Börse und Zinsen: Womit die Börse nach der US-Präsidentenwahl rechnet

us-wahlBörse und Zinsen: Womit die Börse nach der US-Präsidentenwahl rechnet

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von Andreas Toller

Wenn die größte Volkswirtschaft der Welt ihre neue Regierung wählt, merken Anleger auf. Womit Investmentbanker rechnen und wie sie sich auf Clinton oder Trump vorbereiten.

Das Brexit-Votum vom Juni hat es gezeigt: Wahlprognosen können daneben liegen und endet eine Wahl anders als vorhergesagt, sind die Kursbewegungen an den Kapitalmärkten heftig. Als die Briten tatsächlich für den Austritt aus der EU stimmten, wurde es an der Börse hektisch. Die Kurse von Pfund, Euro und Dollar schlugen aus, die US-Indizes Dow Jones und S&P 500 gaben sämtliche in 2016 bislang aufgelaufenen Gewinne wieder ab, der Technologieindex Nasdaq Composite verzeichnete mit einem Minus von vier Prozent den höchsten Tagesverlust seit 2011.

Ähnliches steht Anlegern nun durch die US-Präsidentschaftswahl ins Haus. Die Zuspitzung der E-Mail-Affäre kurz vor dem Wahltag gab einen Vorgeschmack: Plötzlich konnte Donald Trump in den Umfragen wieder deutlich zulegen, der schon sicher geglaubte Sieg Hillary Clintons schien wieder unsicher. Und weil Investoren nichts mehr hassen als Unsicherheit, schickten die neuen Umfragewerte die Börsen rund um den Globus auf Talfahrt. Der Dow Jones beschleunigte seinen Abwärtstrend und rutschte erstmals sein Juli wieder unter 18.000 Punkte, der Dax sank in den Folgetagen von mehr als 10.700 Punkten auf nur noch wenig mehr als 10.200 Punkt. Der Goldpreis erreichte erstmals seit Juni wieder mehr als 1300 Dollar je Feinunze.

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Welche Staaten tendieren zu welchem Kandidaten

  • Demokraten

    Kalifornien, Connecticut, Delaware, Hauptstadt Washington, Hawaii, Illinois, Maine, Massachusetts, Maryland, Minnesota, New Jersey, New Mexico, New York, Oregon, Rhode Island, Vermont, Staat Washington (insgesamt 200 Wahlmännerstimmen)

  • Republikaner

    Alabama, Arkansas, Idaho, Indiana, Kansas, Kentucky, Louisiana, Mississippi, Montana, Nebraska, North Dakota, Oklahoma, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas, West Virginia, Wyoming (insgesamt 144 Wahlmännerstimmen)

  • Eher Demokraten

    Colorado, Michigan, Nevada, Pennsylvania, Wisconsin, Virginia (insgesamt 74 Wahlmännerstimmen)

  • Eher Republikaner

    Alaska, Arizona, Georgia, Iowa, Missouri (insgesamt 46 Wahlmännerstimmen)

  • Völlig offen

    Florida, New Hampshire, North Carolina, Ohio, Utah, Zweiter Wahlbezirk von Maine, Zweiter Wahlbezirk von Nebraska, (insgesamt 74 Wahlmännerstimmen)

Als das FBI wegen der Clinton-E-Mailaffäre am vergangenen Wochenende wieder Entwarnung gab, ging es sogleich wieder in die entgegengesetzte Richtung. Am Dienstag schloss der Dow Jones mehr als zwei Prozent im Plus bei 18.259 Punkten, die Technologiebörse Nasdaq schaffte sogar ein Plus von 2,4 Prozent. Der Rückenwind für Clinton schob auch gleich den Dax an. Der deutsche Leitindex kletterte 1,9 Prozent nach oben auf 10.457 Punkte. Gold hingegen verlor deutlich und sank mit 1279 Dollar je Feinunze wieder unter die 1300-Dollar-Marke. Der Euro gab bis auf 1,1030 Dollar nach. Die Schaukelbörse zeigt deutlich, dass sich die Kapitalmarktakteure mit Hillary Clinton als US-Präsidentin deutlich wohler fühlen würden - vor allem, weil sie eine bekannte Größe im Politikgeschäft ist.

Blick nach vorn

Was erwartet Anleger nun nach dem Wahlkrimi in den USA? Weil der Wahlausgang noch immer recht unsicher ist, stellen sich die Investmentbanker an der Wall Street in New York bereits auf eine Nachtschicht im Anschluss an den Wahltag ein, um schnell reagieren oder für Kunden agieren zu können. Hier die wesentlichen Einschätzungen der Anlageprofis, unterschieden nach Wahlausgang.

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Szenario 1: Clinton gewinnt

- Die Börse rechnet mit einem Wahlsieg Clintons. Schafft sie den Einzug ins Weiße Haus, fühlen sich Investoren bestätigt, die Marktreaktionen dürften weniger heftig ausfallen. Nach den jüngsten Kursverlusten ist vielmehr mit einer kurzen „Erleichterungsrally“ zu rechnen.

- Wegen ihrer Außen-, Sicherheits- und Sozialpolitik dürften besonders Rüstungs- und Gesundheitstitel von Clintons Wahl profitieren.

- Auch wenn Clinton an der Börse als Wahlsiegerin eingepreist ist, muss ihr Einzug in den Oval Office langfristig kein Segen für Aktionäre sein. Mit ihr als Präsidentin steigt die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung im Dezember. Das führt zu einer flacheren Zinskurve für lang laufende US-Staatsanleihen, das heißt, langfristig in US-Staatsanleihen zu investieren wird unattraktiver. Dann würden vor allem riskantere Anlagen steigen, da diese mehr Rendite versprechen – also beispielsweise Unternehmensanleihen oder Technologieaktien.

- Gewinnt Clinton die Wahl, könnte Trump versuchen, das Ergebnis als „manipuliert“ vor Gericht anzufechten. Dann würde sich die Unsicherheit an den Märkten noch länger fortsetzen. Die Folge: Die Börsenkurse stehen unter Druck, die Schwankungen bei Aktien und Anleihen bleiben groß

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