US-Notenbank: Die stumpfen Waffen des Ben Bernanke

KommentarUS-Notenbank: Die stumpfen Waffen des Ben Bernanke

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US-Finanzminister Timothy Geithner (rechts) hört US-Notenbankpräsident Ben Bernanke zu

von Angela Hennersdorf

Fed-Chef Ben Bernanke belässt den Leitzins auf einem historischen Niedrigst-Niveau. Klarer könnte die Botschaft der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nicht sein: Eine Erholung der US-Konjunktur ist nicht in Sicht – es droht eine weitere Rezession.

Mit einer langfristigen Null-Zinspolitik hofft Fed-Chef Bernanke dem Abflauen der Konjunkturerholung und einer weiteren Rezession entgegenzuwirken. Bis mindestens Mitte 2013 will die US-Notenbank den Leitzins quasi bei Null belassen. Dabei blieb offen, ob und gegebenenfalls wann die Notenbank weitere Milliarden für neue Staatsanleihenkäufe ausgeben könnte. Seit Ende Dezember 2008 liegt der US-Leitzins auf einem Tiefstand zwischen null und 0,25 Prozent. Es war zwar erwartet worden, dass der Zinssatz weiterhin unverändert bleibt, aber zum ersten Mal äußerste sich die Fed präzise zu einem Zeitraum. Und damit wird klar, welch düsteres Bild die US-Notenbank von den Aussichten der US-Wirtschaft zeichnet. Langsamer als erwartet würde die US-Wirtschaft wachsen und die Risiken für die Wirtschaft hätten sich jüngst sogar noch erhöht, so Fed-Chef Bernanke. Klarer kann er ja schon nicht mehr ausdrücken, dass der Weltkonjunktur eine neue Rezession bevorsteht.

Die US-Notenbank erwartet für die nächsten Quartale ein gar noch niedrigeres Tempo der Erholung der US-Konjunktur als noch in der vergangenen Fed-Sitzung im Juni angenommen. Das Wachstum in Amerika hatte im zweiten Quartal lediglich um enttäuschende 1,3 Prozent zugelegt. Vor allem die niedrigeren Konsumausgaben der Haushalte nannte die Fed als belastende Faktoren. Die Inflation mache ihr gegenwärtig weniger Sorge. Schließlich hätten die Energiepreise sogar nach einem Hoch zum Jahresbeginn nachgegeben.

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Wall Street beflügelt

Ziemlich stumpf sind die geldpolitischen Waffen der Fed. Denn genützt haben die expansive Geldpolitik und die Null-Zinspolitik der US-Notenbank in den vergangenen zwei Jahren der US-Konjunktur nicht. Womöglich haben sie Schlimmeres verhindert. Aber, die US-Wirtschaft springt nicht an, die Arbeitslosigkeit in den USA bleibt hoch, die Konsumenten halten sich zurück.

Noch schrecken die obersten amerikanischen Währungshüter zwar vor einem neuen milliardenschweren Aufkaufprogramm von US-Staatsanleihen zurück. Aber das Sitzungskomitee der Bank habe über "weitere Maßnahmen“ gesprochen, um zur Erholung der Wirtschaft beizutragen, hieß es nach dem Treffen in Washington gestern. Welche das sein könnten, ließen die obersten Banker allerdings offen. In Washington wird damit gerechnet, dass die Fed frühestens auf der geldpolitischen Tagung in Jackson Hole Ende August genauer Stellung bezieht, wie die zukünftige Geldpolitik der USA aussehen wird im Angesicht der miserablen Konjunkturlage. Die Wall Street reagierte sofort auf die Ankündigung der US-Notenbank, die Zinsen weiterhin extrem niedrig zu belassen. Zunächst fielen die Kurse deutlich, konnten sich danach aber die zum Handelsstart erzielten Gewinne fast wieder aufholen. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von 3,98 Prozent auf 11 239,77 Punkten. Der S&P 500 stieg um 4,74 Prozent auf 1172,52 Punkte und auch die Nasdaq-Indizes legten zu.

Sicherer Hafen US-Staatsanleihen

Nach der Entscheidung der US-Notenbank waren vor allem US-Staatsanleihen gefragt. Sie gelten offenbar immer noch als sichere Zuflucht – obwohl die Ratingagentur Standards & Poor’s am vergangenen Wochenende die Top-Bonität der USA zum ersten Mal herabgestuft hat  - mit negativem Ausblick.

Die zehnjährigen Bonds legten um 41/32 auf 108-13/32 zu. Die Rendite sank auf 2,170 Prozent. Kurzzeitig lagen die Zinserträge sogar unter dem Tiefpunkt, der in der Finanzkrise erreicht wurde. Die 30-jährigen Papiere kletterten um 64/32 auf 115-00/32 und rentierten mit 3,559 Prozent. "Das Problem Amerikas ist nicht der Verlust unserer Top-Bonität“, sagte Josh Feinman, Chef-Ökonom Vermögensverwaltung bei DB Advisors in New York. "Das Problem ist unser schwaches Wachstum und die nachlassende Nachfrage.“ Ob die FED für mehr Wachstum sorgt, in dem sie wieder mehr Geld in die Wirtschaft pumpt, bleibt höchst fraglich.

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