US-Regierung: Obamas Problem mit der Wirtschaftskompetenz

US-Regierung: Obamas Problem mit der Wirtschaftskompetenz

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Larry Summers, Harvard-Professor und Vorsitzender des nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus, gibt seinen Posten als oberster Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama zum Jahresende auf und kehrt an die Universität zurück

von Andreas Henry

Amerikanische Unternehmensführer hoffen, dass das Ausscheiden des Harvard-Professors Larry Summers aus dem Team der wirtschaftspolitischen Berater des US-Präsidenten ein wichtiges Signal ist: Barack Obama könnte in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit auf einen freundlicheren Kurs gegenüber Unternehmen umschwenken.

Larry Summers war der Architekt der Wirtschaftspolitik von Präsident Barack Obama während der ersten zwei Jahre seiner Amtszeit. Der Harvard-Professor, der Anfang der Neunziger Jahre unter Bill Clinton als Finanzminister zahlreiche wirtschaftsfreundliche Maßnahmen zur Deregulierung insbesondere der Finanzmärkte befürwortet und mit durchgesetzt hatte, machte dabei einen bemerkenswerten Schwenk. Zur Bekämpfung der Rezession schneiderte er ein Mega-Konjunkturpaket, er war im Hintergrund maßgeblich an der Strukturierung des Finanzmarktreformgesetzes beteiligt, mit dem die gesamte Branche schärfer kontrolliert wird. Er war ein starker Befürworter der neuen Konsumentenschutzbehörde, er schimpfte im Chor mit dem Präsidenten auf Wall-Street-Banken, Kreditkartengesellschaften und Versicherungen. Aus Sicht der Unternehmen, die sich zudem mit den Folgen der Krankenversicherungsreform und schärferen Umweltgesetzen herum zu schlagen haben, stand Summers für eine Politik, die gegen die Unternehmen gerichtet war, die eigentlich für einen Aufschwung der US-Wirtschaft und neue Arbeitsplätze sorgen sollen.

Unternehmer für Nachfolge im Gespräch

Jetzt hegen Manager und Inhaber von kleinen und großen Unternehmen die Hoffnung, daran könnte sich bald etwas ändern. Denn Summers wird seine Position als Chefberater des Präsidenten in Wirtschaftsfragen Ende des Jahres aufgeben und an die Elite-Universität Harvard in Boston zurück kehren. Und für seine Nachfolge werden mögliche Kandidaten genannt, die nicht mehr von einer Hochschule oder aus der Politik kommen, sondern aus der Unternehmenswelt. So soll nach Informationen aus verschiedenen Quellen Anne Mulcahy, die ehemalige Chefin des Kopiererherstellers Xerox ganz oben auf der Liste stehen. Am vergangenen Freitag hatte Mulcahy in Washington ein vertrauliches Dinner mit der engsten politischen Vertrauten von Präsident Obama, Valerie Jarrett.

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Eine andere Kandidatin für die Summers-Nachfolge könnte nach Meinung der “Washington Post” Ann Fudge sein. Die ehemalige Chefin der Marketing- und Kommunikationsagentur Young and Rubicam Brands würde ebenfalls Wirtschaftskompetenz aus der Perspektive der Unternehmen einbringen. Die 58jährige sitzt heute in mehreren Aufsichtsgremien, etwa im Board of Directors des US-Konzerns General Electric, bei Unilever und Norvartis. Seit vergangenem Februar leitet sie zudem bereits eine vom Präsidenten eingesetzte überparteiliche Kommission, die sich mit fiskalpolitischer Verantwortung und Reform beschäftigt. Fudge sei deshalb unmittelbar auf dem Radar des Weißen Hauses. 

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