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US-Präsidentschaftswahlen: Romney sticht Obama im TV-Duell aus

von Tim Rahmann

US-Präsident Barack Obama hat das erste TV-Duell gegen Mitt Romney verloren. Zwar punktete der Amtsinhaber in der zweiten Hälfte, doch der erste Eindruck zählt bekanntlich. Und der ging bei Obama gründlich schief.

Nur sieben Staaten sind noch offen

Mitt Romney fordert Amtsinhaber Barack Obama am 6. November bei den US-Wahlen aller Voraussicht nach heraus. Ende August wählen die Republikaner offiziell ihren Kandidaten – doch schon jetzt läuft der Wahlkampf auf Hochtouren. Bis zu zwei Milliarden US-Dollar wollen die beiden Lager für Wahlwerbung ausgeben. Dabei steht in vielen Bundesstaaten das Ergebnis so gut wie fest. Glaubt man Umfragen und den Erfahrungen aus den Vorjahren kann Obama mindestens 20 Staaten garantiert für sich holen, darunter die bevölkerungsreichen und stimmgewichtigen Länder Kalifornien, New York, Pennsylvania und Illinois. Der Amtsinhaber käme dadurch allein schon auf 247 der 270 benötigten Wahlmänner.

Romney kann mindestens 23 Staaten holen (vor allem im Süden und im Mittleren Westen), kommt aber – sollten keine weiteren Staaten hinzukommen – nur auf 206 Stimmen. Nur in sieben Staaten – dort geht es um 85 Wahlmänner – ist das Rennen noch offen. In diesen Bundesstaaten werden die US-Wahlen entschieden.

Bild: dapd

Vor der TV-Debatte mit seinem Kontrahenten Mitt Romney witzelte US-Präsident Barack Obama noch. "Gouverneur Romney ist ein sehr guter Debattierer. Ich bin nur okay", behauptete der Amtsinhaber mit ironischem Unterton. Nach dem ersten Fernsehduell vor über 50 Millionen US-Amerikanern dürfte Obama das Lachen vergangen sein. Der Herausforderer machte tatsächlich die bessere Figur - vor allem in den ersten Minuten der Debatte.

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Der Münzwurf entschied, dass Obama den Abend eröffnen und die ersten Antworten zu der Frage, wie in den USA neue Jobs geschaffen werden können, geben durfte. Doch statt das wohl wichtigste Thema der anstehenden Präsidentschaftswahl dankbar aufzugreifen und gleich einen Akzent zu setzen, sprach Obama lieber über seine Ehefrau Michelle, die er heute vor 20 Jahren geheiratet hat.

TV-Duell "Romney zeigte Führungsqualitäten"

Martin Thunert, Dozent und Politikwissenschaftler am Center for American Studies (HCA) der Universität Heidelberg, erklärt warum Mitt Romney das erste TV-Duell gegen Barack Obama gewonnen hat.

TV-Duell: "Romney zeigte Führungsqualitäten"

„Mr. President, ich bin sicher, Sie könnten an Ihrem Hochzeitstag an keinem romantischeren Ort sein als hier – mit mir“, entgegnete Romney und sorgte so für den ersten Lacher. Der Republikaner, der im bisherigen Wahlkampf so viele Fehler machte, nutzte die Gunst der Stunde und attackierte den Präsidenten. Obama sei schuld daran, dass die Benzin- und Lebensmittelpreise gestiegen sind.

Außerdem habe der Regierungschef in der Energiepolitik versagt. Während die Unternehmen mit Hilfe neuer Technologien versuchen würden, Amerika von Energie-Importen unabhängig zu machen, habe der Präsident die Arbeit der Konzerne mit immer neuen Auflagen erschwert. „Ich mag Kohle“, so Romney.

Republican presidential nominee Mitt Romney and President Barack Obama Quelle: dapd
Ein müder, defensiver Barack Obama quält sich durch die erste Fernsehdebatte mit Romney. Der Republikaner wirkte frischer, aggressiver und sicherer als Romney. Quelle: dapd

Der Herausforderer, der in den Umfrage hinter Obama liegt, genoss den Auftakt. Dass es seine letzte große Chance sein würde, die Wahl am 6. November noch einmal spannend zu machen, schien Romney zu beflügeln, statt einzuschüchtern. Er sprach flüssig und akzentuiert und wiederholte Mantra-artig seine Vorwürfe: Obama schade der Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit müssen endlich abgebaut und die Staatsschulden verringert werden. Ganz anders der US-Präsident: Er guckte unsicher, verhaspelte sich und schrieb fleißig mit, was Romney zu sagen hatte. Die Themen-Hoheit lag beim Herausforderer, Obama musste reagieren statt agieren.

Obamas Parteitagsrede

  • Schicksalswahl

    „...wenn alles gesagt und getan ist - wenn Ihr diesen Wahlzettel ...in die Hand nehmt -, dann werdet Ihr es mit der klarsten Wahl...seit Generationen zu tun haben. In den nächsten Jahren werden große Entscheidungen in Washington getroffen werden, über Jobs und die Wirtschaft, Steuern und Defizite, Energie und Bildung, Krieg und Frieden - Entscheidungen, die auf Jahrzehnte hinaus große Auswirkungen auf unser Leben und das Leben unserer Kinder haben werden.“

  • Schicksalswahl II

    „Es wird eine Wahl zwischen zwei verschiedenen Wegen für Amerika sein...Eine Wahl zwischen zwei fundamental verschiedenen Visionen für die Zukunft.“

    „Aber Du musst das wissen, Amerika: Unsere Probleme können gelöst werden. Unsere Herausforderungen können bewältigt werden. Der Weg, den wir bieten, mag härter sein, aber er führt zu einem besseren Ort. Und ich bitte Euch, diese Zukunft zu wählen...“

  • Über die Republikaner

    Unsere Freunde auf dem republikanischen Parteitag waren mehr als glücklich, über alles zu sprechen, das nach ihrer Ansicht falsch läuft mit Amerika. Aber sie haben nicht viel darüber zu sagen gehabt, wie sie es richtig machen würden. Sie wollen Eure Stimme haben, aber sie wollen nicht, dass Ihr ihren Plan kennt. Und das liegt daran, dass alles, was sie zu bieten haben, das gleiche Rezept ist, das sie in den vergangenen 30 Jahren gehabt haben.“

  • Appell an die Geduld

    „Ich will nicht so tun, als ob der Weg, den ich anbiete, schnell oder leicht ist. Das habe ich nie getan. Ihr habt mich nicht gewählt, damit ich Euch sage, was Ihr hören wolltet. Ihr habt mich gewählt, damit ich Euch die Wahrheit sage. Und die Wahrheit ist, es wird für uns mehr als einige wenige Jahre dauern, um die Herausforderungen zu bewältigen, die sich über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben.“

  • Appell an die Geduld II

    „Wenn Du an ein Land glaubst, in dem jeder eine faire Chance erhält, und jeder seinen fairen Beitrag leistet, und jeder sich an dieselben Regeln hält, dann brauche ich diesen November Deine Stimme...Ja, unsere Straße ist länger - aber wir reisen gemeinsam auf ihr. Wir kehren nicht um. Wir lassen niemanden zurück. Wie ziehen einander hoch. Wir gewinnen Stärke aus unseren Siegen, und wir lernen aus unseren Fehlern. Aber wir behalten unsere Augen auf jenen fernen Horizont gerichtet...in dem Wissen, dass wir wirklich gesegnet sind, Bürger der größten Nation auf der Erde zu sein. “

  • Außenpolitik

    „In einer Welt neuer Bedrohungen und neuer Herausforderungen könnt Ihr eine Führung wählen, die geprüft worden ist und sich bewährt hat....Aber trotz aller Fortschritte, die wir erzielt haben, bleiben Herausforderungen...Mein Kontrahent und sein Vizekandidat sind Neulinge in der Außenpolitik...sie wollen uns in eine Ära des Getöses und der Schnitzer zurückbringen, die Amerika bereits so viel gekostet haben.“

  • Selbstkritik

    „Ich bin nicht länger nur ein Kandidat. Ich bin der Präsident...Und während ich stolz auf das bin, was wir gemeinsam erreicht haben, bin ich mir weitaus stärker meiner eigenen Fehler bewusst...Aber ich habe nie größere Hoffnungen für Amerika gehabt. Nicht, weil ich glaube, dass ich alle Antworten habe...Ich bin hoffnungsvoll wegen Euch.“

„Es ist nicht moralisch, mehr auszugeben, als einzunehmen", setzte Romney nach. Er werde Staats-Programme wie "Obamacare" streichen – aber auch Subventionen für den öffentlichen Sender PBS. Jener Sender, für den der Moderator des TV-Duells Jim Lehrer arbeitet. Obama habe die Neuverschuldung verdoppelt, attackierte Romney. Dessen Antwort: Die Bush-Regierung habe ihm eine desaströse Lage hinterlassen. Überzeugend wirkte das nicht.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 04.10.2012, 08:02 UhrGerdmitpferd

    Man mag sich in der Alten Welt - in Europa - noch so sehr über die Polit-Kaste und das etablierte System erzürnen.
    Aber im Vergleich zu dem Hollywood-reifen Wahlprozedere ist das schon wieder geradezu grandios!

    Fällt dem Völkchen in Übersee denn so gar nicht auf, wie die 4-jährige Amtszeit des Präsidenten schon nach wenigen Monaten den Wahlkampf für die nächste Wahl aufnimmt und sämtliche echten Themen dann hintenanstehen müssen?
    Da muss erst Lobbyarbeit betrieben werden, dann das Geld eingesammelt werden in gigantischen Größenordnungen. Dann monatelange Tourneen und Vorauswahlen. Dann Vorwahlen. Dann Debatten. Um dann irgendwann auch noch mit der Wettbewerbspartei in die unausweichlichen Showveranstaltungen einzusteigen.

    Ein Fulltime-Job. Wie man sich daneben noch den Problemen seines Landes widmen soll, ist mit vollständig unverständlich.
    Statt Show sollte man endlich mal wieder etwas leisten. Stattdessen sind Parteien, Wahlvolk und Medien monate-, jahrelang betäubt von der Wahlparty und bekommen so nicht mit, wie die USA als Wurzel vielen Übels ein ums andere Mal die globale Politik- Wirtschafts- und Finanzwelt aus dem Gleichgewicht bringt.

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