US-Ökonom Vivek Ghosal: "Amerika verliert den Anschluss"

US-Ökonom Vivek Ghosal: "Amerika verliert den Anschluss"

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US-Ökonom Vivek Ghosal

von Angela Hennersdorf

Der US-Ökonom Vivek Ghosal erklärt, warum Innovationen der amerikanischen Wirtschaft nicht mehr weiterhelfen, und führt dieses Phänomen auf Fehler und Versäumnisse im Bildungssystem zurück.

WirtschaftsWoche: Herr Ghosal, Amerika müsse innovativer werden, sagt US-Präsident Barack Obama. Führen mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung aus der Krise?

Ghosal: So einfach ist es nicht. Schauen Sie sich die internationalen Rankings der innovativsten Unternehmen an. US-Konzerne wie Apple, Google, Intel, IBM und Microsoft belegen dort die Spitzenplätze. Auch in der Bio- und Nanotechnologie sind wir führend bei Innovationen. Die USA schneiden in einer neuen Studie der EU-Kommission zum Stand der Forschung und Entwicklung in der Privatwirtschaft besser ab als alle 27 EU-Länder. Wir geben 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung aus – nicht einmal China investiert so viel. Doch innovativ zu sein reicht nicht aus, um die Wirtschaft anzukurbeln.

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Wieso nicht?

Diese innovativen Unternehmen schaffen kaum oder gar keine neuen Arbeitsplätze in Amerika. In welchem Dilemma wir stecken, zeigt ein Beispiel: Zwei junge Forscher aus Boston haben neue LED-Leuchten entwickelt. Sie fragten sich, wo und wie sollen wir unser neues Produkt herstellen? Samsung aus Südkorea bot den beiden an, sich um Herstellung, Marketing und Vertrieb zu kümmern. Der amerikanischen Wirtschaft hat diese Innovation nicht viel gebracht, außer Einnahmen aus Patenten. Was Amerika fehlt, ist ein langfristiges Investment in hoch qualifizierte Fertigungskapazitäten. Wir produzieren kaum noch etwas selbst.

Outsourcing nach Asien – davon sind alle westeuropäischen Länder betroffen.

Richtig. Aber Deutschland zum Beispiel hat es geschafft, auch bei der Fertigung innovativ und damit wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie haben die einfache Massenproduktion ausgelagert, aber im Land geblieben ist vielfach die High-Tech-Fertigung. Die deutschen Konzerne konzentrieren sich auf Qualität, investieren langfristig. Das ist es, was uns in Amerika fehlt.

Woran liegt das?

Es dreht sich bei uns meist nur um eines: Wie verdiene ich mit einem Produkt möglichst schnell Geld? Da sich aber Investments in Qualität oder High-Tech-Produktion oft erst nach Jahren auszahlen, machen das viele US-Unternehmen nicht. Deshalb verliert Amerika den Anschluss an den internationalen Wettbewerb. Wir haben auch nicht in die Ausbildung unserer Facharbeiter investiert, die hochtechnologische Anlagen bedienen könnten. Diese Arbeitsplätze fehlen uns hier.

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