US-Notenbank: Prügelknabe Bernanke

KommentarUS-Notenbank: Prügelknabe Bernanke

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

von Malte Fischer

Die Diskussion um eine zweite Amtszeit von Ben Bernanke zeigt die Unzufriedenheit der Amerikaner mit der Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Doch ein bloßer Wechsel an der Spitze reicht nicht – die wichtigste Notenbank der Welt braucht ein neues geldpolitisches Konzept.

Nur noch wenige Tage, dann läuft die erste Amtszeit von Ben Bernanke an der Spitze der amerikanischen Notenbank Fed ab. Lange sah es so aus, als sei die Wiederernennung eine ausgemachte Sache. Doch jetzt nimmt der Widerstand im Senat gegen Bernanke zu. Ihm wird vorgeworfen, die Fed habe unter seiner Führung in der Bankenaufsicht versagt. Zudem stehe Bernanke der Wall Street nahe und betreibe eine Geldpolitik, die den Banken, nicht aber den Interessen des ganzen Landes diene.  

Das ist starker Tobak. Immerhin ist Bernanke einer der profiliertesten Geldexperten der Welt (vor seiner Ernennung als Gouverneur der Fed 2002 hat Bernanke lange Zeit als Professor für Geld und Währung an mehreren US-Eliteunis geforscht). Zu seiner Verteidigung mag man anführen, er habe das Pech, die Kohlen aus dem Feuer zu holen, die sein Vorgänger Alan Greenspan achtlos hineingeworfen hat.

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So hatte die Fed unter Führung von Greenspan nach dem New-Economy-Crash 2001 aus Angst vor Deflation und Rezession die Leitzinsen drastisch nach unten geschleust und anschließend viel zu lange (bis Mitte 2004) niedrig gelassen. Die damit verbundene massive Liquiditätsausweitung hat Blasen am Kredit- und Immobilienmarkt erzeugt, deren Platzen die Weltwirtschaft dann in die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt hat.

Allerdings kann Bernanke für sich nicht in Anspruch nehmen, an diesen Fehlentscheidungen nicht beteiligt gewesen zu sein. Als Gouverneur der Fed hat er seit 2002 die Entscheidungen unter Greenspan mit getragen - und ist nicht dadurch aufgefallen, dass er vor den Folge der lockeren Geldpolitik gewarnt hat.

Neue Geldpolitik nötig

Erschwerend kommt hinzu, dass Bernanke bis heute nicht einsieht, dass die Fed eine Mitschuld an der Finanzkrise trägt. Die Hartnäckigkeit, mit der er die Vorwürfe von sich weist, hat auch die Teilnehmer auf der Jahrestagung der American Economic Association in Atlanta Anfang Januar erstaunt, wo Bernanke eine vielbeachtete Rede hielt. Die Uneinsichtigkeit hat sicher mit dazu beigetragen, den Widerstand gegen Bernankes zweite Amtszeit im Senat wachsen zu lassen.   

Aber würde mit einem neuen  Fed-Chef alles besser? So einfach ist das leider nicht. Mehr noch als einen neuen Vorsitzenden benötigt die Fed eine neue Geldpolitik. Diese muss auf eine regelgebundene Entscheidungsfindung setzen statt fallweise die Zinsen rauf und runter zu schrauben und sich dabei auf die persönliche Intuition ihres Vorsitzenden zu verlassen (Greenspan hatte die angeblich immer bei der Lektüre von Statistiken in der morgendlichen Badewanne).  

Die Fed wird in Zukunft nicht nur der Entwicklung von Vermögenspreisen (Immobilien, Aktien, Rohstoffe) stärkere Aufmerksamkeit widmen müssen. Sie sollte auch den Kredit- und Geldmengen bei den Zinsentscheidungen stärker Rechnung tragen als bisher. Dann könnten Spekulationsblasen und Finanzkrisen, die auf ein Übermaß an Liquidität zurück zu führen sind, in Zukunft vermieden werden.

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