moines, hat gerade einmal gut 200.000 Einwohner, die Wirtschaft setzt auf den Verkauf von Maschinen, Elektronik, Schweine, Mais und Kartoffeln. Iowa wird in den USA wenig beachtet – es sei denn, es ist Wahlkampf.
Traditionell ist Iowa der Staat, in dem die ersten Vorwahlen der Parteien abgehalten werden. Und die haben eine besondere Bedeutung, denn seit 1972 hat fast kein Kandidat mehr die Nominierung seiner Partei gewonnen, wenn er nicht zuvor im Agrarstaat gewonnen hat. Anders 2012. Mitt Romney unterlag denkbar knapp seinem Herausforderer Rick Santorum. Dennoch musste der gläubige Christ im April passen und dem ungeliebten Romney den Vortritt überlassen.
Auch bei der Hauptwahl richten sich die Augen auf Iowa. Schließlich ist der Bundesstaat traditionell ein „swing state“, in dem die Vorhersagen von Wahlausgängen schwierig sind. Barack Obama sollte sich auf seinen 10-Punkte-Vorsprung in Umfragen deshalb nicht ausruhen.
Bild: REUTERSOhio
18 Wahlmänner stehen in Ohio auf dem Spiel. Gewinnt Obama hier, braucht er – neben den erwarteten Siegen – nur noch einen der kleinen „swing states“ holen (etwa Iowa), um eine zweite Amtszeit im Weißen Haus antreten zu können.
Ohio ist ein klassischer Arbeiterstaat, die Industrie stellt einen großen Teil der Jobs. Viele Jobs sind konjunkturabhängig, schwächelt die Wirtschaft, ist Ohio meist besonders betroffen.
Der Bundesstaat ist traditionell ein „swing state“. Demokratische Hochburgen befinden sich im Nordosten Ohios, etwa um die Städte Cleveland und Youngstown. Im Südwesten votieren viele Bürger hingegen für die Republikanische Partei.
Zuletzt spielte Ohio bei den Präsidentschaftswahlen 2004 das Zünglein an der Waage, als Präsident George W. Bush mit nur 50,8 Prozent der Stimmen alle Wahlmännerstimmen Ohios auf sich vereinigen konnte und so sein Amt gegen seinen demokratischen Herausforderer John Kerry verteidigte.
Obama liegt in den Umfragen rund fünf Prozentpunkte vor seinem Herausforderer. Doch stockt der wirtschaftliche Aufschwung, dürfte der Vorsprung des Präsidenten schnell schmelzen.
Bild: dapdNew Hampshire
Der Mini-Staat an der Nordost-Küste der USA ist der konservativste Staat der Region. Während alle anderen Staaten an der Nordost-Küste traditionell demokratisch wählen, wechseln die Mehrheitsverhältnisse in New Hampshire oft.
Obama wird es – trotz deutlicher Führung in den Umfragen – schwer haben, die vier Wahlmänner hier zu gewinnen. Denn die Bürger sind nicht nur launisch, sondern auch sehr liberal. Sie leben das Staatsmotto, das lautet: „Live free or die“ – „Lebe frei oder stirb“.
Zu viel Macht des Staates lehnen sie ab. Steuererhöhungen ebenso. In New Hampshire, das vom Bergbau, der Elektro- und Papierindustrie lebt, gibt es keine allgemeinen Mehrwert- oder Einkommensteuern.
Bild: REUTERSVirginia
Aus keinem Bundesstaat der USA stammen mehr US-Präsidenten als aus Virginia. Acht ehemalige Staatsmänner sind in Virginia, dem 8-Millionen-Einwohner-Staat an der Ostküste, geboren. Mit dieser Zahl kann nur Ohio mithalten, das ebenfalls Heimat von acht US-Präsidenten ist.
Bis heute spielt Virginia bei den US-Wahlen eine wichtige Rolle. Zwar galt der Bundesstaat seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg lange Zeit als anti-republikanisch, doch von 1952 bis heute haben die Bürger des „Old Dominion“-States nur noch 1964 mit Lyndon B. Johnson und erst wieder 2008 mit Barack Obama für einen demokratischen Präsidentschaftsbewerber gestimmt.
Virginia entsendet 2012 13 Wahlmänner ins „Electoral College“, das den Präsidenten und den Vizepräsidenten wählt.
Bild: REUTERSFlorida
Im „Sunshine State“ wird sich die US-Wahl 2012 entscheiden. Wenn Mitt Romney eine Chance auf den Einzug ins Weiße Haus haben will, muss er Florida gewinnen. Verliert er, gehen die Stimmen von 29 Wahlmännern an Barack Obama, der dann auch ohne den Gewinn eines weitere „swing states“ deutlich vorne liegen würde.
Doch so weit ist es längst noch nicht. Demokraten und Republikaner liegen in der Wählergunst seit einigen Jahren etwa gleichauf. Florida wächst rasant – ohne, dass eine der Parteien davon besonders profitieren würde. Denn die Neubürger sind hauptsächlich Hispanics und Rentner. Beide Bevölkerungsgruppen können von Demoskopen nicht eindeutig einer Partei zugeordnet werden.
In Miami zum Beispiel wetteifern die liberalen Demokraten mit den wohlhabenden Exil-Kubanern, die eher den Konservativen zugewandt sind. Tampa war früher das Zentrum der Demokratischen Partei, hat sich aber in den letzten Jahren zu einem Pro-Republikaner-Hort entwickelt. Die Universitätsstadt Tallahassee ist währenddessen zu einem neuen starken Zentrum der Obama-Partei geworden.
2012 steht Obama in Florida besonders unter Druck. Denn das Platzen der Immobilienblase hat vor allem die Bürger in Florida getroffen. Auch die Arbeitslosenquote liegt über dem Landesdurchschnitt. Zwischen Miami und Jacksonville werden die Bürger deshalb ganz genau die Wirtschaftsprogramme der Präsidentschaftskandidaten studieren. Wer glaubhafter versichern kann, dass er die Konjunktur beleben wird, geht als Sieger in Florida hervor.
Nur sieben Staaten sind noch offen
Mitt Romney fordert Amtsinhaber Barack Obama am 6. November bei den US-Wahlen aller Voraussicht nach heraus. Ende August wählen die Republikaner offiziell ihren Kandidaten – doch schon jetzt läuft der Wahlkampf auf Hochtouren. Bis zu zwei Milliarden US-Dollar wollen die beiden Lager für Wahlwerbung ausgeben. Dabei steht in vielen Bundesstaaten das Ergebnis so gut wie fest. Glaubt man Umfragen und den Erfahrungen aus den Vorjahren kann Obama mindestens 20 Staaten garantiert für sich holen, darunter die bevölkerungsreichen und stimmgewichtigen Länder Kalifornien, New York, Pennsylvania und Illinois. Der Amtsinhaber käme dadurch allein schon auf 247 der 270 benötigten Wahlmänner.
Romney kann mindestens 23 Staaten holen (vor allem im Süden und im Mittleren Westen), kommt aber – sollten keine weiteren Staaten hinzukommen – nur auf 206 Stimmen. Nur in sieben Staaten – dort geht es um 85 Wahlmänner – ist das Rennen noch offen. In diesen Bundesstaaten werden die US-Wahlen entschieden.
Mit so wenig Widerstand hatte wohl selbst Präsident Obama nicht gerechnet. Immer wieder bestätigte Herausforderer Romney die bisherige Politik der US-Regierung im Ausland: Die Tötung Osama Bin Ladens sei richtig gewesen, der Drohnen-Krieg sei wichtig, und die Kriege in Irak und Afghanistan zu beenden sei ebenso genau das, was auch er als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika machen würde.
Die Wege von Mitt Romney
12. März 1947
Willard Mitt Romney wird in Detroit als jüngstes von vier Kindern einer ehemaligen Schauspielerin und eines Konzernmanagers geboren. Der Vater wird in den sechziger Jahren Gouverneur von Michigan
1969
Der gläubige Mormone heiratet Ann Davis, das Paar zieht fünf Söhne groß
1975
Romney startet seine Karriere als Unternehmensberater und Firmensanierer
1994
erster, erfolgloser Versuch, Gouverneur in Massachusetts zu werden
1999
Der Multimillionär übernimmt den Vorsitz des skandalgeschüttelten Organisationskomitees der Winterspiele von Salt Lake City, die Spiele werden ein Erfolg
2003–2007
Gouverneur von Massachusetts
Februar 2007
Romney unterliegt im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner John McCain
April 2011
Romney kündigt an, sich erneut um die Präsidentschaftskandidatur in seiner Partei zu bewerben
Nur würde er, Romney, es natürlich besser machen als Obama: er würde einen richtigen Plan ausarbeiten, den Druck auf den Iran ausbauen, die Sanktionen verstärken, damit das Land endlich seine Nuklearpläne aufgibt. Diesen Mullahs müsse Amerika zeigen, wo es lang ginge, nur reden helfe da nicht weiter. Eine militärische Aktion wäre allerdings das letzte Mittel, sagte Romney.
China würde er ebenfalls in die Schranken weisen. Schließlich sei Amerika „the greatest nation on earth“. Amerika müsse international wieder eine führende, starke Rolle spielen, die Freiheit international verteidigen , mit einem starken Militär – genau damit wäre Obama in den vergangenen vier Jahren offensichtlich gescheitert.
Obamas Parteitagsrede
Schicksalswahl
„...wenn alles gesagt und getan ist - wenn Ihr diesen Wahlzettel ...in die Hand nehmt -, dann werdet Ihr es mit der klarsten Wahl...seit Generationen zu tun haben. In den nächsten Jahren werden große Entscheidungen in Washington getroffen werden, über Jobs und die Wirtschaft, Steuern und Defizite, Energie und Bildung, Krieg und Frieden - Entscheidungen, die auf Jahrzehnte hinaus große Auswirkungen auf unser Leben und das Leben unserer Kinder haben werden.“
Schicksalswahl II
„Es wird eine Wahl zwischen zwei verschiedenen Wegen für Amerika sein...Eine Wahl zwischen zwei fundamental verschiedenen Visionen für die Zukunft.“
„Aber Du musst das wissen, Amerika: Unsere Probleme können gelöst werden. Unsere Herausforderungen können bewältigt werden. Der Weg, den wir bieten, mag härter sein, aber er führt zu einem besseren Ort. Und ich bitte Euch, diese Zukunft zu wählen...“Über die Republikaner
„Unsere Freunde auf dem republikanischen Parteitag waren mehr als glücklich, über alles zu sprechen, das nach ihrer Ansicht falsch läuft mit Amerika. Aber sie haben nicht viel darüber zu sagen gehabt, wie sie es richtig machen würden. Sie wollen Eure Stimme haben, aber sie wollen nicht, dass Ihr ihren Plan kennt. Und das liegt daran, dass alles, was sie zu bieten haben, das gleiche Rezept ist, das sie in den vergangenen 30 Jahren gehabt haben.“
Appell an die Geduld
„Ich will nicht so tun, als ob der Weg, den ich anbiete, schnell oder leicht ist. Das habe ich nie getan. Ihr habt mich nicht gewählt, damit ich Euch sage, was Ihr hören wolltet. Ihr habt mich gewählt, damit ich Euch die Wahrheit sage. Und die Wahrheit ist, es wird für uns mehr als einige wenige Jahre dauern, um die Herausforderungen zu bewältigen, die sich über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben.“
Appell an die Geduld II
„Wenn Du an ein Land glaubst, in dem jeder eine faire Chance erhält, und jeder seinen fairen Beitrag leistet, und jeder sich an dieselben Regeln hält, dann brauche ich diesen November Deine Stimme...Ja, unsere Straße ist länger - aber wir reisen gemeinsam auf ihr. Wir kehren nicht um. Wir lassen niemanden zurück. Wie ziehen einander hoch. Wir gewinnen Stärke aus unseren Siegen, und wir lernen aus unseren Fehlern. Aber wir behalten unsere Augen auf jenen fernen Horizont gerichtet...in dem Wissen, dass wir wirklich gesegnet sind, Bürger der größten Nation auf der Erde zu sein. “
Außenpolitik
„In einer Welt neuer Bedrohungen und neuer Herausforderungen könnt Ihr eine Führung wählen, die geprüft worden ist und sich bewährt hat....Aber trotz aller Fortschritte, die wir erzielt haben, bleiben Herausforderungen...Mein Kontrahent und sein Vizekandidat sind Neulinge in der Außenpolitik...sie wollen uns in eine Ära des Getöses und der Schnitzer zurückbringen, die Amerika bereits so viel gekostet haben.“
Selbstkritik
„Ich bin nicht länger nur ein Kandidat. Ich bin der Präsident...Und während ich stolz auf das bin, was wir gemeinsam erreicht haben, bin ich mir weitaus stärker meiner eigenen Fehler bewusst...Aber ich habe nie größere Hoffnungen für Amerika gehabt. Nicht, weil ich glaube, dass ich alle Antworten habe...Ich bin hoffnungsvoll wegen Euch.“
In dieser dritten und letzten TV-Debatte zwischen Präsident Obama und seinem Herausforderer Romney in Boca Raton im US-Bundesstaat Florida versuchte Romney vor allem drei Dinge: sich erstens keinen auslandspolitischen Patzer zu erlauben, zweitens weniger aggressiv aufzutreten als beim letzten Schlagabtausch mit Obama und drittens immer wieder schön auf das Thema Innenpolitik kommen – und genau das ist dem Republikaner auch gelungen.
Gleich beim ersten Thema Libyen war keine Spur von dem aggressiven Romney von vor einer Woche zu sehen als er in der Debatte mit Obama die US-Informationspolitik in Bezug auf den Terroranschlag auf das Konsulat in Bengasi scharf kritisierte. Er wolle die Opposition dort mit Waffen versorgen, aber in den Konflikt eingreifen sollte Amerika nicht. Verwundert musste Obama sich anhören, Russland sei ein wichtiger Verbündeter – dabei hatte Romney in den vergangenen Debatten das Land immer wieder als gefährlichsten Gegner Amerikas bezeichnet.
Obama greift Romney gleicht zu Beginn der Debatte aggressiv an. „Jedes Mal, wenn Sie eine Meinung zu etwas vorlegen, liegen sie falsch“, warf er Romney vor. Romney blieb kühl und ließ die Kritik an sich abperlen: „Angriffe gegen mich sind keine Agenda im Umgang mit einer gefährlichen Welt.“
- Seite 1: Romney zeigt sich als friedlicher Staatsmann
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