Überfall auf Schule beendet: Taliban-Extremisten in Pakistan wurden getötet

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Überfall auf Schule beendet: Taliban-Extremisten in Pakistan wurden getötet

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Der Einsatz an der Schule neigt sich nach Angaben der pakistanischen Streitkräfte dem Ende zu. Sechs Extremisten seien getötet worden.

Bei einem Überfall von Taliban-Extremisten auf eine pakistanische Schule sind mehr als 100 Kinder getötet worden. Insgesamt kamen bei der Erstürmung der Schule 126 Menschen ums Leben, darunter auch die Täter.

Nach fünf Stunden haben Militär und Polizei in Pakistan die Geiselnahme an einer Schule durch Taliban-Extremisten beendet. Alle sechs Angreifer seien tot, teilte das Militär am frühen Dienstagabend mit. "Das Gebäude ist jetzt gesichert." Truppen durchsuchten die Schulgebäude nach Sprengsätzen.

Die Angreifer hatten am Dienstag die vom Militär betriebene Schule in der Stadt Peshawar gestürmt und etwa 500 Schüler und Lehrer als Geiseln genommen, mindestens 132 Menschen wurden getötet.

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Motiv: Rache

Soldaten riegelten das Gelände ab und drangen in die Schule ein. Immer wieder waren heftige Schusswechsel zu hören. Später gab es drei Explosionen. Ministerpräsident Nawaz Sharif sprach von einer "nationalen Tragödie" und begab sich umgehend nach Peshawar.

Taliban-Sprecher Muhammad Umar Khorasani sagte, die Schule sei zielgerichtet überfallen worden, und zwar als Rache für das Vorgehen der Armee. "Wir haben die Armee-Schule für den Angriff ausgewählt, denn die Regierung geht gegen unsere Familien und Frauen vor. Sie sollen unseren Schmerz spüren."

Die pakistanische Taliban kämpfen gegen die Regierung und für einen muslimischen Gottesstaat. Sie haben in den nördlichen Regionen des Landes ihr Rückzugsgebiet. Die Armee führt dort seit Monaten eine Offensive gegen die Extremisten. Bislang war sie aber nicht in der Lage, sie entscheidend zu schwächen.

Auch die USA greifen mit unbemannten Flugzeugen immer wieder Unterschlüpfe der Taliban im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan an. Diese reagierte darauf mit Anschlägen auf Militäreinrichtungen und Flughäfen. Attentate auf rein zivile Ziele sind relativ selten.

Islamistische Anschläge in Pakistan

  • November 2014

    Bei einem Selbstmordanschlag an der Grenze zu Indien sterben rund 60 Menschen. Ein Jugendlicher sprengt sich an einem Grenzübergang nahe der Stadt Lahore in die Luft.

  • Juni 2014

    Taliban-Kämpfer greifen als Polizisten getarnt einen Flughafen in Karachi an. Bei stundenlangen Gefechten werden die zehn Angreifer und Dutzende weitere Menschen getötet. Die Attacke sei die Rache für Luftangriffe der pakistanischen Armee, sagt ein Sprecher der Extremisten.

  • März 2014

    Die Extremisten greifen ein Polio-Impfteam an, am Straßenrand detonieren zwei Bomben. Zehn Polizisten in Begleitung des Teams sterben. Die Islamisten glauben, die Impfungen seien Teil einer Verschwörung des Westens und sollten Muslime unfruchtbar machen.

  • September 2013

    Bei einem Selbstmordanschlag auf Christen vor einer Kirche in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar kommen rund 80 Menschen ums Leben. Zwei Attentäter sprengen sich nach dem Gottesdienst in die Luft.

Über der Schule kreisten Hubschrauber. Krankenwagen rasten an den Ort des Geschehens und transportierten Verletzte ab. Ein Krankenhaussprecher sagte, viele Menschen seien in einem kritischen Zustand. Der Sprecher der Provinzregierung, Bahramand Khan, sagte, mehr als 100 der Toten seien Kinder. Die Zahl der Opfer könne aber noch steigen.

In den Krankenhäusern hieß es, die eingelieferten Patienten seien zwischen zehn und 20 Jahre alt. Ob die Opfer durch die Kugeln der Angreifer, durch Bomben oder durch die Soldaten starben, war zunächst unklar. Am Nachmittag befanden sich noch immer Kinder in der Gewalt der Geiselnehmer. Einige Kinder und Erwachsene wurden gerettet. Mindestens vier Taliban seien getötet worden, teilte die Armee mit.

Ministerpräsident Sharif sagte in Islamabad, angesichts der Tragödie könne er nicht in der Hauptstadt bleiben. "Dies sind meine Kinder", sagte er. "Es ist mein Verlust, es ist ein Verlust für die Nation." Er werde die Aktion in Peshawar persönlich in die Hand nehmen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Tat. "Die Geiselnahme und Ermordung von Kindern übertrifft in ihrer grausamen Feigheit alles, was das seit Jahren von Terror und Gewalt heimgesuchte Pakistan bisher kannte", erklärte er.

Dramatische Szenen vor der Schule

Vor der Schule spielten sich dramatische Szenen ab. Schockierte und verzweifelte Eltern versuchten, den Sicherheitskordon der Armee zu durchbrechen und zu ihren Kindern zu gelangen. Die Situation in der Schule war unklar und die Berichte von dort waren teilweise widersprüchlich.

"Ein Arzt der Armee war bei uns, um uns etwas über Erste Hilfe beizubringen, als die Angreifer von hinten in unsere Schule kamen und losfeuerten", sagte ein Schüler dem Fernsehen. "Unsere Lehrer schlossen die Tür ab, und wir haben uns auf die Erde gelegt. Aber sie (die Extremisten) haben die Tür aufgebrochen. Erst schossen sie in die Luft, dann begannen sie, Schüler zu töten. Plötzlich verließen sie den Raum." Sie hätten lange Bärte und traditionelle Kleidung getragen und arabisch gesprochen.

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Ein Schulbus-Fahrer berichtete: "Wir standen draußen, und plötzlich begann eine Schießerei. Überall brach Chaos aus. Schüler und Lehrer schrien." Ein Lehrer sagte vor der Schule, es hätten gerade Prüfungen stattgefunden, als der Überfall begonnen habe. "Nach einer halben Stunde war die Armee da und hat das Gebäude abgeriegelt." Dann rückten die Soldaten von Raum zu Raum vor.

"Wir waren im Prüfungsraum, als plötzlich Schüsse fielen", berichtete ein Schüler. "Unsere Lehrer sagten, wir sollten uns flach auf den Boden legen und still sein. Wir haben da eine Stunde gelegen. Es fielen eine Menge Schüsse. Als sie abflauten, kamen unsere Soldaten und brachten uns raus."

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