Umrüstung für Nato-Raketenschild: Neues Radar für deutsche Fregatten

Umrüstung für Nato-Raketenschild: Neues Radar für deutsche Fregatten

, aktualisiert 08. Dezember 2016, 20:09 Uhr
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Mit den neu ausgerüsteten Radaren sollen deutsche Fregatten bis in den Weltraum schauen können.

Quelle:Handelsblatt Online

Bis Mitte der 20er Jahre sollen die Radare von drei Luftverteidigungs-Fregatten der deutschen Marine ersetzt werden. Die neu ausgerüsteten Schiffe sollen dann Teil des Nato-Raketenschildes sein.

BerlinDie Luftverteidigungs-Fregatten der deutschen Marine sollen mit neuen Radaren ausgerüstet werden, die auch in den Weltraum schauen und damit einen Teil des Nato-Raketenschildes bilden können. Generalinspekteur Volker Wieker habe entschieden, dass für die drei Fregatten des Typs F-124 am Markt erhältliche Radare beschafft werden sollten, sagte ein Sprecher der Bundesverteidigungsministeriums am Donnerstag. Dies könne auch Produkte auf Basis bereits existierender Technologien umfassen. Nach früheren Angaben von Fachleuten dürften die Kosten für derartige Radare bei etwa 450 Millionen Euro liegen. Als ein Anbieter gilt der französische Rüstungskonzern Thales.

Das Beschaffungsamt der Bundeswehr werde nun prüfen, welche Systeme am Markt erhältlich seien, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die alten Radare sollten bis Mitte der 20er Jahre ersetzt werden. Das Rüstungsprojekt dürfte für weitere Verstimmungen mit Russland sorgen, das den Aufbau des Raketenschildes mit großem Misstrauen verfolgt. Die Nato argumentiert dagegen, das Vorhaben richte sich allein gegen "Schurkenstaaten" wie den Iran.

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Die deutschen Fregatten der "Sachsen-Klasse" gelten schon mit ihrem aktuellen Radar als modernste Kriegsschiffe zur Luftverteidigung weltweit. Bisher sind sie aber auf die Bekämpfung von Luftzielen beschränkt, also Zielen in maximal 30 Kilometern Höhe. In den Weltraum können die Fregatten nicht schauen, was für die Beteiligung am Nato-Schild aber nötig ist: Denn dieses soll sich vor allem gegen Mittelstrecken- und kürzere Langstreckenraketen mit einer Reichweite zwischen 1000 und 5000 Kilometern richten. Diese Lenkflugkörper legen einen Teil ihres Weges im All zurück und werden auch im luftleeren Raum abgeschossen.

Deutschland hat in der Nato die Federführung für die Flug- und Raketenabwehr inne. Auf See arbeiten die Marinen von Deutschland, den Niederlanden und Dänemarkt hier eng zusammen: Gemeinsam betreiben sie zehn Schiffe, die mit dem gleichen Radar namens Smart-L des Thales-Konzerns ausgerüstet sind. Vor zwei Jahren beschlossen die Niederländer allerdings, ihre vier Schiffe mit dem neueren Thales-Radar Smart-L ELR auszurüsten. Deutschland und Dänemarkt brach damit die logistische Unterstützung weg. Dies war der Auslöser für Erwägungen in beiden Ländern, ebenfalls modernere Radare zu beschaffen.

Wieker entschied sich nun gegen den reinen Austausch der alten Radare gegen modernere Geräte gleicher Leistungsfähigkeit, der mit Kosten von rund 350 Millionen Euro laut Experten die billigste Lösung gewesen wäre. Auch die Neuentwicklung eines Radars ist mit seinem Beschluss vom Tisch. Als Kandidat für diese Lösung, die nach Aussage von Insidern knapp 500 Millionen Euro gekostet hätte, galt Airbus .

Bisher besteht der Nato-Raketenschild aus vier Aegis-Kriegsschiffen, die die USA im spanischen Rota stationiert haben. Sie sind mit Radar und SM-3-Abfangraketen ausgerüstet, die anfliegende Lenkflugkörper im Weltraum abschießen können. Ein weiteres Aegis-System mit Abfangraketen haben die USA im rumänischen Deveselu stationiert, ein drittes soll ab Ende 2018 in Polen stehen. Die Vorwarnung und sogenannte Zielvoreinweisung erhalten alle Anlagen von einem US-Radar im Osten der Türkei, ohne dessen Hilfe sie fast blind sind.

Die Abhängigkeit von diesem einen Radar, die als großer Schwachpunkt des Raketenschildes gilt, könnte mit Hilfe der deutschen Fregatten künftig beseitigt werden: Mit den neuen Radaren könnten die deutschen Kriegsschiffe als Ersatz für das US-Frühwarnradar in der Türkei dienen, falls dieses zerstört wird oder ausfällt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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