Freytags-Frage: Wie können wir den Trumpismus überstehen?

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Kann die offene Gesellschaft den Trumpismus überstehen?

Kolumne von Andreas Freytag

Nach der US-Wahl müssen wir uns fragen: Wie können wir unsere liberale Weltordnung verteidigen und zugleich den Strukturwandel angehen, der Donald Trump groß gemacht hat? Die Antworten liegen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten haben sich die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Nimmt der Präsident Trump die durchaus erratischen und unsachlichen Ankündigungen des Kandidaten Trump ernst, droht uns unter anderem Protektionismus in seiner primitivsten Form. Von der Strafe für bilaterale deutsche Handelsbilanzüberschüsse über Strafzölle für China bis hin zur Kündigung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens erscheint vieles möglich.

Das könnte dann das Signal für andere Länder sein, ebenfalls eine protektionistische Haltung einzunehmen. Das Horrorszenario wäre folgendes: Nicht nur die trans-pazifische Partnerschaft (TPP) und das transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP), sondern auch weitere geplante regionale Freihandelsabkommen wie zwischen der EU und Australien platzen dann, die Welthandelsorganisation (WTO) wird bedeutungslos, Handelskriege sorgen für Ärger und Unverständnis, die Weltwirtschaft gerät in eine tiefe Rezessionen, die Arbeitslosigkeit weltweit steigt, und der Hass auf Ausländer steigt als Ergebnis. Diplomatische Beziehungen sind auf dem Tiefpunkt. Die offene Gesellschaft, die Frieden und Wohlstand erst ermöglicht, droht durch nationalistische Verwerfungen unterzugehen

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Dieses Szenario ist von der empirisch unzweifelhaften Erkenntnis geprägt, dass eine Welt der Autarkie derjenigen der offenen Märkten unterlegen ist; sowohl mit Blick auf den Wohlstand als auch bezogen auf den Frieden. Dies ist seit den Zeiten eines Cordell Hull, des amerikanischen Außenministers und Friedens-Nobelpreisträger, dem wir die Gründung der Vereinten Nationen und die Integration Deutschlands in die Völkergemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zu verdanken haben, eine millionenfach bestätigte Erkenntnis.

Viele Beobachter, die sich nicht als Anhänger Trumps verstehen, sehen dies allerdings nicht und sympathisieren mit seinen handelspolitischen Vorschlägen. Sie begreifen die Globalisierung als eines der wesentlichen Probleme der Gegenwart und die Ursache für die zunehmende Ungleichheit und Spaltung der Gesellschaft. Die ersten Kommentare zur Wahl Trumps deuten darauf hin, dass seine Position besonders im Feuilleton mehrheitsfähig wird. Das wäre eine bittere Ironie der Geschichte.

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Die Amerikaner haben einen Präsidenten gewählt, für den „America first“ mehr zählt als globale Kooperation und Freihandel. Manager, Politiker und auch Anleger müssen lernen, damit umzugehen. Quelle: Laif

Und es wäre ein logischer Fehlschluss. Denn die Globalisierung - in altmodischer Formulierung die Intensivierung der internationalen Arbeitsteilung - ist ein wesentlicher Faktor für die Steigerung des Wohlstandes in allen beteiligten Ländern. Allerdings - und hier haben die Kritiker Recht - bewirkt internationaler Wettbewerb bei gleichzeitiger Technisierung nicht nur Vorteile für die Konsumenten und neue Arbeitsplätze in der Exportindustrie, sondern eben auch den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in den mit Importen konkurrierenden Unternehmen. Die Politik wie auch ihre Berater haben diese Verluste mit Sicherheit in ihren Wirkungen auf die Betroffenen unterschätzt, genau wie sie die Chancen der Betroffenen, schnell einen neuen Arbeitsplatz zu finden, deutlich überschätzt haben bzw. sich wie in den USA gar nicht erst um die Betroffenen gekümmert haben.

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