Umwelttechnik: China ignoriert Windanlagen-Anbieter

Umwelttechnik: China ignoriert Windanlagen-Anbieter

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Windräder in Dämmerung. Chinas Markt für regenerative Energien boomt. Ausländische Windanlagenbauer gehen jetzt leer aus.

Chinas Markt für regenerative Energien boomt. Doch ausländische Windanlagenbauer gehen jetzt leer aus.

Wer von Urumqi, der Hauptstadt der Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas, Richtung Norden fährt, kann besichtigen, wie Chinas energiepolitische Zukunft aussieht:  Hunderte Windräder säumen die Steppe unweit der Grenze nach Kasachstan.

Angesichts der gravierenden Umweltprobleme will Peking den Anteil regenerativer Energien in den kommenden Jahren kräftig erhöhen. Die Windenergie soll dabei eine Schlüsselrolle spielen. Nach den USA ist China inzwischen der zweitgrößte Markt für Windenergie.

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Ausländische Hersteller haben am Ausbau der Windenergie in China bisher gut verdient. Von den mehr als 5.300 Windkraftanlagen, die 2008 ans Netz gingen, haben die ausländischen Anbieter immerhin ein Viertel geliefert. "Die vergangenen zwei Jahre waren richtig gut", sagt der Vertreter eines deutschen Herstellers.

Stolpersteine für ausländische Anbieter von Windenergie

Doch damit dürfte es nun vorbei sein.

Vor wenigen Tagen hat die Nationale Reform- und Entwicklungskommission (NDRC), Chinas zentrale Wirtschaftsplanungsbehörde, die Ergebnisse der jüngsten Ausschreibung bekannt gegeben – insgesamt 25 Projekte mit einer installierten Leistung von mehr als 5200 Megawatt und einem Investitionsvolumen von fünf Milliarden Euro waren auf einen Schlag zu vergeben.

Alle Aufträge, erklärten die NDRC-Vertreter, gehen an chinesische Hersteller. Dabei hofften gerade die deutschen Unternehmen, sie könnten in den kommenden Jahren kräftig von der Modernisierung der chinesischen Energieversorgung profitieren.

Offiziell argumentiert Peking, die Anlagen der internationalen Hersteller seien zu teuer. Die wiederum entgegnen, Chinas Behörden betrachteten nur den Preis des einzelnen Windrades statt wie international üblich die Kosten über den gesamten Lebenszyklus. Die seien wegen der höheren Qualität der ausländischen Anbieter deutlich niedriger.

Branchenvertreter vermuten, Peking wolle die heimischen Unternehmen schützen – ein krasser Gegensatz zur Rhetorik der Regierung.

Die propagiert offene Märkte und versprach ausländischen Unternehmen noch vor wenigen Wochen, sie würden von Pekings 470 Milliarden Euro starkem Konjunkturpaket profitieren.

China präferiert eigene Hersteller

Europäische Wirtschaftsvertreter in Peking werfen der Regierung vor, sie schließe ausländische Anbieter bewusst von den Windkraftprojekten aus.

Die Kriterien für die Vergabe seien so formuliert gewesen, dass es für ausländische Anbieter sehr schwer gewesen sei, zu gewinnen, sagt Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China. Die Industrie sei besorgt, dass die Praxis auch in anderen Branchen Einzug halten werde.

Chinas Strategie ist klar. Das Land will nationale Champions aufbauen, die künftig auch international konkurrenzfähig sind. Rund 50 chinesische Hersteller von Windkraftanlagen gibt es in China. Eine Handvoll von ihnen ist inzwischen in der Lage, akzeptable Qualität zu liefern. Sie profitieren vor allem von den Auflagen der Regierung für ausländische Unternehmen. Die müssen nämlich 70 Prozent ihrer Komponenten in China einkaufen und werden zum Teil in Joint Ventures gezwungen – so stellt Peking den Technologietransfer sicher.

Geht die fragwürdige Vergabepraxis weiter, dürfte es für einige ausländische Hersteller eng werden. „Die Frage ist, ob wir die nächsten zwei Jahre in China überleben werden“, heißt es bei einem europäischen Windkraftunternehmen, „oder ob wir gezwungen werden, über die Einstellung des operativen Geschäftes nachzudenken.“

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