US-Notenbank: Fed auf Abwegen

kolumneUS-Notenbank: Fed auf Abwegen

Kolumne von Malte Fischer

Die US-Notenbank will die Leitzinsen frühestens Ende 2014 erhöhen. Die Hoffnung dahinter: die Zinsentwicklungen am Kapitalmarkt steuern. Es ist ein Vorhaben mit unkalkulierbaren Risiken.

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Fed-Chef Ben Bernanke

Mit großer Spannung blickten die Teilnehmer an den Finanzmärkten vergangene Woche nach Washington, wo die US-Notenbank eine neue Strategie angekündigt hatte. Um die Transparenz ihrer Entscheidungen zu erhöhen, beschlossen die Währungshüter um Fed-Chef Ben Bernanke, neben ihren üblichen quartalsweisen Prognosen zu Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit und Inflation von nun an auch Prognosen zu den Leitzinsen zu veröffentlichen. Ziel ist es, die Erwartungen der Marktteilnehmer und damit die Zinsentwicklung am Kapitalmarkt zu steuern. Gemessen daran war die Aktion ein Erfolg. Kaum hatten die Notenbanker erklärt, sie planten die erste Leitzinserhöhung frühestens für Ende 2014, sanken die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen um mehrere Basispunkte auf unter zwei Prozent.

Fünf der 17 Mitglieder im Offenmarktausschuss der Fed hatten sich dafür ausgesprochen, die Leitzinsen frühestens 2014 zu erhöhen, vier Mitglieder wollen damit bis 2015 warten, zwei sogar bis 2016. Nur sechs Mitglieder sprachen sich für Zinserhöhungen bereits in diesem oder dem nächsten Jahr aus. Zur Begründung der langen Phase niedriger Leitzinsen verwiesen die Währungshüter auf die mauen Wachstumsaussichten und die hohe Arbeitslosigkeit.

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Douglas Holtz-Eakin Riesige Probleme

Der US-Ökonom kritisiert die amerikanische Notenbank - und fordert radikale Sparmaßnahmen.  

Douglas Holtz-Eakin, Präsident des konservativ-liberalen Thinkttanks American Action Forum. Quelle: REUTERS

Die Freude der Märkte über das billige Geld sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Politik der Fed große Risiken birgt. Erstens droht die Notenbank zur Gefangenen ihrer eigenen Strategie zu werden. Zwar betont Bernanke, dass die Leitzinsprognosen lediglich bedingte Vorhersagen seien, die die Fed jederzeit ändern könne, wenn die Rahmenbedingungen es erforderten. Dennoch könnten die Märkte daraus ein Versprechen ableiten. Aus Sorge, durch vorzeitige Zinserhöhungen Turbulenzen an den Börsen auszulösen, dürften die Notenbanker daher dazu neigen, länger als stabilitätspolitisch vertretbar an niedrigen Zinsen festzuhalten.

Zweitens wird es der Fed kaum gelingen, durch noch niedrigere Kapitalmarktzinsen die Konjunktur anzukurbeln. Schon jetzt sind die Zinsen in allen Laufzeiten extrem niedrig, keine sinnvolle Investition scheitert daher an zu hohen Geldbeschaffungskosten. Vielmehr ist das Risiko hoch, dass die Fed mit ihrer künstlichen Zinsdrückerei ineffiziente Projekte rentabel erscheinen lässt. Fehlinvestitionen wären die Folge. Drittens droht die Niedrigzinspolitik erneut Carry-Trades in die Schwellenländer auszulösen, sobald sich die Bankenkrise entschärft hat. Um ihre Währungen vor Aufwertung zu schützen, werden die Notenbanken der Schwellenländer dann am Devisenmarkt intervenieren. Das erhöht die Geldmenge und treibt die Inflation in die Höhe, die über höhere Importpreise auf die Industrieländer zurückschlägt. Angesichts dieser Risiken sollte die Fed ihre Strategie noch einmal überdenken. Nicht jede Innovation ist sinnvoll.

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