US-Ökonom Allan Meltzer: "Die Politik des IWF ist fatal"

US-Ökonom Allan Meltzer: "Die Politik des IWF ist fatal"

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Allan Meltzer

von Angela Hennersdorf

Der US-Amerikaner Allan Meltzer fordert einen Kurswechsel beim Internationalen Währungsfonds. Die Washingtoner Behörde soll härtere Auflagen durchsetzen und weniger Kredite verteilen.

WirtschaftsWoche: Herr Meltzer, Dominique Strauss-Kahn ist als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgetreten. Wie geht es nun mit der Organisation weiter? Glauben Sie, dass sich ohne Strauss-Kahn die Rolle des IWF in der Euro-Krise verändert?

Meltzer: Hoffentlich wird der Währungsfonds ohne Strauss-Kahn weniger aggressiv in der Verteilung seiner Mittel, denn das wird höchste Zeit. Seit dieser Sozialist Chef des Währungsfonds war, vergab der IWF leichtfertig Kredite an Länder, in denen absolut keine Aussicht darauf bestand, dass diese jemals zurückgezahlt werden.

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Wäre ohne die Hilfe des IWF das europäische Währungssystem nicht längst zusammengebrochen?

Die Euro-Zone hätte überlebt. Vielleicht wäre Griechenland aus dem Euro ausgetreten, wahrscheinlich aber eher nicht. Die Politik des IWF in der Euro-Krise ist fatal. Haben denn die Zigmilliarden Dollar, die der IWF zur Verfügung gestellt hat, den Griechen wirklich geholfen und die wirtschaftliche Lage des Landes verbessert? Nein. Das ist rausgeschmissenes Geld. Die fundamentalen ökonomischen Probleme des Landes, die zu hohen Schulden und die große Diskrepanz zwischen Lohnniveau und Produktivität, werden doch nicht mit Krediten gelöst.

Was sollte Griechenland Ihrer Ansicht nach tun?

Griechenland hat zwei Möglichkeiten: Entweder muss das Land die Euro-Zone verlassen, oder es muss deflationieren, also die Löhne und Preise senken, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Griechenland noch mehr Geld zu leihen hilft dem Land nicht.

Nun hat der IWF gerade dem nächsten Krisenkandidaten in der Euro-Zone, Portugal, ein üppiges Hilfspaket in Milliardenhöhe zukommen lassen. Wohin führt diese Politik des Währungsfonds?

Diese Politik führt zu der Botschaft: Wer große Fehler macht und versagt, der braucht sich keine Sorgen zu machen, der Steuerzahler wird dafür aufkommen. Man nennt das auch „Moral Hazard“. Ich kritisiere seit Jahren, dass der IWF zwar Bedingungen an die Vergabe von Krediten knüpft, wie zum Beispiel Wirtschaftsreformen einzuleiten, aber diese Bedingungen nicht durchsetzt. Der IWF droht zwar, seine Geldzahlungen zu stoppen. Aber diese Länder wissen alle ganz genau: Ihnen wird schon wieder geholfen.

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