UN-Klimaverhandlungen: Umweltexperten mahnen Fortschritte an

UN-Klimaverhandlungen: Umweltexperten mahnen Fortschritte an

, aktualisiert 24. November 2011, 14:33 Uhr
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Der weltberühmte Perito Moreno Gletscher im Süden Argentiniens verliert immer mehr Eis.

Quelle:Handelsblatt Online

Vor einer UN-Verhandlungsrunde um ein neues Klimaschutzabkommen warnen Forscher vor den weitreichenden Folgen eines politischen Scheiterns. Sollte es zu keiner Einigung kommen, drohe eine dramatische Erderwärmung.

BerlinWenige Tage vor Beginn der UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban warnen deutsche Umweltexperten vor einem Scheitern der Verhandlungen. Sollten sich die Staaten nicht auf eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll einigen, könnte sich die Erde bis 2100 um mehr als drei Grad erwärmen, erklärten Regierungsexperten und Klimaforscher am Donnerstag in Berlin.

„Der Klimawandel schreitet nicht langsamer voran, als man gedacht hat“, sagte Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Nach aktuellen Prognosen könne das Ziel, die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, daher nicht erreicht werden. „Bisher sind wir auf dem Weg, zwischen drei bis dreieinhalb Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zu bekommen“, sagte Lucht.

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Um dieses Szenario zu verhindern, müsse in Durban „ein umfassendes Abkommen“ auf den Weg gebracht werden, sagte Dirk Messner vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). „Ein Signal wäre es, festzulegen, bis wann die Trendumkehr bei den Emissionen erreicht werden soll“, fügte Messner hinzu.

Auch der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, pocht auf verbindliche Zusagen der Teilnehmerstaaten: „Es muss der Abschluss eines neuen umfassenden und rechtsverbindlichen Klimaschutzabkommens auf den Weg gebracht werden, damit es auch nach 2012 weltweit verbindliche Ziele im Klimaschutz gibt.“

Bisher ist das Kyoto-Protokoll von 1997 das einzige rechtsverbindliche Klimaabkommen. Mehr als 170 Unterzeichnerstaaten verständigten sich 1997 im japanischen Kyoto darauf, den weltweiten Kohlendioxid-Ausstoß innerhalb von fünfzehn Jahren um rund fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. 37 Industriestaaten haben sich mit dem Abkommen dazu verpflichtet, dieses Ziel zu erreichen. Die dort festgelegten Verpflichtungen enden Ende des nächsten Jahres.

Trotz Bedenken hält Flasbarth eine grundsätzliche Einigung bei der Konferenz in Südafrika (28. November bis 9. Dezember) für möglich. „Es gibt keinen Grund für Fatalismus“, sagte Flasbarth. Es sei nicht angebracht, „Durban schon vorher totzureden“.

Er betonte, dass es bereits jetzt einige vielversprechende Ansätze in der weltweiten Umweltpolitik gebe: „Etwa beim Waldschutz in Entwicklungsländern, beim klimaverträglichen Umbau unserer Energieversorgung und bei der Umlenkung von Investitionen in klimaverträgliche Infrastrukturen.“

Regierungsberater Messner erklärte, dass sich die Förderung umweltpolitischer Initiativen auch wirtschaftlich auszahle: „Wer im Klimaschutz voranschreitet, wird auch industriepolitisch gewinnen.“ Die Investitionen für die erneuerbaren Energien lösten Innovationen aus, die eine wirksame Gegenmaßnahme gegen „die sich abzeichnende Rezession in Europa“ sein könnten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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