Alexander Nix: "Big Data kann keinen guten Kandidaten ersetzen"

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Alexander Nix: "Big Data kann keinen guten Kandidaten ersetzen"

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Alexander Nix, Chef der britischen Beratungsfirma Cambridge Analytica.

von Katharina Matheis

Alexander Nix hat im US-Wahlkampf Daten für Donald Trump analysiert. Mit diesem Wissen konnte Trump seine Wähler gezielt ansprechen. Nun versucht Nix, auch deutsche Parteien als Kunden zu gewinnen.

Alexander Nix ist der Chef der kleinen britischen Beratungsfirma Cambridge Analytica. Nix' Unternehmen hat vor der US-Wahl in großem Stil Wählerdaten analysiert und Trumps Wahlwerbung darauf maßgeschneidert – mit bekanntem Ausgang. Einer Singlefrau in Manhattan zauberten sie etwa ein anderes Trump-Anzeigenmotiv auf den Bildschirm als einem verheirateten Landwirt im Mittleren Westen. An die nötigen Daten kamen sie durch einen Trick: Cambridge Analytica hat eine Reihe von Facebook-Spielen entwickelt wie: „Welcher Persönlichkeits-Typ bist du“ oder „Wie hoch ist dein IQ“? Wer hier mitspielt, gibt seine Daten preis. Und diese Informationen nutzt Nix, um sie mit anderen zu verknüpfen: Onlineeinkäufe, Surfverhalten, soziodemografische Daten. Der Rest ist Statistik.

WirtschaftsWoche: Mr. Nix, wo waren Sie am Abend des 8. November?

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Alexander Nix: Ich war im War Room von Donald Trump. Und es war sehr emotional. Als die Ergebnisse reinkamen, haben wir unsere Modelle fortlaufend aktualisiert – und als klar wurde, dass Trump gewinnen wird, wurden alle sehr aufgeregt. Das gesamte Team hatte schließlich über Monate hinweg jeden Tag, jede Nacht, jedes Wochenende gearbeitet – alles mit dem einen Ziel vor Augen.

Ihre Firma hat für Trump umfassende Datenanalysen durchgeführt. Wie schätzen Sie Ihren Einfluss auf diese Wahl ein?

Es ist mir bewusst, dass das eine Teamleistung war und vor allem: Trump war ein exzellenter Kandidat. Doch wir konnten einen zusätzlichen, datenbasierten Einblick in die Wählerschaft schaffen. Damit konnten wir sicherstellen, dass die richtigen Botschaften die richtigen Wähler erreichen.

Das heißt, jeder bekommt ein anderes Bild des Landes und seiner Probleme vermittelt?

Nein, das ist nicht korrekt. An der Kernbotschaft ändern wir nichts. Wenn es zum Beispiel um das Waffenrecht geht, können die Gründe, warum jemand eine Waffe besitzen möchte, sehr unterschiedlich sein. Deshalb müssen Sie mit den Menschen in einer Sprache sprechen, zu der sie einen Bezug herstellen können. Wir wollen zeigen, wie ein bestimmtes Thema den Einzelnen betrifft.

Big Data Scientist

  • Was muss ich tun?

    Zunächst muss der Big Data Scientist herausfinden, in welchen Abteilungen welche Daten anfallen. Diese muss er zusammentragen, um sie anschließend auszuwerten. Dazu bedient er sich verschiedener Analysetools und programmiert Abfragen, damit der Datenwust auch die richtigen Antworten preisgibt. Je nach Größe des Unternehmens ist er aber nicht nur für die Auswertung der Daten zuständig, sondern entwickelt aus den gewonnenen Informationen auch selbst Ideen für neue Geschäftsmodelle und strategische Konzepte.

  • Was muss ich können?

    Der Big Data Scientist sollte in jedem Fall Informatik studiert haben, braucht gleichzeitig aber eine hohe soziale Kompetenz und muss sich durchsetzen können. Schließlich ist es seine Aufgabe, den Egoismus der Fachabteilungen zu überwinden und diese dazu zu bringen, ihre jeweiligen Daten offenzulegen.

  • Wo kann ich arbeiten?

    Vor allem in der Finanzwirtschaft, in der Logistikbranche, im Handel und in der Industrie werden sie eingesetzt.

  • Wie viel kann ich verdienen?

    Ein Big Data Scientist kann bis zu 80.000 Euro verdienen.

Welche Daten nutzen Sie, um das herauszufinden?

Wir nutzen kommerziell verfügbare Konsumenten- und Lebensstil-Daten, die wir im Rahmen der Gesetzeslage eines Landes kaufen können. Wir nutzen keine Facebook-Daten. Doch wir machen eine Reihe von Quizzen und Umfragen auf Facebook mit Einverständnis der Teilnehmer. Das sind die einzigen Daten, die wir von Facebook verwenden.

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Donald Trump hat es vorgemacht: Je mehr Informationen über Wähler existieren, desto direkter können Politiker sie ansprechen. Bald auch bei uns?

Big Data ist beim Wahlkampf durchaus hilfreich. Quelle: Fotolia

Gibt es eigentlich Beweise für die Wirksamkeit Ihrer Methode?

Big Data kann keinen Kandidaten mit guter Politik ersetzen. Wir geben nicht vor, dass wir Wunder bewirken können. Was wir sagen, ist: In einer knappen Wahl kann es helfen, Daten zu nutzen und Werbebotschaften gezielt auszuspielen.

Nächstes Jahr haben wir einige Wahlen in Europa. Welche Potentiale sehen Sie innerhalb des europäischen Rechtsrahmens?

Manche Services müssten modifiziert werden, damit sie zu den Datenschutzregeln in Deutschland passen. Doch insgesamt bin ich mir sicher, dass wir einen großen Mehrwert in Deutschland schaffen könnten. Damit könnten wir definitiv auch deutschen Parteien mit unseren Dienstleistungen helfen.

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