
„Heute Abend kann ich vor Euch treten und Euch sagen, dass ich der Kandidat der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl sein werde“, sagte der 46-Jähirge gestern in St. Paul (Bundesstaat Minnesota).
Stolz, entspannt, triumphierend stand er auf der Bühne der mächtigen Sportarena von St. Paul, umbrandet vom Jubel von 17.000 Anhängern, aus den Lautsprechern dröhnt „It's a beautiful day“ (Es ist ein schöner Tag) der Rockbank U2. Keine zwei Stunden zuvor hatten Fernsehsender den 46-Jährigen zum ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten in der Geschichte der USA erklärt, als die nötigen 2118 Delegiertenstimmen zusammen waren.
In einer leidenschaftlichen Rede rief Obama - Sohn eines Kenianers und einer weißen Amerikanerin - zum politischen Wandel in den USA auf. „Amerika, das ist unser Augenblick!“ rief Obama auf der Bühne der Sportarena in St. Paul. „Das ist unsere Zeit. Es ist jetzt an uns, eine neue Seite aufzuschlagen und die Politik der Vergangenheit hinter uns zu lassen.“
Kommentatoren sprechen von historischem Tag
Bei den beiden letzten Vorwahlen gewann Obama am Dienstag in Montana, Clinton in South Dakota. Der 46-jährige Obama erhielt dabei mindestens 15 Delegiertenstimmen, auf Clinton entfielen mindestens 13. Bei drei Delegierten in Montana stand die Entscheidung zunächst noch aus.
Wichtiger war aber, dass sich nach Abschluss der Vorwahlen weitere „Superdelegierte“ für Obama erklärten - diese Delegierten wurden nicht gewählt, sondern von der Parteiführung ernannt und haben eine freie Entscheidung, wen sie als Präsidentschaftskandidat favorisieren. Damit kommt Obama nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP jetzt auf 2.154 Delegiertenstimmen - die Mehrheit auf dem Nominierungsparteitag liegt bei 2.118.
„Ein historischer Tag“, konstatierte CNN-Moderator Wolf Blitzer immer wieder. „Das müssen wir erst einmal alles sacken lassen“, meint ein anderer Journalisten-Veteran. „Eine historische Reise geht zuende, eine neue beginnt“, fasst es Barack Obama selbst zusammen. Der Ort seiner Siegesrede war mit Bedacht gewählt: Just in derselben Arena werden die Republikaner Anfang September zu ihrem Nominierungsparteitag zusammenkommen und offiziell John McCain (71) als Kandidaten auf den Schild heben.
Clinton bittet um Bedenkzeit
Seine Konkurrentin Hillary Clinton hielt sich die Entscheidung über ihr weiteres Vorgehen zunächst offen. „Ich werde mich mit Unterstützern und der Parteiführung beraten, wie es weitergeht“, sagte sie gestern Abend vor Anhängern in New York. „Die fast 18 Millionen Menschen, die für mich gestimmt haben, müssen gehört und gesehen werden“, sagte die frühere First Lady.
An ihre Unterstützer appellierte die 60-Jährige, Vorschläge für ihre nächsten politischen Schritte auf ihrer Webseite einzureichen. Gestern fanden auch die beiden letzten Abstimmungen des Vorwahlkampfes, der genau vor fünf Monaten in Iowa begonnen hatte. In South Dakota konnte sich Clinton nach Auszählung fast aller Wahlbezirke mit 55 Prozent der Stimmen durchsetzen.
In Montana hingegen gewann Obama nach einer CNN-Prognose. Nach Auszählung von 64 Prozent der Bezirke kam der Senator auf 58 Prozent der Stimmen.
Gibt Clinton die Vizepräsidentin?
Designierter Gegner Obamas im Rennen um das Weiße Haus ist der Republikaner John McCain. Der Senator aus Arizona soll Anfang September auf dem Parteitag der Republikaner offiziell zum Kandidaten gekürt werden. De facto hat er die Nominierung seit Monaten sicher.
Obama rief zugleich eindringlich zur Einheit der Partei auf und lobte in seiner Rede seine Konkurrentin Clinton. „Lasst uns beginnen, zusammen zu arbeiten und uns zu einen, um gemeinsam die Zukunft Amerikas zu verändern“, sagte Obama. Er gratulierte Clinton zu der „Art und Weise, wie sie diese Wahlkampagne geführt hat“. Sie sei eine „politische Führerin, die Millionen von Amerikaner inspiriert“.
Zugleich kursierten neue Spekulationen, dass Obama und Clinton im weiteren Wahlkampf zusammen finden könnten. US-Medienberichten zufolge erklärte sich die Senatorin aus New York am Dienstag bereit, für den Posten der Vizepräsidentin Obamas zu kandidieren. Führende Politiker der Demokraten hatten immer wieder erklärt, nach dem langen und teilweise heftigen Vorwahlkampf gehe es jetzt zunächst darum, die Einheit der Partei zu sichern.
Anhänger Obamas sehen eine Vizepräsidentschaft Clintons jedoch äußerst skeptisch, weil sie einen zu großen Einfluss ihres Mannes Bill fürchten. John McCain bezeichnete Obama unterdessen als „beachtlichen Gegner“ im Rennen um das Weiße Haus. „Ich bin aber bereit für diese Herausforderung“, sagte McCain im US-Staat Louisiana.
Im Wettlauf ums Weiße Haus könnten die Unterschiede zwischen den Kontrahenten kaum größer sein. McCain gegen Obama, das wird ein Duell alt gegen jung, schwarz gegen weiß, Kriegsheld gegen Ex-Sozialarbeiter, der niemals in der Armee war.
Zugleich wies der Senator aus Arizona Angriffe Obamas zurück, McCain werde lediglich die Politik von George W. Bush fortsetzen. Bereits Stunden vor der Ende der Vorwahlen waren immer mehr „Superdelegierte“ zu Obama übergelaufen und sicherten ihm so die notwendigen Stimmen zur Nominierung. „Die Nominierung ist ihm nicht mehr zu nehmen“ , sagte ein CNN-Kommentator. „Superdelegierte“ sind hohe Parteifunktionäre, die in ihrer Entscheidung nicht an Weisungen ihrer Basis gebunden sind. Offiziell bestimmen die Demokraten auf einem Nominierungsparteitag Ende August in Denver (US-Bundesstaat Colorado) ihren Präsidentschaftskandidaten.








