Unruhen in Tibet : Druck auf das internationale Olympische Komittee wächst

Unruhen in Tibet : Druck auf das internationale Olympische Komittee wächst

Angesichts des gewaltsamen Vorgehens der chinesischen Führung in Tibet wird in Deutschland zunehmend Kritik an der verhaltenen Reaktion der Sportorganisationen laut. Die deutsche Beteiligung an den Olympischen Spielen in diesem Sommer in Peking wird jedoch weiterhin kaum infrage gestellt.

FDP-Partei- und Fraktionschef Guido Westerwelle sprach sich für eine breit angelegte „Dialog-Offensive“ mit China aus. „Wir sollten mehr Kraft darauf verwenden, auf diejenigen in China zuzugehen, die gesprächsbereit und weltoffen sind“, sagte Westerwelle der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert (SPD), forderte das Internationale Olympische Komitee (IOC) und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf, nach Peking zu reisen. China müsse klar gemacht werden, „welcher Schatten auf die Olympischen Spiele zu fallen droht, wenn das gewaltsame Vorgehen gegen die Demonstranten nicht beendet wird“, sagte Danckert der „Rheinpfalz am Sonntag“.

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Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die Sportverbände müssten „endlich mehr tun, als nur zu sagen: Sport ist Sport“. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), schloss in der „Bild am Sonntag“ Boykottmaßnahmen nicht aus. „Peking muss sich entscheiden. Es sollte unverzüglich mit dem Dalai Lama verhandeln. Bleiben Signale der Verständigung aus, halte ich Boykottmaßnahmen für gerechtfertigt.“

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, lehnte einen Boykott der Spiele ab. „Die Olympischen Spiele sind kein Mittel zum Zweck und können nicht als Faustpfand für die Politik dienen“, sagte der frühere Grünen-Politiker der „Rheinpfalz am Sonntag“.

Auch FDP-Chef Westerwelle warnte vor einem Olympia-Boykott. Jenseits des kurzfristigen Symbols habe dies keinerlei Nutzen. „Im Gegenteil verabschieden wir uns damit von Gesprächsmöglichkeiten mit China.“ Die Forderung nach mehr Dialog begründete Westerwelle mit den Erfahrungen aus der deutschen Teilung: „Wandel durch Handel, Wandel durch Annäherung, das hat schon einmal der Freiheit und dem internationalen Ausgleich zum Durchbruch verholfen.“

Auch 58 Prozent der Bundesbürger wollen, dass Deutschland an den Spielen teilnimmt. Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“ sind nur 36 Prozent für einen Boykott.

Unterdessen will Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) den Rechtsstaatsdialog zwischen Deutschland und China um weitere zwei Jahre verlängern. „Unsere Philosophie ist der Dialog. Es geht darum, China beim Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen zu unterstützen“, sagte sie der „Welt am Sonntag“. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hat dagegen für Mai geplante Verhandlungen mit China ausgesetzt. Der Menschenrechtsdialog mit Peking liegt bereits seit dem Empfang des Dalai Lama durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im vergangenen Herbst auf Eis. Die Exil-Tibeter in Deutschland beklagen unterdessen, sie würden von chinesischer Seite ausspioniert. „Chinesische Spitzel aus Botschaft und Konsulaten mischen sich in Deutschland unter unsere Demonstranten“, sagte der Mitbegründer des Vereins der Tibeter in Deutschland, Tsewang Norbu, der „Bild am Sonntag“. Die deutsche Tibet Initiative berichtete, dass mehrere große Klöster in Tibet von der Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln abgeschnitten seien.

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Schauspielerin Maria Nafpliotou in der Rolle der Hohe Priesterin entzündet die Flamme der Olympischen Spiele während der Probe für die Flammenzeremonie für die Olympischen Spiele in Peking.

Das Olympische Feuer für die Spiele in Peking ist heute entfacht worden.

Die Zeremonie fand in der antiken Stätte von Olympia auf der Halbinsel Peloponnes statt. Die Flamme wurde trotz zum Teil bewölkten Himmels mit einem Hohlspiegel und mit Hilfe der Sonnenstrahlen entzündet. Die griechische Schauspielerin Maria Nafpliotou in der Rolle der „Obersten Priesterin“ richtete einen Aufruf an den antiken Gott der Sonne Apollon. Anschließend wurde das Feuer an den ersten Fackelträger, den griechischen Silber-Olympiasieger 2004 im Teakwondo, Alexandros Nikolaidis übergeben.

Gleichzeitig wurde eine Friedenstaube befreit. Kurz vor der Entfachung des Feuers hatte ein Tibeter kurz die Feier gestört. Er schrie Parolen gegen die chinesische Besetzung Tibets, während der Präsident des chinesischen Organisationskomitees, Liu Qi, eine Rede hielt. Polizisten brachten den Mann von dem Gelände.

Ein zweiter Tibeter wurde in der Kleinstadt von Olympia festgenommen, als er in englischer Sprache antichinesische Parolen skandierte, berichtete der griechische Rundfunk weiter. Nach einem Fackellauf durch Griechenland wird das Olympische Feuer am 30. März in Athen an die chinesischen Organisatoren übergeben. Das Feuer wird am 31. März in Peking sein.

Chinas Regierung lässt konkrete Fragen ausländischer Medien über Zwischenfälle in Tibet weiter unbeantwortet.

Zwar lud das Polizeiministerium heute in Peking zu einer außergewöhnlichen Pressekonferenz ein, doch weigerte sich die Sprecherin Shan Huimin dann, die Fragen der Journalisten zu den Unruhen in Tibet zu beantworten.

Nachdem sie einen Text über zwei Fälle von Brandstiftung durch randalierende Tibeter vorgelesen hatte, verließ sie nach rund zehn Minuten wieder den Saal. Den in- und ausländischen Journalisten war zuvor ein Video mit größtenteils bekannten Fernsehberichten über zwei Brände am 14. und 15. März in Tibet gezeigt worden, bei denen insgesamt zehn Menschen ums Leben gekommen waren, darunter ein acht Monate altes Baby.

Es seien fünf Verdächtige festgenommen worden. Schon bei vorausgegangenen Pressekonferenzen im Außenministerium waren diese Woche wiederholte Fragen wie etwa nach der Zahl der getöteten Tibeter oder über blutige Zwischenfälle an bestimmten Orten nicht beantwortet worden.

Gleichzeitig kritisierten amtliche Medien westliche Berichte über die Unruhen und forderten die ausländischen Berichterstatter auf, „sich an die Fakten zu halten“. Reisen in die Unruhegebiete sind Journalisten untersagt. Bei den schwersten Ausschreitungen in Lhasa seit zwei Jahrzehnten waren am 14. März nach offiziellen Angaben 19 Menschen gestorben. Die Sprecherin des Polizeiministeriums wiederholte lediglich offizielle Verlautbarungen, wonach die Polizei in Lhasa während der Unruhen Zurückhaltung geübt und keine tödlichen Waffen benutzt habe.

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