US-Notenbank: Doppelter Exit

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US-Notenbank: Doppelter Exit

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Amtsmüde US-Notenbankchef Bernanke hat die Märkte mit Geld geflutet wie kein anderer

von Angela Hennersdorf und Malte Fischer

Die Fed erwägt den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik. Zugleich nehmen die Zeichen für den Abschied des Chefs Ben Bernanke zu. Wer führt die Zentralbank künftig in dieser schwierigen Zeit?

Gebannt blickten die Finanzmärkte Mitte vergangener Woche nach Washington, wo die Notenbank Fed über die Geldpolitik beriet. Von den Ausführungen des Fed- Vorsitzenden Ben Bernanke erhofften sich Beobachter Aufschluss darüber, wann die US-Notenbank den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal nimmt. Ende Mai hatte Bernanke vor dem US-Kongress bereits angedeutet, auf einer der nächsten Sitzungen des Offenmarktausschusses der Zentralbank könne sie – je nach Konjunkturverlauf – ihr Anleihenkaufprogramm von monatlich 85 Milliarden Dollar zurückfahren.

Seither ließ die Unsicherheit, wie es mit der US-Geldpolitik weitergeht, die Kurse an den Weltbörsen Achterbahn fahren. Doch die Erklärung vom Mittwoch brachte nicht die erhoffte Klarheit. Die Fed sei bereit, den Umfang ihrer Anleihenkäufe zu ändern, wenn die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und bei der Inflation dies erforderten, schrieben die Notenbanker.

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Experten rechnen damit, dass die Fed im Herbst beginnt, ihre Anleihenkäufe zu verringern – und sie Mitte nächsten Jahres einstellt. Den Leitzins von faktisch null Prozent dürfte sie hingegen erst anheben, wenn die Arbeitslosenquote auf die Marke von 6,5 Prozent gesunken ist (derzeit: 7,6 Prozent) oder die Inflationsprognose über 2,5 Prozent hinausgeht. Den Bestand an Wertpapieren, den die Fed in ihrer Bilanz hält, könnte sie abschmelzen, wenn die Papiere auslaufen. Was sich in der Theorie so einfach anhört, dürfte in der Praxis gewaltige Probleme bereiten. Vor allem, wenn die Inflation früher anzieht als erwartet. Denn das Gros der Wertpapiere in der Fed-Bilanz wird erst zwischen 2016 und 2022 fällig. So lange aber kann die Fed nicht warten, wenn die Inflation ins Laufen kommt. Sie müsste dann Wertpapiere aus ihrem Bestand verkaufen, um die überschüssige Liquidität aus dem Bankensektor abzusaugen. Das wird die Kurse auf Talfahrt schicken und die Renditen nach oben treiben. Der Zinsschock könnte die US-Wirtschaft zurück in die Rezession werfen.

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Der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik gleicht daher einem Drahtseilakt. Und ob es Bernanke sein wird, der ihn versucht, ist fraglich. Schon seit Längerem spekulieren Beobachter, der Fed-Chef könne am Ende seiner regulären Amtszeit im Januar 2014 die Kommandobrücke in Washington verlassen. Äußerungen von US-Präsident Barack Obama, Bernanke sei länger im Amt geblieben, als er wollte oder von ihm erwartet wurde, heizten die Gerüchte in der vergangenen Woche zusätzlich an.

Zeichen von Amtsmüdigkeit lässt der Fed-Chef längst erkennen. Er sei nicht der Einzige, der einen Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm gestalten könne, sagte er im Frühjahr. Zum jährlichen Zentralbankertreffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming im August hat er sich schon gar nicht mehr angemeldet. Als lahme Begründung führt er „persönliche Terminschwierigkeiten“ an. Kein Fed-Chef hat in den vergangenen 25 Jahren dieses wichtige Treffen verpasst.

Unter Bernanke haben sich die Finanzmärkte an eine wahre Geldflut gewöhnt. Nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 begann Bernanke, durch den Ankauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren Tausende von Milliarden Dollar in das Bankensystem zu pumpen. Die Bilanzsumme der Fed schwoll von 900 Milliarden auf 3400 Milliarden Dollar an. Bernanke setzte um, was er in einer Rede im Jahr 2002 bereits angedeutet hatte: Um Krisen und Deflation zu bekämpfen, könne die Fed notfalls unbeschränkt Geld drucken und dieses „per Hubschrauber“ auf die Bevölkerung herabregnen lassen, erklärte er damals. Seither trägt er in Finanzkreisen den Spitznamen Helikopter-Ben.

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