Görlachs Gedanken: Donald Trump führt einen Kreuzzug gegen die Demokratie

ThemaUS-Wahl 2016

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Kolumne

Sollte Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl verlieren, war die Wahl gefälscht. So einfach ist es aus Sicht des Milliardärs – und es zeigt: Trump hat Lust daran, das Land an den Rand eines Bürgerkriegs zu manövrieren.

Es ist noch kein Jahrzehnt her, da regierte ein ultra-christlicher Präsident George W. Bush die Vereinigten Staaten von Amerika – mit verheerenden Konsequenzen, die sich unter anderem im Gefolge der Kriege im Irak und Afghanistan noch besichtigen lassen. George W. Bush nutzte nicht selten eine religiöse Rhetorik, die „Achse des Bösen“ ist ein Beispiel. Auch führte er den Begriff des „Kreuzzugs“ gegen den Terror ein. Kabinettstreffen des frommen Mannes begannen mit Gebeten. Alles in allem schien sein Weltbild von apokalyptischen und gnostischen Bildern geprägt gewesen zu sein. Hier die Guten, dort die Bösen. Der Konflikt zwischen islamistischem Terrorismus und den Vereinigten Staaten von Amerika als Fanal des biblischen Armageddon.

Biblische Terminologie und christliche Rhetorik ist den Amerikanern, den Republikanern im Besonderen, nicht fremd. Die „scheinende Stadt auf dem Berge“, wie Ronald Reagan die USA apostrophierte, hat darin ihren Ursprung. Wann immer sich der moderne Staat versucht mit Religion zu legitimieren oder aufzuwerten, tut es ihm nicht gut.

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Die Marke Donald Trump

  • Geschäftsmann

    Als Baulöwe, Casinobetreiber, Golfclubbesitzer und Ausrichter von Schönheitswettbewerben hat der New Yorker ein Vermögen von zehn Milliarden Dollar angehäuft – nach eigenen Angaben.

  • TV-Star

    Trumps Satz „You’re fired“, mit dem er in der Show „The Apprentice“ ehrgeizige Jungunternehmer feuerte, wurde zum geflügelten Wort.

  • Politiker

    Trump spendete auch an Demokraten wie die Clintons, tritt nun aber für die Republikaner an.

Am Ende stehen angeschlagene und ausgehöhlte Institutionen, wie es in der Türkei oder in Russland zu beobachten ist. Und nun Donald Trump. Sein „Grab them by the pussy“ ist sicher nicht einem biblischen Text entnommen, aber die Rhetorik, die er entfaltet, ist ebenso geeignet, die Nation zu spalten und die Amerikaner gegeneinander aufzubringen und bürgerkriegsähnliche Szenen zu evozieren.

Zwar sagte der Sexist und Politik-Anfänger am Ende der ersten Präsidentschaftsdebatte, dass er den Ausgang der Wahl akzeptieren würde. Wenig später aber, und zum wiederholten Male, äußerte er, dass der Wahlausgang, sollte er nicht gewinnen, garantiert gefälscht wäre. Seine Anhänger glauben ihm. Denn der Narrativ, dass „die in Washington“, dass „das Establishment“ ihn verhindern wolle, ist tief verankert im US-amerikanischen Selbstverständnis. Fast nichts ist einem Amerikaner mehr verhasst, als seine Zentralregierung.

Das Land ist groß und die Behauptung, dass die in der Hauptstadt nur die individuellen Rechte beschneiden wollten, ist mehr als salonfähig. Die Debatte um Waffenbesitz, den zweiten Zusatzartikel zur US-Verfassung, kreist ebenfalls darum: es geht nicht darum, ob es sinnvoll ist, Waffen zu besitzen, sondern darum, dass es illegitim sei, sollte die Zentralregierung die Waffen ihrerseits einsammeln wollen.

Die Legitimation der Bundesregierung hängt von ihrem als amerikanisch verstandenen Verhalten ab. Dies ist auch der Grund, warum Barack Obama für viele, auch wieder in religiöser Sprache, der „Anti-Christ“ ist. Er hat die Krankenkasse für alle eingeführt. Was eine Selbstverständlichkeit in Europa ist, der Begriff der Solidarität, gilt in den individualistischen USA nicht nur ein Fremd-, sondern auch ein Schimpfwort.

Für viele ist das schlicht Sozialismus. Wenn ein Kandidat presidentiell sein soll, wird er geprüft: verkörpert er das, was als amerikanische Werte gilt? Dabei machen Präsidenten immer einen Spagat, denn sie entstammen dem Politikbetrieb und müssen gleichzeitig so tun, als sei dies nicht der Fall.

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