US-Präsidentschaftswahl: Sechs Erkenntnisse aus der TV-Debatte der Republikaner

US-Präsidentschaftswahl: Sechs Erkenntnisse aus der TV-Debatte der Republikaner

Noch ein Jahr bis zur Wahl in den USA: Beim vierten Schaulaufen der Republikaner bleibt der Ton höflich. Den Amerikanern bleibt zu wünschen, dass die verbleibenden sieben Debatten etwas mehr Zunder bieten.

Der einleitende Satz des Moderators brachte die Sache auf den Punkt. „Es hört sich an wie eine Spielshow - ist es aber nicht.“ Gemeint hatte er eigentlich den Klang des Gongs, der das Überschreiten der Redezeit von 90 Sekunden markieren sollte. Doch die vierte TV-Debatte der Republikaner im US-Vorwahlkampf war am Ende vor allem spielerisches Geplänkel mit einem (eher kleinen) Lerneffekt für das Publikum. Sechs Erkenntnisse vom Dienstagabend in Milwaukee:

JEB BUSH braucht ein Erfolgserlebnis - und zwar dringend. Zu bemüht, gekünstelt und viel zu zaghaft hält sich Floridas Ex-Gouverneur am Rednerpult fest. Seinen ersten Versuch, sich in die Diskussion einzuschalten, würgt Ohios Gouverneur John Kasich ab. Beim zweiten Anlauf muss er dann sogar einen Hieb von Spitzenkandidat Donald Trump einstecken: „Sie sollten Jeb sprechen lassen.“ Der kann nur mit einem Witz kontern, der aber nicht ankommt: „Danke Donald, dass Du mich bei der Debatte sprechen lässt. Das ist echt nett von Dir.“

DONALD TRUMP zügelt sich so langsam. Hier und da erntet er noch Lacher für seine bevormundende Art, von den acht Kandidaten ist er an diesem Abend auch mit am angriffslustigsten. Doch als er Kasich mit dem Satz „Ich muss mir diesen Mann nicht anhören“ und Ex-Managerin Carly Fiorina mit der Frage „Warum unterbricht sie immer alle?“ das Wort abschneiden will, wird er vom Publikum eindeutig ausgebuht.

Das ist Jeb Bush

  • Florida statt Texas

    John Ellis Bush ist der jüngere Bruder von George W. Bush. Er wurde 1953 in Texas geboren. Seine politische Heimat aber ist Florida. Als einziger Republikaner schaffte er es, von 1999 bis 2007 im Staat Florida als Gouverneur zwei Amtszeiten lang zu regieren.

  • Glaubhaft in Einwanderungsfragen

    Bush hat mit seiner mexikanischen Frau Columba – die er während eines Schüleraustausches in Mexiko kennenlernte – drei Kinder. Er spricht fließend Spanisch. Aufgrund seines familiären Hintergrunds vertritt er eine liberale Haltung in der Einwanderungs-Debatte. Das könnte ihm nun helfen. Fast jeder fünfte US-Bürger ist hispanischer Abstammung.

  • The eGovernor

    Wie wichtig das Internet im amerikanischen Wahlkampf ist, hat spätestens der 2012er-Wahlkampf von Barack Obama gezeigt. Geht man nur nach den Zahlen bei Twitter hat Jeb Bush mit 168.000 Followern sicherlich noch Luft nach oben. Obama und Hillary Clinton kommen da nämlich  auf mehrere Millionen Anhänger.

    Bush veröffentlicht gerade nach und nach ein E-Book, dass Hunderttausende von E-Mails aus seiner Zeit als Gouverneur enthält, anhand dessen er seine Geschichte als Gouverneur erzählt. Im ersten Kapitel berichtet er, dass sein Nickname, nachdem er seine offizielle Mail-Adresse veröffentliche, „The eGovernor“ war. Allerdings soll er zu dieser Zeit ein privates E-Mail Konto auch für dienstliche Mails benutzt haben. Wegen ähnlichen Vorwürfen stand Hillary Clinton zuvor stark in der Kritik. Bush selbst zählte zu Clintons Kritikern.

  • Alte Sünden

    Aber auch Jeb Bush könnte in einem späteren Wahlkampf über die ein oder andere vergangene Sünde stolpern. Anlässe sind schon jetzt einige gegeben. So gab er zu, Marihuana zu Jugendzeiten geraucht zu haben. Dies ist aber auch von Obama bekannt und hinderte ihn nicht an einem Sieg. Schwerer wirkt, dass seine Tochter 10 Tage ins Gefängnis musste, da sie im Besitz von Kokain gewesen sein soll. Seiner Frau wird vorgeworfen, einen Hang zum teuren Schmuck zu haben und diesen in einem Fall nicht ordnungsgemäß verzollt zu haben.

TED CRUZ tritt in die Fußstapfen seines texanischen Kollegen Rick Perry. Wie der Gouverneur des Südstaats erleidet Texas' Senator Cruz einen äußerst peinlichen TV-Moment: Als er erläutern will, welche fünf Ministerien er zur Kürzung der Staatsausgaben eindampfen würde, fallen ihm nur vier ein - das Handelsministerium zählt er dafür zweimal auf. Perry hatte vor fast genau vier Jahren ebenfalls getönt, welche drei Ministerien er eliminieren wollte, ihm vielen aber nur zwei ein. „Oops“, sagte Perry - und erholte sich davon nicht mehr.

JOHN KASICH geht überraschend stark aus dieser Debatte. Fast jedem Konkurrenten fällt er - erfolgreich - ins Wort, auf fast alles hat er eine Antwort. Selbst Buhrufe und das wiederholte Klingeln der Glocke können ihn nicht stoppen. Und zumindest an diesem Abend scheint es, als könne er es sogar mit dem Spitzenreiter Donald Trump aufnehmen.

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MARCO RUBIO und CARLY FIORINA ziehen mit einstudierten, aber dennoch souverän wirkenden Statements immer wieder die Zuschauer auf ihre Seite. Anders als bei der letzten Debatte vermeidet Rubio die direkte Konfrontation mit Bush. Selbstsicher und immer wieder humorig zeigt sich der Senator aus Florida. Sein Satz des Abends: „Das ist eine hervorragende Frage. Und lassen Sie mich damit anfangen, sie zu beantworten.“ Geschickt webt er auch alte Wahlkampf-Aussagen mit ein.

Und BEN CARSON? Der nutzt die Bühne in Milwaukee erstmal, um einige Vorwürfe der vergangenen Tage zu entkräften - und unterstellt den Medien, Lügen über ihn zu verbreiten. Unter anderem waren Zweifel aufgekommen, ob er wie in seiner Autobiografie behauptet vor vielen Jahren wirklich ein Stipendium der namhaften Militärakademie West Point erhalten zu haben. „Danke, dass Sie mich nicht fragen, was ich in der zehnten Klasse gesagt habe“, antwortete er auf eine der ersten Frage. „Das weiß ich zu schätzen.“

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