US-Vorwahlen: Wendepunkt Wisconsin?

US-Vorwahlen: Wendepunkt Wisconsin?

, aktualisiert 06. April 2016, 15:52 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Viele hielten die Geschichte der Republikaner-Vorwahlen in den USA schon für erzählt: Trump mache eh das Rennen. Das aber ist nach der Vorwahl in Wisconsin wieder weniger gewiss. Schuld ist der Milliardär wohl selbst.

MadisonIst das nun der Anfang von Trumps Ende? Ja endlich, hoffen die einen inständig – und die anderen winken müde ab: Nein, woher denn. Donald Trump hat die Vorwahl in Wisconsin deutlicher als erwartet gegen Ted Cruz verloren. Bebend vor Stolz rief der siegreiche Senator von Texas in die Nacht: „Heute ist der Wendepunkt! Ein großer Sieg für Amerika! Mach Dich bereit, Hillary! Wir kommen!“

Andere halten dagegen: Trump habe die Niederlage in Wisconsin schon eingepreist gehabt. Landesweit habe eine schlechte Woche seinen Werten wenig angehabt. Der Reality-TV-Star sei nicht aufzuhalten, obwohl er dann einer der unbeliebtesten Kandidaten überhaupt sei. Nun schnitt Trump in Wisconsin mit einem Abstand von etwa 13 Punkten leicht schlechter ab als erwartet. Gerät wirklich etwas ins Rutschen?

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Wisconsins hoher Anteil republikanischer Arbeiter und weißer Wähler hätte Trump in die Hände spielen können, einerseits. Andererseits liegt das Bildungsniveau über dem Durchschnitt der Trump-Wähler, sind die Familien traditioneller, verwobener, wertebewusster. Trump konnte auch hier keinerlei Beziehung zu dieser Gruppe herstellen. Das Wählermuster „wütend und alleine“ - hier verfing es nicht.

„Eigentlich ist Wisconsin kein idealer Staat für Cruz“, sagt Craig Gilbert vom „Milwaukee Journal Sentinel“ am Telefon. „Das ist eher ein Phänomen der vergangenen Wochen, das ihm Stimmen zugetrieben hat.“ Aber selbst als Einmalerscheinung sei Wisconsin folgenreich: „Es bremst Trumps Siegeszug doch enorm.“

Dem zur Theatralik neigenden Senator aus Texas waren ausschließlich Siegeschancen im Süden der USA eingeräumt worden. Nun gilt er vielen Republikanern als das kleinere zweier sehr großer Übel.

Im übertragenen Sinne kam Trump aus mehreren Wunden blutend nach Wisconsin, die er sich in den vergangenen Tagen sämtlich selbst zugefügt hatte. Er bezog allein binnen drei Tagen wenigstens fünf Positionen zum Thema Abtreibung, wofür die Amerikaner den schönen Begriff des „Flip-Floppers“ bereithalten. Vieles verstärkte den Eindruck, er habe ein grundsätzliches Problem mit Frauen.

Angeblich beginnt es in der Trump-Mannschaft nun zu rumoren, will das Nachrichtenportal „Politico“ wissen. Er höre zu wenig zu, sei zu oft zu unvorbereitet, nicht lernwillig, störrisch.


Und die andere Seite?

Hillary Clinton hatte schon vor Wisconsin fünf Vorwahlen am Stück verloren, nun folgte Nummer sechs. Wisconsins demokratische Wahlbevölkerung war schlicht zu sehr für Sanders maßgeschneidert: weiß, liberal, jung. Das ist nicht Clintons Klientel. Mit rund 13 Punkten lag sie am Schluss hinter Sanders (56,5 Prozent).

Clintons Mannschaft suchte die Bedeutung Wisconsins denn auch seit Tagen tief zu hängen, verwies auf die so stabile Gesamtführung der Ex-Außenministerin, auf die mathematisch nahe Null liegende Chance des Senators von Vermont. Wisconsin sei so ein bisschen egal. Nun wird sich das eh schon giftige Klima der Demokraten weiter aufheizen.

Für Trump ist es in den verbleibenden Wahlen noch schwerer, die nötige Zahl von 1237 Delegierten zu erreichen. Er bräuchte laut „Wall Street Journal“ 66 Prozent aller ausstehenden Delegierten. Er wusste das, wollte den Sieg unbedingt: „Wenn wir Wisconsin endlich gewonnen haben, können wir diesen ganzen Quatsch mit einer brokered convention (einer Art Kampfabstimmung) und so endlich lassen.“

Da aber auch Cruz trotz seines Sieges unmöglich noch vor dem Parteitag in Cleveland eine Mehrheit zusammenbekommen kann (er bräuchte nun um die 100 Prozent aller Delegierten), gibt es für die Kür des republikanischen Kandidaten eigentlich nur drei Möglichkeiten – sofern Trump nicht doch noch auf eigene Rechnung fährt. Möglichkeit eins: Trump liegt am Ende unterhalb der Zielmarke, hat aber doch so viele Delegierte, dass ihn die Convention zum Kandidaten kürt. Zwei: Die Parteiversammlung stimmt doch für Cruz, auch wenn viele Republikaner ihn aufrichtig hassen. Drei: ein weißer Ritter.

Dieses Gerücht eines unerwarteten Erlösers hält sich hartnäckig, und stets geht es dabei um Paul Ryan, den mächtigen Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses. Erfahren, gut aussehend, 100 Prozent sortenreiner Konservatismus, große Familie. Heimatstaat: Wisconsin. Wird die Ohio-Convention also doch noch die Krönungsmesse eines Kandidaten, der von all dem Schmutz der vergangenen Monate unberührt ist? Den demokratischen Strategen graut es davor, sie würden lieber gegen den unbeliebten Unternehmer Trump kämpfen.

Trump und Cruz bauen dem vor: Das würde sich die Partei nicht einmal in ihren dunkelsten Hinterzimmern trauen. Über Monate in den Staaten abstimmen zu lassen, um dann zu mauscheln, nur weil das Ergebnis nicht passe? Niemals! Beide raunen von drohenden Revolten. Allein - die Parteiregeln, sie gäben dieses sinistre Szenario schon her.

Der nächste, wichtige Wahltermin ist in zwei Wochen New York. Das wird besonders pikant: Clinton war dort Senatorin, Sanders hofft auf die ausgeprägte Liberalität der Metropole, Trump ist dort zuhause. Cruz wird es dort wie an der Ostküste sehr schwer haben. Nach New York sprechen die meisten Staaten eher für Clinton.

Unter den Kesseln dieses einmaligen Wahlkampfs ist weiter mächtig Feuer. Nach Wisconsin ist zumindest bei den Republikanern wieder deutlich offener, wer diese Hitze übersteht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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