US-Notenbank: Fed spielt bei Zinswende auf Zeit

US-Notenbank: Fed spielt bei Zinswende auf Zeit

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Fed-Chefin Janet Yellen hat nach einer zweitägigen Sitzung keine konkreten Hinweise auf den Zeitpunkt für die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise gegeben.

Fed lässt das Timing für die Zinswende offen und so die Märkte weiter im Dunklen. Fest steht nur: Die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise zieht sich hin. Wie lange, darüber kann nur spekuliert werden.

So mancher Anleger könnte vor sechs Wochen geglaubt haben, den nebulösen Code der Federal Reserve geknackt zu haben. Als die US-Notenbank im März erklärte, zumindest bis zur nächsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses im April nicht am faktischen Nullzins rütteln zu wollen, regnete es Spekulationen. Das viel beachtete Wörtchen „geduldig“ wurde aus dem Wortlaut gestrichen, und schließlich konnte man glauben: Die Leitzinserhöhung kommt bei der Sitzung im Juni - oder in den Monaten darauf.

Nun geht das Stochern im Nebel weiter. Statt konkreter Hinweise auf den Zeitpunkt der Zinswende haben sich die Währungshüter nach Ende ihrer zweitägigen Sitzung am Mittwoch von konkreten Zeitangaben wieder verabschiedet. Eine Erhöhung des historisch niedrigen Leitzinses, der seit Ende 2008 zwischen null und 0,25 Prozent liegt, sei erst bei einer „weiteren Verbesserung des Arbeitsmarktes“ angemessen. Zudem liege die Inflation weiter unter der gesetzten Zielmarke von zwei Prozent.

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Der Juni scheint damit als Termin vom Tisch, denn von einer robusten Erholung ist die weltgrößte Volkswirtschaft noch ein gutes Stück entfernt. Im Herbst hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwar noch um hochgerechnete 5 Prozent zugelegt, doch im vierten Quartal sackte das Wachstum auf 2,2 Prozent ab. „Das wirtschaftliche Wachstum hat sich in den Wintermonaten verlangsamt“, heißt es auch in der Fed-Mitteilung. Der strenge Winter und der starke Dollar sorgten für weitere Bremsspuren: Das Wachstum von 0,2 Prozent im ersten Quartal 2015 kommt praktisch einem Stillstand gleich.

Zwangsläufig richten sich nun alle Augen auf die Sitzung am 17. September, denn beim Treffen im Juli ist keine anschließende Pressekonferenz geplant und eine Sitzung im August findet nicht statt. Dass der Leitzins nach inzwischen 77-monatigem Tiefstand angehoben wird, ohne dass Fed-Chefin Janet Yellen sich den Fragen von Journalisten stellt, scheint zweifelhaft. An den Märkten wird die Zinswende ohnehin erst für Ende 2015 erwartet.

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Nur wenn die amerikanische Wirtschaft zur Aufholjagd ansetzt, die BIP-Schätzung nach oben revidiert wird und auch die Arbeitslosigkeit von derzeit 5,5 Prozent weiter sinkt, könnte die Fed schon früher ernsthaft über eine Abkehr von ihrer Geldpolitik nachdenken. Der niedrige Ölpreis und der die Exporte verteuernden starke Dollar dürften die Aussichten aber weiter trüben. Auch deshalb sprechen die Notenbanker in ihrem Statement von einem abgeschwächten Wachstum, das nur „teilweise auf vorübergehende Faktoren“ zurückzuführen sei.

Als Lichtblick bleibt, dass sich das Szenario von 2014 dieses Jahr wiederholen könnte: Nach einem schleppendem Wachstum in einem ungewöhnlich harten Winter feierte die Wirtschaft im zweiten und dritten Quartal ein Comeback. „Der Ausschuss erwartet weiterhin, (...) dass die Wirtschaftsaktivität in moderatem Tempo zunehmen wird“, schreiben die Währungshüter.

Das Ende der Billiggeld-Ära einzuläuten, bleibt ein Drahtseilakt. Überstürzte Marktreaktionen will die 68-jährige Yellen genauso verhindern wie ausbleibende Investitionen von Unternehmen oder Dämpfer am Immobilienmarkt durch steigende Kreditkosten. Dass die Fed der US-Wirtschaft die Stützräder irgendwann abnimmt, steht außer Frage. Um behutsam vorzugehen, dürfte sie die Zügel nach der ersten Erhöhung aber deutlich langsamer straffen als zuvor. Damit die Märkte sich nicht überrumpelt fühlen, werden die Notenbanker auch in ihren kommenden Sitzungen jedes Wort auf die Goldwaage legen.

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