US-Atompläne : Amerikaner kaufen Jodtabletten

US-Atompläne : Amerikaner kaufen Jodtabletten

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Gregory Jaczko, Chef der U.S. Nuclear Regulatory Commission

von Angela Hennersdorf

Die USA betreiben weltweit die meisten Atomanlagen. Von den 104 Atommeilern im Land befinden sich viele in erdbebengefährdeten Gebieten. Weitere Meiler sollen trotz der Katastrophe in Japan gebaut werden. Eine energiepolitische Wende ist in den USA nicht in Sicht. Besorgte Amerikaner kaufen vorsorglich Jodtabletten.

Die US-Atomkontrollbehörde hält es für "sehr unwahrscheinlich", dass schädliche radioaktive Strahlung von Japan nach Hawaii oder auf das US-Festland gelangen könne.

Aber wer weiß das schon alles so genau. Die Amerikaner jedenfalls sind besorgt. Sie kaufen Jodpillen, um sich vor befürchteten Folgen der Reaktorunfälle in Japan zu schützen. Die Tabletten des führenden Herstellers in den USA, Anbex, seien mittlerweile vergriffen. "Diejenigen, die keine Jodtabletten mehr bekommen, brechen in Tränen aus", sagte Anbex-Chef Alan Morris. 

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Anders als die deutsche Regierung, sieht die US-Regierung in Washington keinen Grund, ihre Atommeiler vorübergehend stillzulegen. Die Atomlobby in den USA warnte vor "verfrühten Schlüssen". Nukleare Energie bleibe "ein Teil der Gesamtenergiepläne" von Präsident Barack Obama, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Canrey.

Die meisten Atomanlagen in den USA sind über 40 Jahre alt

Die bestehenden 104 Atommeiler in 31 US-Bundesstaaten liefern ein Fünftel des US-Stroms. Bis 2020 sollen zwischen vier und acht weitere Atomkraftwerke gebaut werden. Den heimischen Markt teilen sich die Konzerne General Electric (USA), Hitachi (Japan/USA) und Westinghouse (USA).

Im Haushaltsplan 2012 sind rund 55 Milliarden US-Dollar in Form von Kreditgarantien für den Bau neuer Atomkraftwerke eingeplant. Obama setzt auf einen breiten Energiemix. Die Atomenergie spielt dabei eine entscheidende Rolle – einmal um Klimaziele zu erreichen, zum anderen um die Abhängigkeit des Landes vom immer teurer werdenden Rohstoff  Öl zu reduzieren.

Die Atomlobby in den USA gibt sich sorglos, obwohl die meisten der Anlagen in den USA über 40 Jahre alt sind: „Alle unsere Atomkraftwerke sind so angelegt, dass sie bedeutenden Naturphänomenen standhalten können“,  sagte der Chef der US-Atomkontrollbehörde, Gregory Jaczko.

"Ernste Warnnung von Japan"

Stimmen zur Vorsicht vor der Atomenergie werden dennoch auch in den Vereinigten Staaten lauter. So fordert etwa der demokratische Kongress-Abgeordnete Ed Markey eine energiepolitische Wende in den USA: „Diese Katastrophe offenbart die Anfälligkeit von Atomkraftwerken wie die potenziellen Konsequenzen von Strahlenfreisetzung durch Erdbeben. Wir haben eine sehr ernste Warnung von Japan erhalten."

Der einflussreiche US-Senator Joe Liebermann empfahl, die USA sollten auf die Bremse treten bei den Plänen für weitere Nuklearanlagen. 23 Atommeiler in den USA seien nach ähnlichen Plänen gebaut wie in Fukusima. „Viele dieser Anlagen sind veraltet und sollten ersetzt werden“, sagte Marin Katusa, Analyst von Casey Research in Phoenix. „Aber die Kosten dafür sind sehr hoch.“ 

Die Baugenehmigungen für zunächst zwei neue Reaktoren der Betreiber Southern und Scana in den USA steht im vierten Quartal an. US-Energieminister Steven Chu sagte, die Anträge würden in einem langen und sorgfältigen Prozess geprüft. Er sprach sich gegen einen Aufschub der Baugenehmigungen aus.

Seit mehr als 20 Jahren hat es keine Baugenehmigung mehr für neue Meiler in den USA gegeben. Auslöser für den Stopp neuer Atomkraftwerke war der Nuklearunfall im US-Meiler Three Miles Island im Bundesstaat Pennsylvania nahe Harrisburg im Jahre 1979.

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