US-Unternehmen reagieren auf Einreisestopp: „Lasst die Türen offen“

US-Unternehmen reagieren auf Einreisestopp: „Lasst die Türen offen“

, aktualisiert 30. Januar 2017, 09:52 Uhr
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Facebook-Chef Mark Zuckerberg stellt sich klar gegen Trump. Das Einreisverbot für Muslime aus insgesamt sieben Ländern kritisierte er.

Quelle:Handelsblatt Online

Viele US-Konzerne kritisieren das Einreiseverbot von Präsident Trump heftig. Besonders Techfirmen könnten langfristig unter den Einschränkungen leiden. Auch die deutsche Industrie zeigt sich besorgt. Ein Überblick.

New YorkViele US-Unternehmen haben beunruhigt auf das von Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot für viele Muslime reagiert. Howard Schultz, der Chef der Kaffeerestaurantkette Starbucks, wandte sich in der Nacht auf Montag mit „tiefer Besorgnis“ auf der Website des Unternehmens an die Mitarbeiter. Er bezeichnete Trumps Erlass als verwirrend und kündigte Pläne an, um in den nächsten fünf Jahren 10.000 Flüchtlingen Jobs bei Starbucks anbieten zu können. Die Menschen sollten in den kommenden fünf Jahren bei der Cafehaus-Kette einen Job bekommen, erklärte Starbucks-Chef Howard Schultz am Sonntag.

„Viele Menschen, die negativ von dieser Politik betroffen sind, sind starke Unterstützer der USA“, twitterte Tesla-Chef Elon Musk. „Sie haben das Richtige getan, nicht das Falsche, und sie verdienen es nicht zurückgewiesen zu werden.“ Trumps Einreiseverbot für Staatsangehörige einiger überwiegend muslimischer Länder sei „nicht der beste Weg“, mit den Herausforderungen des Landes umzugehen.

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Uber-Chef Travis Kalanick bezeichnete das Dekret in einem Facebook-Post als „verkehrt und ungerecht“. Das Unternehmen verkündete, dass dutzende Angestellte und einige Fahrer von dem Verbot direkt betroffen seien. „Diese Anordnung betrifft tausende Uber-Fahrer, die aus den gelisteten Ländern kommen“, sagte er. Viele von ihnen seien im Urlaub in den vom Einreisestopp betroffenen Ländern, um etwa ihre Familien zu besuchen. Diese Fahrer würden nun ausfallen. Bei Uber hieß es, man arbeite daran, die ausfallenden Fahrer zu kompensieren.

General-Electric-Chef Jeff Immelt erklärte in einem Firmenblog, aus dem verschiedene US-Medien zitierten, er teile die Sorgen seiner Mitarbeiter. Immelt versprach, GE werde den betroffenen Angestellten zur Seite stehen und versuchen, mit der Trump-Administration an Lösungen zu arbeiten.

Zuvor hatte es bereits Kritik und Reaktionen von großen Techkonzernen gegeben. Diese setzen besonders stark auf Experten aus dem Ausland. Google etwa rief noch vor dem Inkrafttreten des Erlasses von Präsident Donald Trump mehr als 100 Mitarbeiter, die aus muslimischen Ländern stammen und sich gerade im Ausland aufhielten, in die Vereinigten Staaten zurück. Viele von ihnen würden generell in den USA arbeiten, seien aber auf Geschäftsreisen im Ausland gewesen.

Konzernchef Sundar Pichai kritisierte das Vorgehen des neuen Regierungschefs im Weißen Haus scharf. „Es ist schmerzlich zu sehen, wie sich diese Anordnung persönlich auf unsere Kollegen auswirkt“, schrieb er am Freitag in einer Nachricht an seine Mitarbeiter, aus der die Nachrichtenagentur Bloomberg zitierte. Eine Sprecherin ergänzte: „Wir sind besorgt über die Auswirkungen dieser Anordnung und Vorschläge, die Einschränkungen für Google-Mitarbeiter und ihre Familien mit sich bringen könnten oder Schranken aufbauen, die große Talente an der Einreise in die USA hindern könnten.“


Verbot könnte deutscher Industrie schaden

Noch am Wochenende hatte sich bereits Facebook-Chef Mark Zuckerberg geäußert. Auch er hat die Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump mit pauschalen Einreiseverboten und Abschiebungen kritisiert. „Die Vereinigten Staaten sind eine Nation von Einwanderern, und wir sollten stolz darauf sein“, schrieb Zuckerberg am Freitag auf seiner Facebookseite. Darin verwies er auch auf die Herkunft seiner Ur-Großeltern, die aus Deutschland, Österreich und Polen gekommen seien. Die Eltern seiner Frau Priscilla seien als Flüchtlinge aus China und Vietnam in die USA gekommen. Die Erlasse zur Einwanderung beunruhigten ihn, schrieb Zuckerberg - „wie viele von euch“. Zuckerberg rief zudem dazu auf, für Flüchtlinge und Hilfsbedürftige die „Türen offen“ zu lassen. Einige seiner besten Schüler seien Kinder illegaler Einwanderer ohne Papiere gewesen, als er vor einigen Jahren an einer örtlichen Schule Unterricht gegeben habe. „Auch sie sind unsere Zukunft“, erklärt der 32-Jährige.

Twitter-Chef Jack Dorsey sagte, die „humanitären und wirtschaftlichen Auswirkungen“ des Erlasses seien „bestürzend“.

Brad Smith, Chef-Jurist bei Microsoft, erklärte in einem Memo an seine Mitarbeiter, dass der Konzern mit betroffenem Personal in Kontakt stehe. Das Unternehmen unterstütze Immigrations-Richtlinien, die das Volk schützen, ohne dass Menschen dafür ihre Freiheit oder Religion opfern müssten. Microsoft unterstrich zudem die Bedeutung von legitimen Flüchtlingen, dessen Leben womöglich an einer Immigration hänge, erklärte Smith. Einschränkungen der Einwanderungsbestimmungen könnten auch das Unternehmen selbst treffen. Beschränkungen könnten „das Unternehmen hemmen, adäquates Personal für die Forschung und Entwicklung“ zu finden.

Die größte US-Bank JP Morgan richtete sich im Zuge von Trumps Entscheidung laut US-Medienberichten an ihre Mitarbeiter. Vorstandschef Jamie Dimon versprach demnach in einem Statement allen Angestellten, die von dem Einreiseverbot betroffen sein könnten, das Unternehmen werde sich standhaft für sie einsetzen.

Auch die deutsche Industrie ist angesichts der Entwicklung in den USA nach dem Amtsantritt Trumps beunruhigt. Der neue BDI-Präsident Dieter Kempf empfiehlt deutschen Unternehmen Wachsamkeit. „Ich rate meinen Unternehmenskollegen: Seid aufmerksam besorgt“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Die Politik Trumps sei „unkalkulierbar“ – daher bestehe „die große Gefahr, dass sich Investoren massiv zurückhalten, weil die Unsicherheit steigt“.

Höhere Zölle etwa, wie Trump sie ins Gespräch gebracht hat, könnten die Wettbewerbsnachteile der US-Industrie nicht beheben. Zudem verstießen sie gegen die WTO-Regeln. „Damit würde er sich selbst ins Knie schießen“, sagte Kempf. „Denn kein anderes Land wehrt sich mit den WTO-Regeln so intensiv wie die USA.“ Der Republikaner hat bereits den Ausstieg aus der transpazifischen Partnerschaft (TPP) verkündet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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