Ukraine: Kampf um Donezk kostete schon Hunderte das Leben

Ukraine: Kampf um Donezk kostete schon Hunderte das Leben

, aktualisiert 11. August 2014, 13:58 Uhr
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In Donezk wurde auch ein Straflager von einem Geschoss getroffen. Die Häftlinge flohen.

Die Gefechte um Donezk toben mit aller Kraft. Dutzende Häftlinge konnten aus einem Straflager fliehen. Das ukrainische Militär und die Separatisten liefern sich erbitterte Kämpfe.

Im Kampf gegen prorussische Separatisten setzt die ukrainische Armee ihren Angriff auf die Großstadt Donezk mit unverminderter Härte fort. Regierungseinheiten beschossen am Montag erneut Stellungen der Aufständischen mit schwerer Artillerie, wie die Verwaltung von Donezk mitteilte. Nach Angaben der Führung in Kiew stieg die Zahl der seit Beginn der „Anti-Terror-Operation“ getöteten Soldaten auf mehr als 560. Zudem starben Schätzungen zufolge Hunderte Zivilisten und aufständische Kämpfer.

In Donezk wird die Lage immer dramatischer. Nach heftigem Granateneinschlag seien Krankenwagen und Löschfahrzeuge zu den betroffenen Vierteln gerast, hieß es. Mehrere Gebäude, darunter Wohnhäuser, wurden den Angaben zufolge getroffen. Über einigen Stadtteilen von Donzek stieg dichter Rauch auf. Nach Informationen des Stadtrats wurde auch ein Straflager von einem Geschoss getroffen. In der anschließenden Panik seien 106 Häftlinge geflohen. Mehr als 30 von ihnen kamen aber nach Angaben des ukrainischen Strafvollzugs wenig später wieder zurück. Ein Häftling kam bei dem Angriff ums Leben, 18 Menschen wurden verletzt.

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Ein Armeesprecher in Kiew erklärte, das Militär ziehe den Belagerungsring um Donezk immer enger. „Mehrere Stützpunkte der Terroristen wurden attackiert“, sagte er. Die moskautreuen Aufständischen erwiderten das Feuer. Sie fordern eine Waffenruhe, verlangen aber, dass sich die Regierungstruppen aus der Ostukraine zurückziehen. Die Führung in Kiew lehnt eine Feuerpause ab und fordert, dass die Aufständischen zunächst ihre Waffen niederlegen.

Lugansk seit neun Tagen ohne Wasser und Strom

Auch in Lugansk wird die Situation für die Zivilbevölkerung immer unhaltbarer. Am Montag waren bereits den neunten Tag in Folge rund 250.000 Bewohner bei Sommerhitze ohne Strom und Wasser, wie der Stadtrat mitteilte. Zahlreiche Geschäfte waren geschlossen.

Russland schlug vor, Medikamente in die Ostukraine zu liefern. Die Bundesregierung forderte Moskau auf, nur mit Kiew abgestimmte Hilfskonvois in das Gebiet zu schicken. Regierungssprecher Steffen Seibert mahnte auch die Führung in Kiew, die Verhältnismäßigkeit zu wahren.

Deutschland forderte die Ukraine zugleich auf, auf eine angedrohte Blockade russischer Gas- und Öl-Lieferungen in den Westen zu verzichten. „Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Ukraine die am Freitag von Ministerpräsident (Arseni) Jazenjuk angekündigte Maßnahme in der Form nicht umsetzen wird“, sagte Seibert. Die Ukraine ist das wichtigste Land für den Transport von russischen Rohstoffen Richtung Westeuropa.

Seit Beginn des Militäreinsatzes der Regierung in der Ostukraine seien inzwischen 568 Soldaten getötet und 2120 verletzt worden, teilte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat in Kiew mit. Die sogenannte Anti-Terror-Operation begann im April, in den vergangenen Wochen nahm die Armee vor allem die Städte Donezk und Lugansk ins Visier.

Am Absturzort des malaysischen Flugzeugs MH17 teilten die militanten Gruppen mit, alle Leichenteile und privaten Gegenstände der 298 Opfer geborgen zu haben. „Wir haben die letzten Überreste unter Wrackteilen entdeckt und der ukrainischen Seite übergeben“, sagte Separatistenanführer Andrej Purgin. Seine Leute hätten das Trümmerfeld bei Grabowo komplett abgesucht.

Von internationalen Experten gab es zunächst keine Bestätigung. Die Helfer hatten das Gebiet nach dem mutmaßlichen Abschuss der Boeing am 17. Juli abgesucht, mussten den Absturzort aber zuletzt wegen der Gefechte verlassen.

Barrikaden am Maidan weitgehend abgeräumt

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Bürgermeister Vitali Klitschko räumt Barrikaden beiseite

Bei dem von ukrainischen Demonstranten besetzten Unabhängigkeitsplatz Maidan in Kiew floss am Sonntag nach der Beseitigung von Barrikaden erstmals seit Monaten wieder weitgehend der Verkehr. Etwa 500 Arbeiter und 200 Freiwillige sowie Bürgermeister Vitali Klitschko räumten in der Hauptstadt Hindernisse und auch viel Abfall beiseite.

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Vereinzelt kam es zu Protesten. Klitschko versicherte, dass das Zeltlager auf dem Maidan nicht geräumt werde. Allerdings würden sich viele Bewohner der Millionenmetropole über das Lager beschweren.

Nach dem Sturz des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch im Februar sieht die neue proeuropäische Regierung unter Präsident Petro Poroschenko den Dauerprotest auf dem Maidan als überflüssig an. Allerdings verlangen die zu Hunderten versammelten Demonstranten weiter vorgezogene Parlamentswahlen und den Beginn von Reformen.

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