Umweltabkommen zwischen USA und China: Die Klimafarce

KommentarUmweltabkommen zwischen USA und China: Die Klimafarce

von Philipp Mattheis

Das "historische Abkommen" zwischen den USA und China zur Reduzierung der Treibhausgase beinhaltet weder Neues noch Notwendiges. China steuert weiter auf eine Umweltkatastrophe zu.

In Shanghai hat die Smog-Saison begonnen. Am Mittwochvormittag stiegen die Luftverschmutzungswerte auf über 250 - "very unhealthy", nennt das die Messstation des amerikanischen Generalkonsulats in Shanghai. Das bedeutet für die Bewohner: So wenig Zeit wie möglich draußen verbringen, Atemmasken tragen, Luftreiniger anschmeißen.

Immer wenn der Winter naht und die Menschen zu heizen beginnen, blasen die Kohlekraftwerke in den umliegenden Provinzen Dreck in die Luft. Die Shanghaier hoffen dann auf Wind, der die Giftwolke raus auf's Meer bläst.

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Ziemlich zeitgleich feierten US-Präsident Barack Obama und Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping in Peking ein "historisches Abkommen", wonach beide Länder ihre Treibhausgase reduzieren wollen. Für den APEC-Gipfel hatte man extra die Dreckschleudern in der umliegenden Provinz Hebei abgeschaltet und den Pekingern Zwangsurlaub verordnet, um so die Zahl der Autos gering zu halten. Historisch ist an dem Abkommen nur die Tatsache, dass erstmals beide Länder gemeinsam diese Absicht bekunden. Der Inhalt des Abkommens dagegen ist eine Farce.

Historischer Schritt USA und China einigen sich auf Klimaziele

Die USA und China wollen nicht mehr Klimasünder sein. Beim Staatsbesuch in Peking geben Obama und Xi neue Programme zum Klimaschutz bekannt. Umweltschützer fordern jedoch mehr.

Obamas neues Klimaziel bis 2025: Mindestens 26 Prozent weniger CO2 Quelle: AP

Für die Volksrepublik ändert sich de facto nichts. China hat lediglich bekanntgegeben, den Höhepunkt seiner Emissionen 2030 zu erreichen. Das ist nicht neu, das nicht ausreichend, das ist zu spät.

Für die chinesische Bevölkerung ist die Situation eine Katastrophe. Wer in China lebt, schaut heute genauso oft auf eine App, die die Luftverschmutzung misst, wie auf den Wetterbericht. An gewöhnlichen Tagen liegt der Wert der PM2,5-Partikel bei etwa 100 Mikrogramm pro Kubikmeter. PM2,5-Partikel sind für den Menschen gefährlich, weil sie klein genug sind, über die Lunge in den Blutkreislauf zu gelangen.

Vor allem in Nordchina und um die Hauptstadt Peking werden oft Werte um 250 und mehr erreicht. Der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation liegt bei 25. In deutschen Städten liegen die Spitzwerte bei 35, 40.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

  • Das Bevölkerungswachstum

    Die Anzahl der Menschen auf der Erde wächst jedes Jahr um etwa 70 bis 80 Millionen Personen. Das entspricht fast der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Bis 2050 soll laut Schätzungen der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung auf knapp 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Dass die Kinder nicht hierzulande oder bei unseren europäischen Nachbarn geboren werden, ist hinreichend bekannt. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika und Asien wächst die Bevölkerungszahl. Dadurch wächst auch der Bedarf an Rohstoffen, Energie, Wasser und Nahrung.

  • Wirtschaftswachstum

    Trotz Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1992 hat sich der CO2-Ausstoß kaum verringert. Lediglich als 2009 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Industriestätten weniger produzierten, sank der Wert der Kohlendioxidemission auf 784 Millionen Tonnen. Schon ein Jahr später lag der Wert wieder bei 819 Millionen Tonnen. Dabei entsteht ein Großteil der Emissionen in nur wenigen Ländern wie China, den USA und der EU.

  • Automobile

    Während Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in Ländern wie Deutschland in Zeiten hoher Benzinkosten viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend eindeutig ein anderer. Immer mehr PKW fahren über den Globus. 2010 wurde erstmals die Eine-Milliarde-Marke geknackt. Besonders viele Autos pro Einwohner werden in Monaco und den USA gefahren.

  • Kohle, Kohle, Kohle

    Der seit Mai 2012 stetig ansteigende Ölpreis hat dafür gesorgt, dass Kohle wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Wiederauferstehung der Kohle ist für die Umwelt eine Katstrophe. Laut BUND sind Kohlekraftwerke mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht meist als ungenutzte Wärme verloren.

  • Abholzung

    Das Handout der Umweltschutzorganisation WWF zeigt die illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien). Jährlich gehen knapp 5,6 Millionen Hektar Wald verloren. Die fortschreitende Abholzung von Regenwäldern trägt entsprechend mit zur globalen Erderwärmung bei. Denn die Wälder speichern Kohlendioxid.

  • Rindfleisch

    Rinder sind wahre CO2-Schleudern. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. In diese Rechnung fließen mehrere Faktoren ein. Zum einen können auf dem für die Rinder genutzten Weideland keine Wälder mehr wachsen. Zum anderen scheiden Rinder das klimaschädliche Gas Methan aus. Laut WWF sind in Deutschland fast 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen.

  • Wegwerfgesellschaft

    Nicht nur Unmengen an Verpackungsmüll produzieren die Deutschen. Wir schmeißen auch jede Menge Lebensmittel weg, pro Kopf etwa 100 Kilogramm pro Jahr. Auch diese Verschwendung wirkt sich massiv negativ auf das Klima aus.

  • Flugzeuge

    Flugzeuge stoßen CO2, Stickoide, Wasserdampf, Ruß, Sulfat und andere Partikel aus und verpesten so die Umwelt. Die größte Klimawirkung hat laut atmosfair.de das reine CO2, das immer beim Verbrennen von Benzin oder Kerosin entsteht. Außerdem die Bildung von Schleierwolken und Kondensstreifen, der Aufbau vom Treibhausgas Ozon in einem sensiblen atmosphärischen Stockwerk sowie der Abbau von Methan.

Kohle ist der Hauptverursacher und für rund 60 Prozent des Smogs in chinesischen Städten verantwortlich. Nur 20 Prozent stammen von Autos, weitere 20 Prozent sind andere Industrieabgase.

China verbrennt mehr Kohle als alle anderen Länder der Welt zusammen. Das Land deckt mit dem Rohstoff mehr als 65 Prozent seines Energiebedarfs. Dass China den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 20 Prozent steigern will, ist lobenswert, aber nichts Neues.

Kein anderes Land investiert so viel in grüne Technologien wie China. 75 Millionen Kilowatt könnten heute schon von Windkraftwerken produziert werden, wenn diese auch endlich ans Netz angeschlossen würden. Hinzu kommen 15 Millionen Kilowatt Solarstrom.

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