Fox News: Trump wird offen gepriesen

ThemaUS-Wahl 2016

Fox News: Erfolgreiche Hetzer

Trump wird offen gepriesen

„Die Vorgänge sind einmalig“, sagt Medienjournalist Gabriel Sherman, der den Skandal in einem Buch aufgearbeitet hat. „Ailes hat den Sender, die Marketing-, die Personalabteilung, für seine Zwecke benutzt“. Dass alle Führungspersonen im Sender, inklusive Besitzer Rupert Murdoch von den Vorgängen nichts gewusst haben wollen, ist für Sherman „nicht glaubhaft“. Murdoch versuchte zunächst an dem so erfolgreichen Ailes festzuhalten; doch nach wenigen Wochen musste er die Reißleine ziehen. Mit Moderatorin Carlson einigte sich der Sender für viel Geld außergerichtlich, Ailes verließ Fox News – und ist inzwischen als Berater für Donald Trump tätig.

Die Verbindung zwischen dem TV-Kanal und dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber bleiben also eng. Nicht nur Ailes mag Donald Trump, sondern auch Rupert Murdoch hat seinen Frieden mit dem Immobilienmogul geschlossen, den er zunächst offen widersprach. Und so wundert es nicht, dass an einem Mittwochabend im September Bill O’Reilly auf seinem Sendeplatz Trump offen preist. Anders als Kollege Chris Wallace versucht der 67-Jährige TV-Moderator erst gar nicht, den Anschein von Objektivität zu erwecken. O’Reilly, seit Anbeginn Unterstützer der Idee, eine Grenzmauer zu Mexiko zu bauen, echauffiert sich, dass die „Linken einen zum Rassisten abstempeln“, wenn man die illegale Einwanderung in die USA kritisiert. Bei der Präsidentschaftswahl stelle sich die Frage, ob die Wähler genug von den „anarchischen Zuständen“ in ihrem Land haben. Eine Prognose sei derzeit nicht möglich, schließlich könne man den Umfragen nicht trauen.

Ein paar Wochen später legt Bill O’Reilly bei seinem Kollegen Chris Wallace nach und schimpft über die Hauptstadtjournalisten. „Sie denken, sie wissen alles. Meinen, sie sind schlauer als Senatoren, Abgeordnete, Bürgermeister – und natürlich viel schlauer als ein Barbar wie Trump“, wettert O’Reilly. „Völlig einseitig und voreingenommen“, bilanziert der Hardliner.

Trump nimmt die Vorlage von Fox News einen Tage später beim Wahlkampfauftritt in Wilkes-Barre, Pennsylvania, dankbar auf. Medienschelte gehört längst zu seinem Standardprogramm. „Ohne die Hilfe der Medien hätte Hillary Clinton nicht einmal eine Chance, zum Hundefänger gewählt zu  werden.“ Trump echauffiert sich, dass einige Beobachter ihn bei der zweiten TV-Debatte als Sieger gesehen haben – nicht so CNN. In diesem Moment eskaliert die Wut seiner Anhänger. Die Menge dreht sich Richtung Pressebereich und skandiert „CNN sucks“, zu Deutsch: „CNN ist scheiße.“

Ablehnung des Establishments, Angst vor Einwanderung und das Gefühl, sich einer „linken Übermacht“ aus Staat und Medien gegenüberzustehen: diese Attribute kennzeichnen nicht nur die Trump-Wähler, sondern auch die Unterstützer von Pegida und der „Alternative für Deutschland“. Zur Erinnerung: Sie waren es, die den Begriff der „Lügenpresse“ in Deutschlang neue Popularität verliehen haben. Wäre es da also nicht chancenreich, einen Sender wie Fox News in Deutschland zu etablieren? Ein Gegengewicht zum „Mainstream“, der die „Dinge beim Namen nennt“?

Medienforscher Lutz Hachmeister sieht derzeit keinen neuen konservativen Akteur, „der bereit ist, ins Fernsehen zu investieren“. Zu stark sei der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland – insbesondere auch in der politischen Berichterstattung. „Sie beherrschen in dem Medium die politische Diskussion“, sagt Hachmeister. So hätten sich auch die Nachrichtensender N-TV und N24 nie wirklich als Gegengewicht etabliert; statt Nachrichten und Talk-Formate laufen dort zur besten Sendezeit Dokumentationen. Nachahmer sind also gewarnt. Eine Neugründung hätte es zudem schwer, weil der Fernsehjournalismus in Deutschland objektiver sei. „In den USA senden viele Bürger, aber auch Denkfabriken oder Unternehmen, eine klare politische Botschaft mit der Wahl ihres Lieblingsfernsehsenders“, sagt Hachmeister. In Deutschland aber gäbe es keinen, der aufgrund seiner politischen Gesinnung bevorzugt RTL oder ZDF einschalte.

Russland Wie Moskau mit der deutschen Flüchtlingskrise Propaganda macht

Moskauer Medien berichten viel über Deutschlands Probleme mit den Flüchtlingen. Im Vergleich kann Russland gut aussehen. Doch einige Horrorgeschichten sind schlicht gefälscht

Zum Themendienst-Bericht "Tourismus/Russland/KORR/" von Carina Frey vom 24. März: Zentrum der Macht: Von der Moskwa aus haben Besucher einen guten Blick auf den Kreml in Moskau. (Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei. Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dem genannten Text verwendet werden) +++ +++ Quelle: dpa-tmn

Während sich im Internet also längst Gegenangebote zu den klassischen Medienmarken gegründet und auch bewährt haben, wird die Fernsehwelt wohl weiter ohne einen expliziten Anti-Establishment-Sender auskommen müssen. Das müsse die AfD aber nicht bedauern, sagt Hachmeister. „Ihre Spitzenpolitiker sind im öffentlichen Fernsehen auch so derzeit omnipräsent, sie bekommen mehr Rede- und Sendezeit als ihnen aufgrund ihrer Stimmanteile in den Parlamenten zustehen dürfte“. Und so profitieren sie von der Reichweite des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, den sie selbst bei jeder Gelegenheit ablehnen.

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Zum Ende der sonntäglichen Wochenschau von Chris Wallace wird es christlich. Der Fox-News-Moderator spricht mit Football-Spieler Kirk Cousins über sein soziales Engagement. Der Spielmacher der Washington Redskins unterstützt die International Justice Mission (IJM), eine gemeinnützige, christliche Organisation, die sich den Opfern schwerster Menschenrechtsverletzungen annimmt. Den Weg zu der Hilfsorganisation habe ihn Gott gewiesen, berichtet Cousins. Den Gründer der IJM traf der Footballspieler nämlich ausgerechnet in der Kirche. Eine perfekte Geschichte für die Zuschauer von Fox News an ihrem heiligen Sonntag.

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