US-Wahl: Das letzte Wort haben die Amerikaner

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US-Wahl: Das letzte Wort haben die Amerikaner

von Angela Hennersdorf

Mehr als zehn Wochen haben US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer, der Republikaner Mitt Romney, einen aggressiven und teuren Wahlkampf betrieben. Jetzt haben die Amerikaner das letzte Wort. Ein Rückblick auf den Kampf um den mächtigsten Job der Welt.

„Los, geh wählen“, fordert Barack Obama in einer letzten E-Mail am Wahltag die Amerikaner auf. Wer gewählt hat, soll sich bitte nicht zurücklehnen, sondern Freunde, Verwandte, und Bekannte auffordern, ebenfalls wählen zu gehen.

Die Kontrahenten kämpfen um jede Stimme bis auf den letzten Drücker. Romney tritt sogar noch am Wahltag in einigen Swingstates auf, Obama hat sich bereits in seine Heimatstadt Chicago zurückgezogen und lässt E-Mails verschicken. Für alle diejenigen, die immer noch nicht wissen, warum sie Obama wiederwählen sollen, gibt er Rat: „25 Gründe von 25 Leuten, warum sie Obama wählen“, heißt es da aus der Wahlkampfzentrale der Demokraten. Stacey aus Arizona begründet, warum Obamas Gesundheitsreform das Leben ihrer Tochter rettet, Joel aus Minnesota ist sich sicher, dass Obama für die Kriegsveteranen alles tut, Brian aus Ohio bekennt, ohne Obama wäre die amerikanische Autoindustrie längst tot. Und so geht es weiter zu allen wichtigen Themen wie Auslands- und Sozialpolitik. Unter den 25 sind auch Rockmusiker Bruce Springsteen und Rapper Jay-Z mit einem Zitat. „Schickt das euren Freunden und Bekannten“, fordert Obama in der Mail am Wahltag die Amerikaner auf.

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Hier liegen Romney und Obama Kopf an Kopf

  • Swing States

    In mindestens 41 Staaten steht quasi bereits fest, wer in der Gunst der Wähler vorne liegen wird. Obama kann etwa mit einer deutlichen Mehrheit in Kalifornien und seiner Heimat Illinois rechnen, Texas und der gesamte Süden sind traditionell an die Republikaner vergeben. Jene neun Staaten, in denen der Ausgang offen ist, werden als "Swing States" bezeichnet.

  • Virginia

    Aus keinem Bundesstaat der USA stammen mehr US-Präsidenten als aus Virginia. Acht ehemalige Staatsmänner sind in Virginia, dem 8-Millionen-Einwohner-Staat an der Ostküste, geboren. Mit dieser Zahl kann nur Ohio mithalten, das ebenfalls Heimat von acht US-Präsidenten ist.

    Bis heute spielt Virginia bei den US-Wahlen eine wichtige Rolle. Zwar galt der Bundesstaat seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg lange Zeit als anti-republikanisch, doch von 1952 bis heute haben die Bürger des „Old-Dominion“-States nur noch 1964 mit Lyndon B. Johnson und erst wieder 2008 mit Barack Obama für einen demokratischen Präsidentschaftsbewerber gestimmt.

    Virginia entsendet 2012 13 Wahlmänner ins "Electoral College", das den Präsidenten und den Vizepräsidenten wählt. Laut Umfragen wollen derzeit 48 Prozent der Wähler für Romney stimmen, 47 Prozent würden derzeit für Obama votieren.

  • Ohio

    18 Wahlmänner stehen in Ohio auf dem Spiel. Gewinnt Obama hier, braucht er – neben den erwarteten Siegen – nur noch einen der kleinen "Swing States" holen (etwa Iowa), um eine zweite Amtszeit im Weißen Haus antreten zu können.

    Ohio ist ein klassischer Arbeiterstaat, die Industrie stellt einen großen Teil der Jobs. Viele Jobs sind konjunkturabhängig, schwächelt die Wirtschaft, ist Ohio meist besonders betroffen. Der Bundesstaat ist traditionell ein "Swing State". Demokratische Hochburgen befinden sich im Nordosten Ohios, etwa um die Städte Cleveland und Youngstown. Im Südwesten votieren viele Bürger hingegen für die Republikanische Partei. Derzeit liegt Obama in der Wählergunst vorne. 47,6 Prozent der Bürger wollen für ihn stimmen, 45,7 Prozent für Romney.

  • Nevada

    Der Staat im Westen der USA ist landwirtschaftlich geprägt. Neben der Viehwirtschaft trägt auch der Bergbau entscheidend zum Bruttoinlandsprodukt bei. Nevada wäre aufgrund seiner Struktur klassisches republikanisches Gebiet – wäre da nicht Las Vegas. Die größte Stadt des 2,7-Millionen-Staates ist liberal und Hoheitsgebiet der Demokraten. Insgesamt ist Nevada ein klassischer "swing state": Mal gewinnen hier die Demokraten (wie bei der letzten Wahl 2008), mal die Republikaner (wie 2004 unter George W. Bush).

    In dem siebtgrößten Bundesstaat geht es 2012 um sechs Wahlmänner. Obama liegt den Umfragen zufolge mit 49,0 zu 46,0 Prozent vorne.

  • Colorado

    Bis 2008 konnten die Demokraten seit dem Ende des zweiten Weltkriegs nur drei Mal die Mehrheit in Colorado holen (1948 unter Harry S. Trumann, 1964 unter Lyndon B. Johnson und 1992 unter Bill Clinton).

    Dennoch gilt der Rocky-Mountains-Staat inzwischen als "Swing State". Grund ist vor allem die Urbanisierung der Hauptstadt Denver. Im Großraum der Universitätsstadt lebt knapp die Hälfte des 5-Millionen-Staates. Sie wählen zumeist demokratisch.

    So auch 2008, als Barack Obama als vierter Demokrat seit 1945 den Staat für seine Partei gewinnen konnte. 2012 geht es um neun Wahlmänner, Romney liegt in den Umfragen mit 47,8 Prozent zu 47,6 Prozent derzeit knapp vorne.

  • Iowa

    Die größte Stadt Iowas, Des Moines, hat gerade einmal gut 200.000 Einwohner, die Wirtschaft setzt auf den Verkauf von Maschinen, Elektronik, Schweine, Mais und Kartoffeln. Iowa wird in den USA wenig beachtet – es sei denn, es ist Wahlkampf.

    Traditionell ist Iowa der Staat, in dem die ersten Vorwahlen der Parteien abgehalten werden. Und die haben eine besondere Bedeutung, denn seit 1972 hat fast kein Kandidat mehr die Nominierung seiner Partei gewonnen, wenn er nicht zuvor im Agrarstaat gewonnen hat. Anders 2012. Mitt Romney unterlag denkbar knapp seinem Herausforderer Rick Santorum. Dennoch musste der gläubige Christ im April passen und dem ungeliebten Romney den Vortritt überlassen.

    In den Umfragen liegt Obama derzeit mit 2,0 Prozentpunkten in der Wählergunst vor Romney.

  • New Hampshire

    Der Mini-Staat an der Nordost-Küste der USA ist der konservativste Staat der Region. Während alle anderen Staaten an der Nordost-Küste traditionell demokratisch wählen, wechseln die Mehrheitsverhältnisse in New Hampshire oft.

    Obama wird es – trotz einer Führung in den Umfragen von 1,2 Prozentpunkten – schwer haben, die vier Wahlmänner hier zu gewinnen. Denn die Bürger sind nicht nur launisch, sondern auch sehr liberal. Sie leben das Staatsmotto, das lautet: "Live free or die" – "Lebe frei oder stirb".

    Zu viel Macht des Staates lehnen sie ab. Steuererhöhungen ebenso. In New Hampshire, das vom Bergbau, der Elektro- und Papierindustrie lebt, gibt es keine allgemeinen Mehrwert- oder Einkommensteuern.

  • Florida

    Im "Sunshine State" wird sich die US-Wahl 2012 entscheiden. Wenn Mitt Romney eine Chance auf den Einzug ins Weiße Haus haben will, muss er Florida gewinnen. Verliert er, gehen die Stimmen von 29 Wahlmännern an Barack Obama, der dann auch ohne den Gewinn eines weiteren "Swing States" deutlich vorne liegen würde.

    Derzeit sieht es gut für Romney aus. 48,4 Prozent der Wähler aus Florida wollen für den Republikaner stimmen, nur 46,6 Prozent für Obama.

  • North Carolina

    Der Ostküstenstaat, rund zehn Autostunden von der Hauptstadt Washington D.C. entfernt, wählte in den letzten vier Jahrzehnten fast immer für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Ausnahme: Jimmy Carter, 1976, und Barack Obama, 2008.

    In diesem Jahr deutet Vieles darauf hin, dass die Republikaner den Staat und damit alle 15 Wahlmänner-Stimmen gewinnen werden. Mitt Romney führt in den Umfragen mit 50,3 Prozent zu 44,7 Prozent.

  • Wisconsin

    Der "Dachs-Staat" im Norden ist geprägt von ländlich-konservativen und großstädtisch-liberalen Regionen. 2004 und 2008 konnten die Demokraten in Wisconsin gewinnen. Auch in diesem Jahr liegt Obama in den Umfragen vorne. 49,8 Prozent tendieren derzeit dazu, Obama zu wählen, 47,0 Prozent wollen für Romney stimmen.

Gut drei Monate haben US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney um jede Stimme gekämpft – sie haben Millionen für Werbespots ausgegeben, sind auf Stimmenfang quer durch das Land gedüst, haben sich in drei Fernsehdebatten gestritten, ihre Ehefrauen und Vize-Präsidenten für sich sprechen lassen; Obama hat sich Ex-US-Präsident Bill Clinton als Beistand geangelt, Romney den Hollywoodschauspieler Clint Eastwood, der auf dem Parteitag der Republikaner Anfang August mit einem leeren Stuhl sprach – auf den er den imaginären Obama platziert hatte. Beim Kurznachrichtendienst Twitter war das in diesem Wahlkampf eines der am meisten kommentierten Ereignisse.

US-Präsidentschaftswahl 2012

Am Wahltag liegen die Kontrahenten bei den Amerikanern gleichauf bei den Umfragen: 49 Prozent wollen für Obama stimmen, 49 Prozent für den Republikaner Romney. Im Laufe des Wahlkampfes ist das Stimmungsbarometer mal für den einen, mal für den anderen nach oben geschossen.

Romney verspielte seine Führung leichtfertig

Mitte August war die Ausgangsposition für den Republikaner Mitt Romney ziemlich gut: Eine Woche bevor Romney von den Republikanern als offizieller Präsidentschaftskandidat nominiert wurde, führte er die Gallup-Umfragen mit 47 Prozent an, Obama lag bei 45 Prozent. Seinen Auftritt auf dem Parteitag nutzte Romney allerdings nicht, um seine Führung auszubauen. Die Rede war eher mittelmäßig, sie riss die Massen nicht vom Stuhl, da half auch der Auftritt von Schauspieler Clint Eastwood nicht. Die Amerikaner sprachen über nichts anderes als über diesen Auftritt von Eastwood. Selbst Anhänger der Republikaner fanden wenig Begeisterung für ihren Kandidaten. „Ich kann mich nicht an einen Satz von Romney erinnern, der bei mir hängen geblieben ist, für den ich mich begeistern kann“, gaben sogar mehrere Pro-Republikaner-Banker von der Wall Street nach dem Parteitag zu. Hölzern, zu ernst, wenig charismatisch – so charakterisierten die Amerikaner den Herausforderer der Republikaner.

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