Ukraine-Krise: Wladimir Putin buhlt um die Ost-Ukrainer

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Ukraine-Krise: Wladimir Putin buhlt um die Ost-Ukrainer

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In den Trucks, die aus Russland kommen, vermuten viele Ukrainer Soldaten statt humanitäre Hilfe

von Florian Willershausen

Es gibt keine Anzeichen, dass Russen mit weißen Lkw in der Ukraine einmarschieren werden – eher leistet Moskau wirklich nur humanitäre Hilfe. Und kommt Kiew im Kampf um die Herzen wieder mal zuvor.

Natürlich ist viel von „trojanischen Pferden“ die Rede, seit 280 weißen Lkw aus Russland in Richtung der ukrainischen Grenze rollen. Es soll sich um Armeefahrzeuge handeln, die eilig mit weißer Farbe lackiert und der Rote-Kreuz-Fahne versehen wurden, um tausende Tonnen Hilfsgüter und Schlafsäcke nach Lugansk zu bringen. Das sei bloß ein „Deckmantel“ für den Einmarsch, munkeln Beobachter im Westen in auffälliger Einigkeit. Am Ende will der Kreml die Ukraine doch besetzen.

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Klar kann das so sein – doch echte Anzeichen für eine Finte gibt es nicht. Vielmehr hat Moskau zugestimmt, dass Vertreter des Roten Kreuzes mitfahren und die Verteilung organisieren. Sollte der Kreml wirklich in die Ukraine einmarschieren, dann werden das die zigtausend Soldaten an der Grenze zum Nachbarland übernehmen. Und zwar mit Panzern und Haubitzen, nicht zusammengekauert auf Kartons mit Konserven hockend. Der Preis, den Russland dafür zahlen müsste, wäre hoch. Aber in der Bevölkerung käme das gut an.

Die Sanktionen der EU und USA gegen Russland

  • Banken

    Die EU erschwert den Zugang zu den EU-Finanzmärkten für russische Banken. Gilt für alle Banken mit einem staatlichen Anteil von mindestens 50 Prozent. Sie können auf den EU-Kapitalmärkten keine neuen Wertpapiere oder Aktien von russischen Unternehmen mehr verkaufen.

    In den USA fallen drei weitere Banken im russischen Staatsbesitz unter die Strafmaßnahmen, damit sind es nun fünf von sechs: Die Bank von Moskau, die Russische Landwirtschaftsbank und die VTB Bank kamen hinzu. Ihnen wird der Zugang zu mittel- und langfristiger Dollarfinanzierung für Russland erschwert. Sie dürfen aber weiter in den USA operieren.

  • Waffen

    Die EU verbietet künftige Rüstungslieferungen. Betroffen sind alle Güter, die auf einer entsprechenden Liste der EU stehen. Gilt nicht für bereits unterzeichnete Verträge, also auch nicht für die Lieferung von zwei französischen Hubschrauberträgern im Wert von 1,2 Milliarden Euro an Russland.

    In den USA wurde die United Shipbuilding Corporation (größtes russisches Schiffsbau-Unternehmen) zu den bislang acht auf der Sanktionsliste stehenden Firmen im Verteidigungssektor ergänzt. Die Unternehmen dürfen nicht mehr das US-Finanzsystem nutzen oder mit amerikanischen Bürgern Geschäfte machen.

  • Technologie

    Die EU verbietet den Export von bestimmten Hochtechnologiegütern an das Militär. Gilt beispielsweise für Verschlüsselungssysteme sowie für Hochleistungscomputer.

  • Energie

    Die EU untersagt die Ausfuhr für Spezialtechnik zur Ölförderung. Zielt auf Geräte, die für Ölbohrung und -förderung beispielsweise in der Arktis gebraucht werden.

    Auch in den USA gelten für Unternehmen aus der Ölbranche eingeschränkte Importmöglichkeiten für Technik zur Erschließung von Ölquellen in tiefen Gewässern, vor der arktischen Küste oder in Schiefergestein. Die aktuelle Energieproduktion werde damit aber nicht beeinträchtigt.

Es gibt immer mehr zivile Opfer

Viel mehr spricht indes für ein perfideres Motiv hinter dem Rotkreuz-Treck gen Süden: Die Russen wollen tatsächlich „humanitäre Hilfe“ in großem Stil leisten, um Unterstützung der vom Krieg zermürbten Menschen im Osten der Ukraine zu sammeln. Dort tobt seit nunmehr drei Monaten ein Krieg der pro-russischen Separatisten, die das Chaos in die Region gebracht haben, obwohl sie dort kaum verwurzelt sind. Die ukrainische Armee, die der skeptisch betrachteten Politik-Elite in Kiew untersteht, schlägt immer härter zurück und verursacht zunehmend zivile Opfer. Was das geringere Übel ist – die Armee oder die Separatisten –, wissen die meisten Menschen in der Ost-Ukraine nicht mehr.

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Eine großangelegte Hilfsaktion wird der Kreml perfekt für seine Zwecke ausschlachten. Die staatlich kontrollierten Medien übertragen die Bilder vom Transport schon auf sämtlichen Kanälen in Russland und in der Ost-Ukraine. Wir Russen helfen den Brüdern in der Ost-Ukraine, lautet die verkürzte Botschaft, wogegen Kiew auf die eigenen Städte schießt. So könnte sich Russland die Unterstützung der Menschen für eine Zeit nach der absehbaren Niederlage der Separatisten sichern. Die ließen sich als Kreml-treue Anhänger künftig gegen Kiew auf die Straße bringen; Russland könnte die Ukraine über den Osten beeinflussen.

Wieder einmal kam der Westen viel zu spät. Wo ist die humanitäre Hilfe der EU für die vom Krieg geschüttelten Menschen in der Ost-Ukraine? Warum kämpft Kiew im Osten nur statt Lebensmittel aus der Luft abzuwerfen? Es ist ja richtig und wichtig, die Städte der Region sofort nach ihrer Rückeroberung an die Versorgungsnetze wieder anzuschließen, damit die Menschen wissen, wer für Anarchie und wer für Ordnung steht. Allein, für Donezk und Lugansk käme das zu spät: Dort spielt sich Russland mit Erfolg bereits als Retter auf – so, als hätte man mit den Separatisten nie etwas zu tun gehabt. Kiew und auch die EU werden es schwer haben, dagegen anzukommen.

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6 Kommentare zu Ukraine-Krise: Wladimir Putin buhlt um die Ost-Ukrainer

  • "Wo ist die humanitäre Hilfe der EU für die vom Krieg geschüttelten Menschen in der Ost-Ukraine?"

    Tut der Redakteur nur so unschuldig oder soll die Frage ernst gemeint sein?

    Putin hat bereits erklärt, was in den Lastwagen ist: Nahrung, Medikamente, Zelte, Schlafsäcke usw. Falls die Lastwagen von ukrainischen oder neutralen Beobachtern kontrolliert werden können, wird man dort auch nichts anderes finden.

    Die Antwort auf die gestellte Frage lautet demnach: Weil diese Hilfsgüter in Flüchtlingslagern ebenso willkommen sind wir in den Nachschubdepots der Militzen.

    Jedoch: Die Russen akzeptieren bisher keine Kontrollen. Falls Putin damit durchkommt, wird der Konvoi auch Nachschub enthalten, der in Flüchtlingslagern so gar nichts zu suchen hat. Deshalb sollten in der ursprünglichen Planung Kampffahrzeuge die Lastwagenladungen vor neugierigen Augen schützen.

    Zur Erinnerung: Die Russen haben den Ukrainern ein "Stalingrad" in Donetsk und Luhansk versprochen. Der Sieg der Roten Armee war damals rein logistischer Natur: Der russische Nachschub über die Wolga konnte nie unterbunden werden, während die angreifenden Deutschen in der Stadt nach und nach verblutet sind.

  • Lieber Herr Willershausen, haben sie diesen Artikel tatsaechlich selbst fabriziert? Das klingt eher wie direkt vom Bundes-Propaganda-Ministerium.

    In jedem Fall scheinen Sie keine Ahnung zu haben was sich taeglich in der Ost-Ukraine abspielt.

    Beste Gruesse und gute Besserung.

  • Teil 1

    Meines Wissens sind die mit Russland sympathisierenden Ukrainer mittlerweile längst in Russland, weil geflohen, oder präzise gesagt - vertrieben worden. Der Stand meiner Informationen aus der letzten Woche ist, dass aus den umkämpften Gebieten rd. 1. Mio. Ukrainer nach Russland und sage und schreibe 118.000 gen Kiew geflüchtet sind.

    Angesichts dieser Zahlen ist das für mich eine gezielte Völkervertreibung.
    Gestützt wird diese Auffassung weiter dadurch, dass von Kiew kein Sterbenswort von selbst beabsichtigter humanitärer Hilfe für die Ost-Ukraine zu hören ist. Nicht einmal einem kurzen Waffenstillstand, was selbst im Gaza-Streifen möglich war, lehnt Kiew kategorisch ab.

    Und da kommen Sie, Herr Willershausen, und unterstellen dem Einzigen, der überhaupt humanitäre Hilfe leisten will, ein perfides Motiv. Dieses Denken finde ich nicht nur perfide, sondern krank, um nicht zu sagen, pervers – pervers den Menschen in der Ostukraine gegenüber, die von der Führung in Kiew skrupellos mit unter Dauerbeschuss genommen wird.

    Dazu passt übrigens die Meldung in der WiWo von Heute, wonach Kiew sich auch militärisch Rechtsextremer bedient, die der Verlautbarung nach mit ukrainischen Truppen gegen die Ostukraine vorgehen.

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