Ukraine-Krise : Wie Putin meine Russen zu Zombies macht

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KommentarUkraine-Krise : Wie Putin meine Russen zu Zombies macht

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"Russland ist nicht mehr das Land, das ich vor mehr als zehn Jahren kennen und lieben gelernt habe."

von Florian Willershausen

WiWo-Reporter Florian Willershausen kennt Russland aus dem Effeff, er spricht die Sprache, hat dort viele Freunde – und ist bestürzt, wie russische Staatsmedien die Menschen manipulieren. Ein persönlicher Zwischenruf .

Vorweg sei gesagt, dass ich den Russen trotz ihres Präsidenten Wladimir Putin alles Beste wünsche. Mir liegt sehr am Herzen, dass sich dieses Land mit seiner großartigen Kulturgeschichte, der tollen Landschaft, der lebendigen Gastfreundschaft und Herzlichkeit auch ökonomisch, politisch und gesellschaftlich blendend entwickelt. Vorweg auch dies: Nicht alle Russen ordnen sich den staatlich gelenkten und politisch instrumentalisierten Medien unter. In meinem Freundeskreis herrscht ein hohes Maß an kritischem Denken – auch darum tragen sich viele mit dem Gedanken auszuwandern ob der Stimmung in Putins Russland. Doch die Mündigen sind rar geworden.

Russland schürt Hass in der Bevölkerung

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Russland ist nicht mehr das Land, das ich vor mehr als zehn Jahren kennen und lieben gelernt habe. Zum Frust der letzten Unabhängigen kaut die Masse der Menschen jene Propaganda nach, die ihnen staatliche Medien rund um die Uhr auftischen: Russland sei von faschistoiden Feinden aus dem Westen umgeben, die den Untergang ihres stolzen Landes betreiben. Einzig die Russen seien rein vor Gott im Gegensatz zum moralisch verdorbenen Westen, wo ein verwerflicher Liberalismus etwa gleichgeschlechtliche Liebe en vogue macht. Pfui, heißt es, und ein Land nabelt sich ab.

Ukraine-Krise Putins schärfste Waffe sind die Medien

In der Ost-Ukraine will niemand einen Bürgerkrieg – aber im russischen Fernsehen hat er längst begonnen. Kreml-Medien hetzten die Bewohner auf und bereiten somit einer russischen Invasion den Boden.

Ein ukrainischer Kampfhubschrauber lässt Flugblätter regnen Quelle: AP

Rund um die Uhr säen die treuen Staatsmedien in der Bevölkerung Hass – und der killt nicht nur die Toleranz, die gefühlt vor zwei, drei Jahren in Russland viel ausgeprägter war. Inzwischen würden 40 Prozent der Russen notfalls in einen Krieg mit der Ukraine ziehen, zeigen Umfragen. Was wohl auf die permanente Desinformation zurückgeht: Seit Monaten beschallen die Fernsehmedien ihre Zuschauer mit der Nachricht, dass in Kiew eine faschistische „Junta“ regiert, die im Osten des Landes einen „Krieg gegen die eigene Bevölkerung“ führt. Frauen und Kinder würden dem zum Opfer fallen. Das schildern jedenfalls vermeintliche Zeugen mit verheulten Wangen, die in Wahrheit professionelle Schauspieler sind und oft mehrfach in den Abendnachrichten auftreten.

Erstunken und erlogen ist vieles, was das russische Fernsehen sendet. Das Schlimmste hieran ist, dass die meisten Menschen dem mangels alternativer Nachrichten glauben. Putins Medienmaschine hat aus den Russen Zombies gemacht. Die schalten bereitwillig ihren Verstand aus und projizieren allen Hass auf einen imaginären Feind. Mit diesem Mix aus Angstmacherei und Hurra-Patriotismus schafft es die Elite die Zustimmung für das herrschende Putin-Regime in die Höhe zu schrauben, obwohl das russische Wirtschaftsmodell kaum mehr Wohlstandszuwachs ermöglicht.

Russland Wie Putin sein Land herunterwirtschaftet

Mit Hurra-Patriotismus und einem aggressiven außenpolitischen Kurs will Putin seine Macht sichern. Doch er verweigert Reformen, verprellt Investoren – und treibt sein Land tiefer in die Krise.

Wladimir Putin Quelle: REUTERS

Die Propaganda wird immer absurder

Die Inhalte dieser Propaganda werden derweil immer absurder – und zunehmend zynisch: Die am Donnerstag abgestürzte Maschine der Malaysian Airlines soll voller Leichen gewesen sein, berichten Internetquellen. Den „Geisterflug“ hätten die Amerikaner und ihre Handlanger in der Ukraine selbst abgeschossen, um die Welt gegen Russland aufzubringen. Kein Wort zu den vielen Indizien, wonach der Abschuss mit 298 unschuldigen Opfern auf das Konto der pro-russischen Separatisten geht. Die haben wohl aus Dummheit oder Unfähigkeit den Passagierflieger mit einer ukrainischen Militärmaschine verwechselt.

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Es tut mir innerlich weh zu sehen, wie dieser Stuss die guten Menschen in diesem schönen Land verdummt. Vor zehn Jahren habe ich selbst an der Universität Twer mit Hilfe des „Ersten Kanals“ die russische Sprache gelernt: Der Personenkult um Wladimir Putin war damals schon ausgeprägt, aber die politischen Nachrichten beleuchteten verschiedene Seiten; ich konnte mit Lehrer Anatoli Borisowitsch über die Nuancen diskutieren und dabei die Sprache lernen. Heute ertrage ich den Schund auf Putins Kanälen nicht mehr. Die Medien treiben einen Keil zwischen die Russen und den Rest der Welt. Freunde, wacht auf und denkt mit! Lasst euch nicht für dumm verkaufen! Wer weiß, wohin diese Agitation sonst noch führt.

 

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