US-Luftangriffe: Stillstand im Krieg gegen den IS

ThemaNaher Osten

US-Luftangriffe: Stillstand im Krieg gegen den IS

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Ein Ausblick auf den Konflikt mit dem IS.

von Niklas Dummer

Seit einem Jahr bombardiert die Anti-IS-Koalition Stellungen des Islamischen Staats. Geschlagen scheint die Terrororganisation noch lange nicht. Zwei Gründe sind dafür entscheidend.

Das schwarz-weiße, verwackelte Bild einer Straße ist zu sehen. Einen Moment später ein weißes Aufblitzen, eine weiße Wolke, die aufsteigt, sich langsam schwarz verfärbt, verschwindet.

Diese Aufnahme veröffentlichte das US-Verteidigungsministerium. Zu sehen ist darauf, wie US-Amerikanische F-18-Kampfjets am 8. August 2014 Bomben auf Konvois und Gefechtsstellungen des „Islamischen Staats“ nahe Erbil warfen, der Hauptstadt der autonomen irakischen Region Kurdistan. Der IS stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor den Toren Erbils. Ein Massaker drohte. 40.000 Jesiden waren in Gefahr, genauso wie US-Bürger vor Ort.

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Aus welchen europäischen Ländern radikale Islamisten kommen

  • Quelle

    Das "International Centre for Study of Radicalisation and Political Violence" (ICSR) hat in Kooperation mit der Münchener Sicherheitskonferenz für 50 Länder ausgewertet, wie viele Bürger aus den jeweiligen Staaten nach Syrien oder in den Irak gezogen sind, um sich militanten Gruppen anzuschließen. Die Daten für die einzelnen Länder beziehen sich auf die zweite Hälfte des Jahres 2014. Aus Westeuropa – so wird geschätzt – sind mittlerweile 4000 Kämpfer vor Ort. Ende 2013 waren es nicht einmal halb so viele. Geordnet werden die Länder nach der Anzahl der Kämpfer pro eine Million Einwohner.

  • Italien

    Circa 80 Kämpfer im Irak und in Syrien stammen aus Italien. Das macht 1,5 Kämpfer pro eine Million Einwohner.

  • Spanien

    Zwischen 50 und 100 Spanier haben sich militanten Gruppen angeschlossen. Auf eine Million Einwohner kommen damit rund zwei Kämpfer.

  • Schweiz

    Das ICSR schätzt die Zahl der Schweizer Kämpfer auf 40. Damit sind fünf Schweizer pro eine Million Einwohner nach Syrien oder in den Irak gezogen.

  • Irland

    Aus Irland stammen rund 30 Kämpfer. Das entspricht sieben pro eine Million Iren, die sich militanten Gruppen angeschlossen haben.

  • Deutschland

    Aus Deutschland kommen 500 bis 600 Menschen, die in Syrien und im Irak kämpfen. Damit gehört das Land zu der Gruppe europäischer Länder, aus denen insgesamt die meisten stammen. Pro eine Million Einwohner macht das 7,5.

  • Großbritannien

    Die gleiche Zahl an Kämpfern, 500 bis 600, stammt aus Großbritannien. Auf die Zahl der Einwohner heruntergerechnet sind es 9,5 pro eine Million.

  • Norwegen

    60 Menschen, die im Irak oder in Syrien kämpfen, kommen aus Norwegen. Auf eine Million Einwohner heruntergerechnet, sind das zwölf Kämpfer.

  • Finnland

    Für Finnland schätzt das ICSR die Zahl derer, die nach Syrien oder in den Irak gezogen sind, auf 50 bis 70. Das entspricht 13 Kämpfern pro eine Million Einwohner.

  • Niederlande

    Die Zahl der Niederländer, die in den Krieg gezogen sind, liegt zwischen 200 und 250. Heruntergerechnet auf eine Million Einwohner sind das 14,5 Kämpfer.

  • Österreich

    Aus Österreich ziehen zwischen 100 und 150 Radikale nach Syrien oder in den Irak. Pro eine Million Einwohner sind das 17.

  • Frankreich

    1200 Kämpfer im Irak und in Syrien stammen aus Frankreich. Damit kommen die meisten Europäer dort aus Frankreich. Weltweit kommen nur aus Jordanien, Marokko, Saudi-Arabien und Tunesien mehr. Auf eine Million Einwohner heruntergerechnet macht das 18.

  • Schweden

    Zwischen 150 und 180 Schweden kämpfen als Extremisten. Pro eine Million Einwohner sind das 19.

  • Dänemark

    Dänemark gehört zu den Ländern mit einem der größten Probleme, was radikale Islamisten angeht. Zwischen 100 und 150 Dänen sind nach Syrien oder in den Irak gezogen, um zu kämpfen. Das entspricht 27 Kämpfern pro eine Million Einwohner.

  • Belgien

    Pro eine Million Einwohner in Belgien sind 40 in den Irak oder nach Syrien gezogen. Insgesamt sind es 440.

Einen Tag zuvor hatte US-Präsident Barack Obama verkündet, in den Kampf gegen den IS einzugreifen. Dank der US-Luftangriffe konnte Erbil verteidigt, ein Massaker abgewendet werden. Trotzdem ist die Bilanz des auf drei Jahre angelegten US-Einsatzes im Irak und in Syrien nach einem Jahr und rund 5000 Luftangriffen zwiegespalten.

Territoriale Folgen

„Einerseits konnte dank der Luftangriffe verhindert werden, dass der IS in Syrien und im Irak durchmarschiert“, sagt Christian Hacke, Politikwissenschaftler an der Universität Bonn und Experte für die amerikanische Außenpolitik.

Neben Erbil konnte die im September 2014 in die Hände der Dschihadisten gefallene syrische Stadt Kobane von den kurdischen Peschmerga-Kräften zurückerobert werden. Ein entscheidender Faktor sei die Luftnahunterstützung der Amerikaner gewesen.

Getötete und gefangen genommene Top-Terroristen

  • Abu Sajjaf, Mai 2015

    US-Eliteeinheiten töten nach Pentagon-Angaben einen ranghohen Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien. Der Mann mit dem Kampfnamen Abu Sajjaf sei für Öl-, Gas- und andere finanzielle Operationen des IS zuständig gewesen.

  • Aden Garer, März 2015

    Aden Garer, März 2015: Bei einem US-Drohnenangriff in Somalia wird der mutmaßliche Drahtzieher der Terrorattacke auf das kenianische Einkaufszentrum Westgate, ein Mitglied der radikalislamischen Al-Shabaab-Miliz, getötet.

  • Ahmed Abdi Godane, September 2014

    Der Anführer der Al-Shabaab-Miliz stirbt infolge eines gezielten amerikanischen Raketen-Angriffs in Somalia.

  • Ahmed Abdul Chattala, Juni 2014

    Der Führer der libyschen Islamistengruppe Ansar al-Scharia wird fast zwei Jahre nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi als mutmaßlicher Drahtzieher des Anschlags von einem US-Kommando gefasst.

  • Abu Anas Al-Libi, Oktober 2013

    Ein US-Kommando überwältigt den als Spitzenmann der Al-Kaida gesuchten Libyer vor seinem Haus in der Hauptstadt Tripolis. Er wurde im Zusammenhang mit den Angriffen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 gesucht. Er stirbt im Januar 2015 kurz vor Beginn seines Prozesse in New York.

  • Osama bin Laden, Mai 2011

    Nach fast zehnjähriger Jagd erschießen US-Elitesoldaten bei einer Kommandoaktion in der pakistanischen Stadt Abbottabad den meistgesuchten Terroristen der Welt.

„Andererseits scheinen die Kampfkraft und die Attraktivität des IS ungebrochen“, so Hacke. Obwohl die Amerikaner Kommandoanlagen, Rückzugsräumte und Nachschublinien im gesamten IS-Gebiet bombardierten, konnte der IS jüngst strategisch wichtige Gebietsgewinne vermelden.

So eroberten die Dschihadisten die irakische Stadt Ramadi und die syrische Stadt Palmyra – beides sind wichtige Posten für den IS. Laut Angaben der Organisation für Menschenrechte in Syrien hält der IS bis heute die Hälfte Syriens (auch wenn davon große Teile Wüstengebiete sind und der IS de facto nur zwischen zehn und 15 Prozent der besiedelten Gebiete besetzt hat) und den Norden des Iraks – darunter die Millionenstadt Mosul und das Sinja-Gebiet.

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