Ultimatum abgelaufen: IS will japanische Geiseln töten

Ultimatum abgelaufen: IS will japanische Geiseln töten

Die Terrormiliz Islamischer Staat fordert 200 Millionen Dollar - sonst sind die Japaner Kenji Goto und Haruna Yukawa tot. Willigt die japanische Regierung in letzter Minute ein?

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Japan ringt nach Ende von IS-Ultimatum um Freilassung von Geiseln

Japan hat sich bis zuletzt fieberhaft um die Rettung seiner beiden von der IS-Terrormiliz entführten Landsleute bemüht. Wie die Regierung in Tokio vorankam, blieb jedoch unklar. Der IS hatte ein Ultimatum bis Freitag gestellt und von der Regierung 200 Millionen Dollar (rund 176 Millionen Euro) Lösegeld verlangt. IS-Sympathisanten veröffentlichten im Internet einen „Countdown“ und drohten erneut mit der Tötung der beiden Japaner.

Regierungssprecher Yoshihide Suga sagte: „Die Situation bleibt ernst, aber wir tun, was wir können, um die Freilassung der beiden japanischen Geiseln zu erreichen.“ Japan nutze alle verfügbaren Kanäle, einschließlich Stammesführern, um Kontakt zu den Geiselnehmern aufzunehmen. Allerdings sei dies noch nicht gelungen. Ministerpräsident Shinzo Abe berief seinen Nationalen Sicherheitsrat zu einem Krisentreffen ein.

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Die Führer des IS

  • Abu Musab az-Zarqawi († 2006)

    az-Zarqawi wurde 1966 geboren und 2006 getötet. Auf seinem Kopf hatten die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt – das entspricht dem Kopfgeld, das auf Saddam Hussein ausgesetzt war. Er galt als Experte für chemische und biologische Kampfstoffe.

    Während des Irak-Kriegs gründete er al-Qaida im Irak – der Organisation aus der heute der Islamische Staat (IS) hervorgegangen ist. Er ist für mehrere Terroranschläge und die Enthauptung des Amerikaners Nicholas Berg verantwortlich.

    Am 7. Juni 2006 töteten ihn US-Spezialkräfte nördlich von Bagdad. Nachdem zu einem Gefecht zwischen US-Militärs und Anhängern az-Zarqawis kam, forderten die US-Soldaten einen gezielten Luftschlag auf sein Lager an. Infolge dieses Luftschlags soll az-Zarqawi gestorben sein.

  • Abu Abdullah ar-Raschid al-Baghdadi (Abu Umar al-Baghdadi) († 2010)

    Die Person hinter dem Pseudonym Abu Umar al-Baghdadi ist immer schattenhaft geblieben. Nach irakischen Angaben war er ein ehemaliger irakischer Armeeoffizier. 1985 soll er in dem Widerstand gegen Saddam Hussein beigetreten sein.
    1987 floh er nach Afghanistan, um erst 1991 zurück in den Irak zu kommen. Seine Festnahme wie sein Tod wurden mehrfach gemeldet. Beobachter äußerten immer wieder die Vermutung, hinter dem Kampfnamen existiere keine reale Person – oder er wäre nacheinander von unterschiedlichen Kämpfern verkörpert worden.
    Seit 2010 sind keine Ankündigungen von ihm mehr in die Öffentlichkeit gelangt, weshalb man ihn für tot hält.

  • Abu Bakr al-Baghdadi

    Al-Baghdadi wurde 1971 im Irak geboren. Seit 2010 ist er der Anführer des IS. Seitdem er Mitte 2014 in Teilen Syriens und des Iraks das Kalifat ausgerufen hat, nennt er sich Kalif Ibrahim.
    In Bagdad soll er ab seinem 19. Lebensjahr zehn Jahre lang in einem privaten Moscheegebäude gelebt und Religion studiert haben. Sein Studium soll er zu Beginn der 2000er Jahre mit einer Promotion in Islamischen Recht beendet haben.
    Als die USA 2003 im Irak einmarschierten, gründete al-Baghdadi eine militante Islamistengruppe. 2004 soll er von US-Streitkräften im Irak interniert worden sein.
    Seitdem er 2014 das Kalifat auf syrischem und irakischem Boden ausgerufen hat, ist er nach Ansicht seiner Anhänger oberster Führer der Muslime.

Zudem wurde der stellvertretende Außenminister Yasuhide Nakayama nach Amman entsandt. Auch er sagte aber, er habe keine neuen Informationen. „Wir wollen bis zum Ende daran arbeiten, mit unserer ganzen Kraft, um ihre Freilassung zu erreichen“, sagte er. Abe hatte zuletzt versucht, Japan international mehr Gewicht zu verleihen, doch hat Tokio keine engen diplomatischen Verbindungen in den Nahen Osten.

Die Mutter des 47 Jahre alten Journalisten Kenji Goto flehte die Führung in Tokio an, ihren Sohn aus den Fängen des Miliz zu befreien. „Die Zeit läuft ab. Bitte, japanische Regierung, retten Sie das Leben meines Sohnes“, sagte Junko Ishido in Tokio.

Chronik der IS-Krise

  • 6. Januar 2014

    IS-Rebellen besetzen Falludscha in der irakischen Provinz Anbar. Hunderttausende fliehen.

  • 10. Juni 2014

    IS-Kämpfer nehmen die Millionenstadt Mossul ein und überrennen anschließend weitere Teile des Iraks.

  • 13. Juni 2014

    US-Präsident Barack Obama deutet erstmals ein Eingreifen an, allerdings nicht mit Bodentruppen.

  • 30. Juni 1914

    IS ruft ein grenzübergreifendes Kalifat aus.

  • 3. August 2014

    Der IS-Vormarsch nahe Mossul treibt Hunderttausende in die Flucht, vor allem Jesiden.

  • 8. August 2014

    Die USA fliegen erste Angriffe und werfen Nahrung für die Flüchtlinge ab.

  • 15. August 2014

    Deutschland bringt erstmals Hilfsgüter ins Krisengebiet.

  • 20. August 2014

    Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt.

  • 5. September 2014

    Zehn Länder schließen Anti-IS-Koalition.

  • 25. September 2014

    Deutschland liefert erste Waffen an kurdische Kämpfer.

  • 3. Dezember 2014

    Ministertreffen der rund 60 Länder der Anti-IS-Koalition in Brüssel.

Goto sei kein Feind des IS. Er sei vielmehr nach Syrien geflogen, um dabei zu helfen, den 42-jährigen Haruna Yukawa zu retten, sagte Ishido. Erst zwei Wochen vor seiner Abreise habe seine Frau im Oktober ein Kind zur Welt gebracht.

Abe bleiben in dem Fall nur wenige Optionen. Dazu zählt, offen auf die Lösegeldforderung der Extremisten einzugehen oder einen Verbündeten wie die USA zu bitten, einen riskanten Rettungsversuch in Syrien zu unternehmen. Schließlich kommt das japanische Militär nur zu Zwecken der Selbstverteidigung im eigenen Land zum Einsatz.

Weitere Artikel

Der nationale Sender NHK berichtete, er habe eine Nachricht vom IS bekommen. Demnach sollte eine Erklärung bald veröffentlicht werden. Details wurden keine bekannt. Zwei Japaner, die nach eigenen Angaben Kontakt zu einem Anführer der Terrormiliz haben, boten am Donnerstag an, zu vermitteln. Es war unklar, was die japanische Regierung von ihrem Hilfsangebot hielt.

In der größten Moschee in Tokio schlossen die Gläubigen die beiden Geiseln am Freitag in ihre Gebete ein. „Alle Muslime in Japan, wir wollen, dass die japanischen Geiseln so schnell wie möglich gerettet werden“, sagte Sandar Basara, ein Arbeiter aus der Türkei.

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