Untersuchungsergebnisse: Schweizer Experten gehen von Vergiftung Arafats aus

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Untersuchungsergebnisse: Schweizer Experten gehen von Vergiftung Arafats aus

Der frühere Palästinenserführer Jassir Arafat ist 2004 möglicherweise doch einem Giftmord zum Opfer gefallen. Darauf zumindest deuten Untersuchungsergebnisse Schweizer Experten hin.

Die meisten Palästinenser sind seit dem Tod des früheren PLO-Chefs Jassir Arafat 2004 felsenfest davon überzeugt, dass er vergiftet wurde. Und zwar von den Israelis. Letztere Behauptung ist reine Spekulation. Aber zumindest für den Verdacht des Giftmordes gibt es jetzt einen handfesten Hinweis: Schweizer Experten fanden an Proben Arafats eine 18-mal höhere Konzentration an Polonium als normal, berichten übereinstimmend der TV-Sender Al-Dschasira und der britische „Guardian“. Die Proben waren bei einer Exhumierung vor knapp einem Jahr in Ramallah entnommen worden. Al-Dschasira zitierte Arafats Witwe Suha mit den Worten: „Dies ist das Verbrechen des Jahrhunderts“.
Allerdings haben russische Experten, die ebenfalls Proben entnommen und untersucht hatten, mitgeteilt, der im Alter von 75 Jahren in einem französischen Militärhospital gestorbene Arafat sei auf keinen Fall mit Polonium vergiftet worden. Ein drittes Gutachten aus Frankreich steht noch aus.
Die Schweizer hatten die ganze Aktion mit Untersuchungen von persönlichen Gegenständen Arafats ins Rollen gebracht. Experten des Institut de radiophysique der Universitätsklinik in Lausanne fanden im Juli 2012 erhöhte Werte des radioaktiven Stoffes Polonium unter anderem an Arafats Unterhose. Mit derselben Substanz war der frühere KGB-Agent Alexander Litwinenko 2006 in London vergiftet worden.
Die Exhumierung des Palästinenserführers, der oft mit dunkler Sonnenbrille und olivgrüner Militäruniform auftrat, war nicht unumstritten. Arafat ist in der Erinnerung vieler Palästinenser seit seinem Tod fast zu einem Volksheiligen aufgestiegen. Auch die mögliche Verletzung religiöser Gefühle verzögerte die Erlaubnis zur Graböffnung immer wieder.

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Eine Strafanzeige Suhas in Frankreich wegen Giftmordes machte die Entscheidung nicht einfacher, weil die Exhumierung daraufhin auch noch mit den französischen Ermittlungsbehörden abgestimmt werden musste.
Der französische Strahlenmediziner Roland Masse gab sich skeptisch. Es sei „absolut unmöglich“, dass Arafat mit Polonium-210 vergiftet worden sei, sagte er im vergangenen Jahr. Das hätte kein Arzt damals übersehen können, meinte der Mitarbeiter des Krankenhauses bei Paris, in dem Arafat starb.
Der prominenteste Anhänger der Giftmordtheorie war seit jeher Arafats Neffe Nasser Kudwa. Kudwa, Mitglied der Fatah-Führung und Leiter des Arafat-Instituts in Ramallah, ist überzeugt, dass es auch ohne die Untersuchungen erdrückende Beweise für eine Vergiftung seines Onkels durch Israel gebe. Deshalb sei es gar nicht nötig gewesen, Arafats Grab anzutasten. Viel wichtiger findet er, Israel für Arafats Ableben zur Rechenschaft zu ziehen. Die Israelis haben jedoch stets dementiert, irgendetwas mit dem Tod ihres langjährigen Gegners zu tun zu haben.
Gründe, den alternden Patriarchen und Palästinenserpräsidenten vorzeitig ins Jenseits zu befördern, könnten indes auch andere gehabt haben. Die Intrigen innerhalb der Palästinenser lassen viel Raum für Verschwörungstheorien. Mit seinem autoritären Führungsstil aus der Guerilla-Zeit hat sich Arafat, der auch mal einen Minister ohrfeigte und einen Sicherheitschef mit vorgehaltener Pistole entließ, wohl nicht nur Freunde gemacht. Zudem wucherte unter seiner Führung die Korruption und Hilfsmillionen wurden nicht nur in Aufbauprojekte, sondern auch auf Konten in fernen Steuerparadiesen gelenkt.

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