UN-Klimakonferenz in Paris: Hoffnung auf Durchbruch in der Klimapolitik

UN-Klimakonferenz in Paris: Hoffnung auf Durchbruch in der Klimapolitik

Bild vergrößern

In Paris tobt der Kampf ums Klima.

Das in Paris erarbeitete Abkommen will die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzen, Aktivisten und Klimaschützer drücken die Daumen. Es gibt aber auch kritische Stimmen.

Es wäre ein historischer Durchbruch: Kurz vor dem Ende der zweiwöchigen Pariser UN-Klimakonferenz haben Gastgeber Frankreich, die EU und Umweltschützer eindringlich für ein Ja zu einem umfassenden Weltklimavertrag geworben. Präsident François Hollande mahnte am Samstag die 196 Vertragspartner in einer leidenschaftlichen Rede: „Es ist selten, dass es im Leben die Gelegenheit gibt, die Welt zu verändern. Sie haben diese Gelegenheit.“

Es wäre der erste Vertrag, mit dem sich nahezu alle Staaten auf Klimaschutz verpflichten. Demnach soll die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzt werden - wenn möglich sogar auf 1,5 Grad.

Anzeige

Chronik im Kampf gegen den Klimawandel

  • Montreal 1987

    Regierungen versprechen in einem Vertrag, die Emissionen von für die Ozonschicht schädlichen Chemikalien zu begrenzen. Das sogenannte Montreal-Protokoll befasst sich zwar nicht ausdrücklich mit dem Klimawandel, doch wird es zu einem Modell dafür, wie vom Menschen verursachte Emissionen durch internationale Abkommen eingeschränkt werden können.

  • New York 1988

    Die UN-Generalversammlung befürwortet die Bildung des sogenannten Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaveränderungen, auch Weltklimarat genannt. Dieser wird von der Weltorganisation für Meteorologie und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen eingerichtet, um das vorhandene Wissen über den Klimawandel zu beurteilen.

  • London 1990

    Der Weltklimarat veröffentlicht seine erste wissenschaftliche Beurteilung des Klimawandels. Demnach nehmen die Treibhausgaswerte in der Atmosphäre aufgrund menschlicher Aktivität zu, was zu einer Erwärmung der Erdoberfläche führt.

  • Rio 1992

    Staats- und Regierungschefs unterzeichnen die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Ziel ist die Begrenzung der Treibhausgase. Allerdings legt die Konvention keine bindenden Ziele fest.

  • Kyoto 1997

    Das sogenannte Kyoto-Protokoll wird angenommen. Dieses setzt bindende Emissionsziele für wohlhabende Länder. Die USA handeln den Vertrag mit aus, ratifizieren ihn aber letztlich nicht.

  • Moskau 2004

    Der russische Präsident Wladimir Putin macht mit der Ratifizierung des Kyoto-Protokoll den Weg für das Inkrafttreten frei. Denn die Voraussetzung ist erfüllt: Der Vertrag wird von Ländern unterstützt, die zusammen für mehr als 55 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sind.

  • Bali 2007

    Eine UN-Klimakonferenz einigt sich darauf, bis 2009 ein weltweites Abkommen als Ersatz für das Kyoto-Protokoll auszuhandeln.

  • Kopenhagen 2009

    Der erste Anlauf des verbindlichen globalen Klimaabkommens scheitert. Grund sind Meinungsverschiedenheiten zwischen reichen und armen Ländern, wer wie viel für den Klimaschutz leisten soll.

  • Durban 2011

    Bei UN-Klimagesprächen einigen sich die Teilnehmer, im Jahr 2015 ein für alle Staaten gültiges Abkommen abzuschließen und fünf Jahre später in Kraft zu setzen.

  • Stockholm 2013

    Der Weltklimarat erklärt es für „äußerst wahrscheinlich“, dass menschlicher Einfluss der führende Grund für steigende Temperaturen sei, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts erfasst wurden.

  • Paris 2015

    Mehr als 190 Delegationen erarbeiten den Entwurf des globalen Abkommens.


Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich bin soweit sehr zufrieden mit dem Text.“ Sie sei zu 99,5 Prozent sicher, dass die Staaten zustimmen. EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete sagte: „Ich bete, dass niemand Widerspruch einlegt.“

Umweltaktivisten begrüßten den Vertragsentwurf überwiegend als wichtigen Wendepunkt, es gab aber auch kritische Stimmen. Viele forderten noch stärkere Anstrengungen für den Klimaschutz.

Starkes Signal

Der Konferenzleiter, Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, sagte, der Entwurf sei ehrgeizig, ausgewogen und rechtlich verpflichtend. Er enthalte Fortschritte, die viele für unmöglich gehalten hätten. „Die Welt hält den Atem an und zählt auf uns alle“, mahnte er. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte: „Lasst uns den Job zuende bringen.“ Am frühen Abend sollten die Delegationen abschließend über den Vorschlag beraten.

Greenpeace-Experte Martin Kaiser lobte den Verweis auf das besonders von bedrohten Inselstaaten geforderte 1,5-Grad-Ziel als „ganz starkes Signal“. Christoph Bals von Germanwatch meinte: „Dass sich alle auf einen Pfad zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas begeben, bedeutet einen Wendepunkt in der Klimageschichte.“

Laut Text soll der Ausstoß von Treibhausgases möglichst bald sinken. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sollen dann nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als an anderer Stelle zum Beispiel von Wäldern aufgenommen werden kann - das heißt: Es sollen netto keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen.

Klima Der geflutete Planet

Die Meeresspiegel werden um mehrere Meter steigen, das ist sicher. Billionen Dollar von Vermögen drohen in den nächsten Jahrzehnten zu versinken. Wo ist es besonders kritisch und was können wir retten?

Klima: Der geflutete Planet

Treibhausgase lassen wie das Glas im Treibhaus Sonnenstrahlen bis zum Erdboden durch. Die von der Erde reflektierten Infrarotstrahlen nehmen sie jedoch auf und erwärmen so die Luft.

„Der Vertrag enthält starke Ziele, allerdings schwache Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele“, sagte der Chef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, am Rande der Konferenz. Deutschland habe in Paris gut verhandelt, müsse aber nun zu Hause einiges ändern. Dazu gehöre vor allem ein schneller Ausstieg aus der Kohle.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte eine „Diskrepanz zwischen dem in Paris vereinbarten Temperaturziel und der tatsächlichen Klimapolitik der Staaten“.

weitere Artikel

Der Text sieht auch vor, die bislang nicht ausreichenden nationalen Klimaziele regelmäßig zu überprüfen und nachzubessern. Dies beginnt allerdings später als von Umweltschützern gefordert.

Knapp zwei Wochen hatten Minister und Unterhändler im Pariser Vorort Le Bourget hart um die Details des Vertrags gerungen. Zentraler Knackpunkt waren Klima-Finanzhilfen für Entwicklungsländer. „Die Industrieländer haben erfolgreich alle Forderungen nach konkreten Verpflichtungen im neuen Abkommen abgewehrt“, kritisierte Oxfam. Allerdings gibt es im Vorschlag für eine separate Entscheidung die Zusicherung, dass die bereits versprochenen 100 Milliarden US-Dollar Finanzhilfe ab 2020 künftig den „Boden“ darstellten.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%