Hillary Clinton: Warum ihr Zusammenbruch den Sieg kosten könnte

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Fitness-Wahn der Amerikaner: Warum ihr Zusammenbruch Clinton den Wahlsieg kosten könnte

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Physische Schwäche könnte Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zum Verhängnis werden.

von Christian Schlesiger

Hillary Clinton erlitt einen Schwächeanfall. Der Gesundheitszustand der demokratischen Präsidentschaftskandidatin könnte sie den Wahlsieg kosten. Denn in den USA gilt physische Stärke als Voraussetzung, um Präsident werden zu können. Allzu oft wurde in der Vergangenheit gelogen.

Ein Schwächeanfall mit Folgen: Hillary Clinton verließ die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Terrorattacke von 9/11 frühzeitig und brach kurz darauf im Van erschöpft zusammen. Wenige Stunden später trat sie vor die Öffentlichkeit. Sie fühle sich „großartig“, sagte sie, und es sei „ein wunderschöner Tag in New York.“ Clinton tat so, als sei nichts geschehen.

Clintons Schwächeanfall und ihr seltsames Statement im Nachgang heizen den Wahlkampf um das Präsidentenamt in den USA an. Die Demokraten begründeten den Schwächeanfall mit einer Lungenentzündung, unter der Clinton leide. Die Wahlkampfveranstaltungen für Montag wurden abgesagt.

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Tatsächlich kann die Frage, wie fit ein Präsidentschaftskandidat ist, über den Ausgang der Wahl mitentscheiden.


Für Donald Trump kommt der Schwächeanfall daher wie gerufen. Der Republikaner äußert schon seit Monaten Zweifel an Clintons Fitness. 2012 erlitt sie als Außenministerin eine Gehirnerschütterung. Sie nahm Medikamente gegen die Bildung eines Blutgerinnsels. Bislang war dieser Unfall für Republikaner vor allem Stoff für Verschwörungstheorien. Doch nun zeigen die Bilder des Schwächeanfalls tatsächlich eine labile Politikerin. Und die Republikaner fühlen sich bestätigt.

Clinton setzt das weiter unter Druck. Der Vorsprung in den Umfragen ist in den vergangenen zwei Wochen deutlich geschmolzen. In der E-Mail-Affäre wird ihr vorgeworfen, als Außenministerin Dienstgeheimnisse über ihren privaten E-Mail-Account verschickt zu haben. Sie gilt als Kandidatin des in Amerika mehr und mehr verhassten Establishments. Jüngst verhöhnte sie Wähler, die den Republikanern nahe stehen, als „erbärmlich“, was sie Wählerunterstützung gekostet hat. Und jetzt zeigt sie physische Schwäche.

Clintons wirtschaftspolitische Pläne

  • Arbeitsplätze und Investitionen

    Clinton will in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit das umfassendste Investitionsprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg in Infrastruktur, Industrie, Forschung und Entwicklung, Klimaschutz und Mittelstandförderung anstoßen. Sie will über fünf Jahre aus staatlichen und privaten Quellen 275 Milliarden Dollar mobilisieren, um die Verkehrs- und Netz-Infrastruktur zu verbessern. Damit und mit anderen Mitteln will sie über zehn Millionen neue Jobs schaffen. Die Industrie soll stärker werden. Gelingen soll das mit einer Partnerschaft von Wirtschaft, Arbeitnehmern, der Regierung und Verwaltungen sowie der Wissenschaft. Firmen sollen sich verpflichten, Jobs und Investitionen statt in Übersee in den USA zu halten. Dafür sollen sie finanzielle Vorteile genießen. Besonders gefördert werden sollen strukturschwache Regionen. Die Position der Arbeitnehmer und ihrer Gewerkschaften will Clinton stärken. Der Mindestlohn soll von 7,25 Dollar je Stunde auf zwölf, zuletzt war gar von 15 Dollar die Rede, erhöht werden.

  • Steuern

    Clinton verspricht ein gerechteres und einfacheres Steuersystem. Multi-Millionäre und Milliardäre sollen einen Steueraufschlag zahlen, Arbeitnehmerhaushalte und Familien entlastet werden. Steuerschlupflöcher für Firmen und Privatpersonen will Clinton schließen. Unternehmen, die ihre Gewinne in Steueroasen transferieren, sollen eine Extra-Steuer zahlen. Investitionen von Unternehmen in den USA selbst will sie begünstigen und dabei kleine Firmen besonders entlasten. Gleiches gilt für Familien, die Sonderlasten tragen, weil sie beispielsweise ältere und erkrankte Familienangehörige pflegen.

  • Regulierung

    Die US-Finanzindustrie will Clinton enger an die Leine legen. Wall-Street-Riesen sollen einen Extra-Zuschlag zahlen, der sich nach ihrer Größe und ihrem Risikogewicht für die Branche richtet. Bestehende Möglichkeiten für Großbanken, Kundengelder in Hochrisikofeldern zu investieren, will sie beschneiden. Top-Banker sollen bei Verlusten ihrer Institute mit Bonus-Einbußen rechnen. Der Hochfrequenzhandel soll besteuert werden. Riesige und undurchschaubare Finanzriesen sollen stärker kontrolliert und im Zweifel aufgespalten werden. Clinton will Finanzmanager auch stärker in Mithaftung nehmen, wenn in ihren Instituten gegen geltendes Recht verstoßen wird.

  • Handel

    Clinton verspricht, schärfer gegen Länder wie China vorzugehen, wenn diese internationale Freihandelsregeln verletzen und damit amerikanischen Arbeitsplätzen schaden. Sie will Nein sagen zu Handelsabkommen, wie der Trans-Pazifischen Partnerschaft (TPP), die nicht den US-Standards genügen, etwa mit Blick auf die Bezahlung von Arbeitnehmern. Das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will sie neu verhandeln. Zum US-EU-Freihandelsabkommen TTIP, das derzeit verhandelt wird, äußerte sie sich in jüngster Zeit zwar nicht direkt, doch war sie schon früher auch dazu auf Distanz gegangen und will in Freihandelsabkommen generell die amerikanischen Interessen besser zum Tragen kommen lassen. „Amerika fürchtet den Wettbewerb nicht“, gibt sie sich insgesamt kämpferisch.

  • Umweltpolitik

    In Umwelt- und Energiepolitik will Clinton Zeichen setzen. Sie will Amerika zur weltweiten „Supermacht“ des 21. Jahrhunderts in Sachen saubere Energie machen.

  • Weitere Pläne

    Clinton will Schluss damit machen damit, dass sich US-Bürger wegen einer College- oder Universitätsausbildung hoch verschulden. Sie will für eine bessere Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie und gleiche Bezahlung von Männern und Frauen sorgen. Bei Krankheit und im Alter soll es mehr soziale Sicherheit geben.

Die Fitness-Frage wird in den USA von den Kandidaten fast wie ein religiöses Mantra vor sich her getragen. Es gibt zwar kein Gesetz, das die Politiker verpflichtet, ihren Gesundheitszustand öffentlich zu machen. Doch im Wahlkampf wird es als selbstverständlich erwartet. Kein Report war so ausführlich wie der von Ex-Bewerber John McCain, der 2008 gegen Barack Obama antrat: Für einige Stunden konnten Beobachter Einsicht in ausgewählte Krankenakten des Republikaners nehmen.

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